Michael Schultz Daily News Nr.640

Berlin, den 21. März 2014

Liebe Freunde,

der 'Informationsdienst Kunst' gehört bekanntermaßen zu den bestinformiertesten Nachrichtenmagazinen der Kunstszene. Im zweiwöchentlichen Rhythmus informiert das Szeneblatt über Tief- und Hochgang der Bildenden Kunst. Investigativ, vorausschauend, mahnend und der Zeit immer ein bisschen voraus, beleuchten die Macher um Karlheinz Schmid das Geschehen. Bis vergangenen Herbst und über zwei Jahrzehnte lang wurde in Regensburg geschrieben, redigiert und gedruckt. Doch bis der Branchendienst beim Leser ankam, dauerte es mitunter mehrere Tage. Seit kurzem befindet sich die Redaktion in Berlin, und die Ausgabe vom 20. März (Nr.549) ist noch am selben Tag auf dem Tisch. Wieder einmal ist damit bewiesen, dass die Dinge, die im Zentrum des Geschehens gebündelt und versandt werden, auch rechtzeitig ankommen. Etwas spät, aber immerhin, gratulieren wir den Kollegen aus dem Hause Lindinger + Schmid zu ihrem Hauptstadtbekenntnis. Nicht nur die Recherche- und Versandbedingungen haben sich dadurch verbessert, letztlich ist es die Absenderadresse die dem Blatt noch mehr Glanz und Würde vermittelt. (Info@lindinger-schmid.de)
Das Haus Lindinger + Schmid beheimatet auch die auflagenstarke 'Kunstzeitung'. Monat für Monat werden 200.000 Exemplare in den Versand gebracht. Für die Empfänger ist die Zeitung kostenlos; finanziert wird das Ganze durch Anzeigen. Einer der Ideengeber für dieses Periodikum, so zumindest wollen es die Insider wissen, war die Berliner Galeristenikone Michael Wewerka. Er soll die Initialzündung zum Start gegeben haben. Auch er ist im Denken der Zeit immer einen großen Schritt voraus. In seinen legendären Galerieräumen in der Charlottenburger Fritschestraße hat Wewerka vor über 3 Jahrzehnten avantgardistische Ausstellungskonzepte realisiert, die bis heute bestand haben. Auch als Mentor und großzügiger Unterstützer hat er sich in der Szene einen Namen gemacht. Vieles im damals noch geteilten Berlin war ohne seine Unterstützung nicht möglich. Die Finanzierung seiner Leidenschaft war ihm durch eine einmalige Erfindung möglich: vor genau 40 Jahren organisierte er den ersten Berliner Trödelmarkt; auch Flohmarkt genannt. Seither ist dieser eine der touristischen Hauptattraktionen der Stadt. Aber nicht nur das - nicht Wenige bestreiten davon ihren Lebensunterhalt. An diesem Wochenende wird auf der Straße des 17. Juni das Jubiläum gefeiert; Theater- Opern und Musikaufführungen begleiten das Treiben auf dem Trödelmarkt. (Jeweils in der Zeit von 12 bis 17 Uhr.)
In Hamburg wurde erstmals der von der 'Zeit' initiierte 'Weltverbesserer'-Preis verliehen. Ausgezeichnet wurde 'More than shelters', ein Team aus Architekten, Designern, Ingenieuren und Wissenschaftlern, die neuartige Flüchtlingsunterkünfte entwickelt haben. Der Preis, so die Verlagsgruppe 'Zeit', ehre Menschen, die genug vom Lamentieren hätten und die die Welt ein bisschen erträglicher machen wollen. Der zweite Preis ging an das Berliner Projekt 'Stadt macht satt', und auch der dritte Preis ging für 'Puls Engagement Camps' nach Berlin.
'Unüberbrückbare finanzielle Hürden' erfordern die Schließung des Opernhauses in San Diego. Bereits Mitte April soll der letzte Vorhang fallen, mit dem der Spielbetrieb im knapp 50 Jahre alten Opernhaus eingestellt werden wird. Als letzte Vorstellung steht Massenets Oper 'Don Quichotte' auf dem Spielplan, die am 13. April aufgeführt werden soll.
Im Deutschen Historischen Museum in Berlin wird heute unter dem Titel 'Farbe für die Republik' eine Ausstellung zur DDR-Auftragsfotografie eröffnet. In ihr wird die offizielle journalistische Bildproduktion der DDR anhand der Farbfotografie gezeigt. In sieben Themenbereiche gegliedert, zeigt die Schau viele Facetten einer idealisierten DDR-Wirklichkeit. (DHM, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, täglich 10 - 18 Uhr)
Von dem vermissten Flieger MH 370 gibt es leider immer noch nichts Konkretes zu vermelden. Die auf den Satellitenbildern gefundenen Gegenstände im Indischen Ozean wurden geortet; ob es sich dabei allerdings um Teile des Flugzeugs handelt, ist nicht sicher. Vermutlich bestehen die Trümmerteile aus im Meer schwimmenden Containern und anderem von Schiffen verlorenem Treibgut. Im Verlaufe des heutigen Tages wollen die australischen Behörden dazu Auskunft geben.
Uli Hoeneß, so meint es zumindest der Münchner Ex-Galerist Helmut Leger, dürfe niemals im Gefängnis landen. Für ihn ist der Mann schwer krank und wegen seiner Spielsucht wären eine zweijährige Gefängnisstrafe und eine daran gekoppelte Pflicht zu einer einjährigen (Sucht-)Therapie gerechter gewesen. Hoeneß' pathologisches und zwanghaftes Spielen, umgangssprachlich auch als Spielsucht bezeichnet, wird durch seine Unfähigkeit gekennzeichnet, den Impuls zum Glücksspiel oder wetten zu widerstehen, so Leger. Eine wirklich großherzige Geste eines Bayern-Fans. Dass hinter allem jedoch Kalkül und kriminelle Energie stecken sollen, veröffentlichte jetzt der 'Stern'. Aus einem Insiderinterview ist zu entnehmen, dass auf den Hoeneß-Konten zeitweise 600 Millionen Schweizer Franken geparkt waren. Ein Großteil der Summe wurde auf andere Konten umgeleitet. Vermutet wird auch, dass Hoeneß nicht auf eigene Rechnung gehandelt hat, sondern im Namen des FC Bayern. Weil vieles im Prozess nicht erörtert wurde, eine verhältnismäßig milde Strafe erteilt wurde und diese weder vom Beklagten noch von der Staatsanwaltschaft gerügt wird, wird ebenso vermutet, dass es zwischen dem Gericht und dem Angeklagten zu Absprachen kam. Ein weiteres Indiz für diese Mutmaßung ist die kurze Prozessdauer.
Vieles wird wahrscheinlich niemals geklärt werden, und das ist auch besser so. Mit dem Ausscheiden von Uli Hoeneß aus den Vereinsfunktionen schwindet auch die 'mir san mir'-Überheblichkeit, und der FC Bayern entwickelt sich zu einem Verein mit freundlichem Antlitz. Die Zahl seiner Fans wird grösser, und wenn dann dieser Tage die Meisterschaft festgezurrt ist, freuen sich ein paar mehr darüber. So hat das alles auch was Gutes.

Der nächste Newsletter erscheint am Montag. Dann aus Baku. Bis dahin beste Grüße.

Michael