Michael Schultz Daily News Nr.638

Berlin, den 19. März 2014

Liebe Freunde,

Wladimir Putin hat nun also wahrgemacht, was alle befürchtet haben: die Krim gehört ab sofort zum Staatsgebiet der Russischen Föderation. Die noch fehlenden Formalien werden schnell nachgeholt, aber auf der Krim und in Moskau wird die Annektierung bereits groß gefeiert. Der Westen ist ratlos und schockiert, droht mit weiteren Sanktionen, ist aber letztlich machtlos. Mit diplomatischem Weitblick und präventiver Politik des Westens, wäre es gar nicht so weit gekommen. Mit aller Macht sollte die Ukraine aus dem Einflussbereich der Russen rausgelöst werden, und als Janukowitsch seine Unterschrift auf ein EU - Beitrittsverfahren verweigerte, wurde man in Europa, besonders in Deutschland, böse. Die Mobilisierung der Maidan - Proteste hätte sich ohne den Oppositionstourismus einiger Westpolitiker niemals so ausgeweitet, dass am Ende viele Tote und der Wegfall der Krim zu beklagen sind. Über ihre Lagerzugehörigkeit können nur die Ukrainer selbst entscheiden und wenn sich der Westen in dieser Phase diplomatischer verhalten hätte, dann hätten wir heute das Dilemma nicht zu beklagen.

Der größte Fehler aus heutiger Sicht war die kollektive Verweigerung westlicher Spitzenpolitiker zu den Eröffnungsfeiern nach Sotschi zu kommen. Im Humus solcher Veranstaltungen steckt weitaus mehr Verhandlungspotential als schlechthin vermutet. Auch wenn Putin charakterlich schwer einzuordnen ist, seine Eitelkeit in Sotschi zu pudern, wäre verdammt einfach gewesen. Auch die Verlegung des G8 - Gipfels von Sotschi nach Den Haag, und mit ihr die Ausladung Russlands, ist ein großer diplomatischer Fehler. Angela Merkel und Barak Obama setzen immer noch auf diplomatische Bereinigung - doch, wenn nicht auf der Zusammenkunft aller relevanten Weltstaaten, wo will man miteinander reden. Jetzt braucht der Weltfrieden besonnene Köpfe, die nicht die Status Quo - Veränderung der Krim als Vorbedingung für weitere Gespräche fordern. Weitsicht gen Osten ist gefordert.

Die Berichterstattung der vergangenen Tage über die lieben Schwaben haben zu vielen Reaktionen geführt. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass Karlsruhe zu Baden gehört und mithin dort keine Schwaben angesiedelt sind. Das ist natürlich völlig richtig, weil aber die Mehrheit der 'Art Karlsruhe' - Messebesucher aus dem anderen Teilstaat von Baden-Württemberg kamen, haben wir uns im Charakterprofil auf sie konzentriert. Der Zwist zwischen den südwestdeutschen Brudervölkern ist altbekannt, dass jetzt aber die Badener für die Württemberger Visapflicht fordern, erinnert schon ein wenig an die Ost-West Konflikte in der Weltpolitik. Aber, es war auch schon immer so, dass man aus den großen Dingen die Kleinherzigkeit der Potentaten ablesen konnte. Wenn man genau hinschaut, dann stiehlt die Landeshauptstadt Karlsruhe der Landeshauptstadt Stuttgart immer wieder öffentliches Interesse. Dort gibt es das Bundesverfassungsgericht und in Stuttgart halt nur den Kretschmann. Dafür dürften die Badener eigentlich nicht böse sein, wenn man sie mit den Schwaben in einen Topf wirft. Schließlich, und darauf kommt es letztlich doch an, heißt das Land nicht Württemberg-Baden sondern Baden-Württemberg.

Von der vermissten MH 370 gibt es nun die Vermutung, dass die Maschine irgendwo auf den Malediven gelandet sein könnte. Bewohner der Insel Kuda Huvadhoo im Süden des Archipels haben am 8. März, dem Tag des Verschwindens, ein sehr tief fliegendes Flugzeug mit roten Streifen gesichtet. Ob es sich dabei um das vermisste Flugzeug gehandelt hat, wird, wie so vieles in dem ganzen Drama, weder dementiert noch bestätigt. Angeblich soll der Pilot in seinem Heimsimulator die Landung auf einer Malediven - Insel geprobt haben. Von Experten wird neuerdings darauf hingewiesen, dass es überhaupt nicht nachgewiesen sei, dass der Flieger bis zum Leerfliegen der Tanks in der Luft war.

Nach dem Tod der langjährigen Partnerin von Mick Jagger, ist die geplante Welttournee der Rolling Stones erstmal gestoppt. Die Konzerte in Australien und Neuseeland wurden abgesagt, ob die Band im Juni in Düsseldorf auftritt, ist fraglich. Mit einem Schal um den Hals ist die Modedesignerin L'Wren Scott in ihrer New Yorker Wohnung tot aufgefunden worden. Seit 2001 waren die beiden ein Paar.

Völlig überraschend ist auch der Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums, Markus Brüderlin im Alter von 55 Jahren verstorben. Seit 2006 leitete er das Museum und hat ihm mit seiner eigenwilligen kuratorischen Handschrift in kürzester Zeit weltweites Ansehen verschafft. Mit ihm verliert die deutsche Museumslandschaft einen ihrer exponiertesten Vertreter.

Schlussendlich sei für heute vermerkt, dass ein chinesischer Immobilienmakler für umgerechnet 1,4 Millionen Euro einen Hund erworben hat. Dabei handelt es sich um einen einjährigen Tibet-Mastiff, dessen Organismus mit Löwenblut betrieben werden soll. Es ist ja schon schön, dass in China viel Geld im Umlauf ist, aber diese summe für einen Hund... Wow.

Die Schwaben rennen heute alle zu Aldi, dort sind die Preise für Wurstwaren deutlich gesenkt worden.

Guten Appetit und schöne Grüße bis morgen.

Michael