Michael Schultz Daily News Nr.637

Berlin, den 18. März 2014

Liebe Freunde,

nach erfolgtem positiven Russland-Referendum auf der Krim sollten gestern, so zumindest haben es die Schwaben vorhergesehen, weltweit die Börsen zusammenbrechen. Doch oh Wunder, genau das Gegenteil ist geschehen. Stabil und auf hohem Niveau sind die Indizes in New York, Tokio und sogar in Frankfurt nach oben geschossen. Alleine die Deutsche Börse konnte den Tag gestern mit einem satten Plus von 1.3% abschließen; für heute sind weitere Zuwächse prognostiziert. Die Angsthasen aus dem Südwesten wurden von der Realität eingeholt und diese bedeutet, dass die derzeitigen Vorkommnisse in der Ukraine die westlichen Wirtschaftssysteme eher stärken als schwächen. Für die EU wäre es ohnehin das Beste, wenn Putin die Sanierung der gesamten Ukraine übernehmen würde. Bis zu 120 Milliarden Euro müssen mittelfristig ins Land gepumpt werden; das wäre zwar zu stemmen, aber für die Sanierung des alten Europa besser angelegt. Putin ließe sich den Machtpoker einiges kosten, warum lässt man ihn nicht.
Ohnehin war es ein großer Fehler unserer Kanzlerin, dass sie sich in die inneren Angelegenheiten der Ukraine eingemischt hat. Ohne ihre blinde Liebe zu Boxweltmeister Wladimir Klitschko hätte sich der Konflikt niemals so ausgeweitet, dass am Ende die Zersplitterung des Landes dabei rauskommt. Der selbst gerichtete Scherbenhaufen wird nun mit Sanktionen bedacht, und jeder der auf der schwarzen Sanktionsliste auftaucht, fühlt sich geehrt und in guter Gesellschaft. Der einheimischen Wirtschaft wird unnötiger Schaden zugefügt, doch das ficht die Kanzlerin nicht, ihr geht es um die Kontrolle über die Weltherrschaft. Dabei muss sie allerdings aufpassen, dass sie die Kontrolle über sich selbst nicht verliert. In solchen Situationen braucht auch Frau Merkel gute Ratgeber, die ihr ohne Ansehen der Person die Sachlage erklären. Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder bewertet das Gerangel um Bestrafung wie folgt: 'Bei Sanktionen muss man eben aufpassen, dass man sich dabei nicht ins eigene Fleisch schneidet'. Wie wahr.
Die Krim und das ganze Theater drum herum haben den Blick auf ein viel schlimmeres Unglück verdeckt. Seit mehr als einer Woche ist ein Flugzeug der Malaysia Airline mit 239 Insassen an Bord spurlos verschwunden. Jetzt hat China die Suche nach dem Flieger an seiner Nordwestgrenze aufgenommen. Die Bemühungen konzentrieren sich auf eine mögliche Flugroute in Richtung Kasachstan. Auf der anderen möglichen Flugroute über Indonesien in den südlichen Indischen Ozean hat Australien die Koordinierung der Suche übernommen. Auch am elften Tag des Verschwindens und intensiver Suchbemühungen fehlt noch jede Spur von dem Flugzeug. Mittlerweile beteiligen sich an der Suche 26 Länder; ermittelt wird in alle Richtungen. Sabotage, Entführung, Terrorakt oder Selbstmord eines der Piloten stehen dabei an oberster Stelle. In Malaysia, aber auch in China hofft man, dass der Flieger entführt wurde und auf einem stillgelegten Flughafen irgendwo im Labyrinth der vielen asiatischen Inseln verweilt. Wahrscheinlich ist eher, dass die Maschine irgendwo in der Tiefe des Indischen Ozeans liegt. Abgestürzt nachdem die Tanks leergeflogen waren. Es wird viel spekuliert, zu hoffen bleibt, dass der mysteriöse Fall bald aufgeklärt wird und so auch die Angehörigen der Insassen Gewissheit erhalten.
Heute wird mal wieder Fußball gespielt. Schalke muss nach Madrid und will dort versuchen, sich mit erhobenem Haupt aus der Champions League zu verabschieden. Nach der 1:6 Schlappe im Hinspiel müssen sie dort eigentlich gar nicht antreten; doch sie wollen das Trikot vom Weltfußballer Ronaldo abholen und nach Gelsenkirchen bringen. Eine ehrenwerte Aufgabe. Vom Bundestrainer Joachim Löw hört man unterdessen, dass er und seine Frau gerne Kinder gehabt hätten, doch irgendwie hätte es nicht sollen sein. 'Wir hätten gerne welche gehabt, aber das war halt leider nicht so', sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Seit 25 Jahren ist Löw verheiratet, doch aus der Öffentlichkeit hält er sie beinahe komplett raus. Na ja, man muss auch wissen wie es geht.
Der Berliner Zeichner Ralf Ziervogel erhält den mit 20.000 Euro dotierten Horst- Janssen-Grafikpreis. Die Auszeichnung wird am 18. Oktober im Oldenburger Horst-Janssen-Museum übergeben. Ziervogels Arbeiten hätten die Jury vor allem durch ihre technische Perfektion und seine Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten überzeugt. Bestandteil des Preises ist auch eine Ausstellung; diese wird ebenfalls am 18. Oktober eröffnet.
Heute Mittag will Wladimir Putin der Welt erklären, wie und was er mit der Krim und der Ukraine noch alles vorhat. Gespannt wartet der Westen auf seine Ausführungen. Wir melden uns morgen wieder; wenn es spannend ist, auch damit.

Beste Grüße

Michael