Michael Schultz Daily News Nr.636

Liebe Freunde,

die 11. Ausgabe der 'Art Karlsruhe' ging gestern Abend zu Ende. Nicht mit dem erhofften Paukenschlag, aber immerhin mit der erneuten Bestätigung, dass sich der Messeplatz im Südwesten Deutschlands auf hohem Niveau bestätigt hat. Ohnehin steht die Veranstaltung in Planung, Organisation, Werbung und Besucherprogramm keiner Anderen nach; sie gehört in dieser Hinsicht zu den Besten weltweit. Allenfalls sind es die schwäbischen Kunstfreunde, die durch politische Erschütterungen mitunter die Kontrolle über ihre Etats verlieren. Aktuell will man abwarten, ob sich durch die Krim - Krise nicht doch ein 3. Weltkrieg entwickelt, und wenn es dann so kommt, ist jeder Euro auf dem Festgeldkonto besser angelegt, als in krisensicherer Kunst. So wird dort wirklich argumentiert.
Auch wenn wir gerne noch das eine oder andere Geschäft zu Ende gebracht hätten, hat sich für uns der Ausflug nach Karlsruhe gelohnt. Von SEO, Monika Sigloch, Helge Leiberg, Norbert Bisky, Sabina Sakoh und Guillaume Bruère konnten wir platzieren; für Maik Wolf, Sabina Sakoh, Helge Leiberg, Sonja Alhäuser und Andy Denzler wurden Ausstellungsvereinbarungen getroffen, und für SEO wurde die Coverstory in einem angesehenen Kunstmagazin festgezurrt. Große Beachtung fanden die Kunstwerke von Cornelia Schleime und Bernd Kirschner; doch ihnen stand immer wieder die Krise auf der Krim im Weg. Man würde es bestimmt nicht glauben, wenn man es nicht selbst erlebt hätte; im Südwesten spricht man immer noch von Atombunkern in denen man die Zeit überleben will. Dafür muss gespart werden.
Die Schwaben haben Witz, sie haben Charme; nicht wenige von ihnen verzichten auf ein Mobiltelefon, ihnen reicht der Hausanschluss. Viele leben unter einem anthroposophischen Schleier und unter ihm verbergen sie die Defizite ihrer Weitsicht. Irgendwann lässt man von ihnen ab, weil die Diskussionen ohnehin nichts bringen. Zudem und das ist die Stärke der Südwestler, lebt dort sowieso jeder nach seiner Façon. Man interessiert sich nicht für den Nachbarn, will aber alles über ihn wissen. 'Man kann nie wissen.' ist die meist genannte Redensart. In ihr verbirgt sich alles, von der Angst vorm 3. Weltkrieg bis hin zum Faible für Chinchilla - Zucht. Nirgendwo wird so viel sinniert wie im Schwabenland und dass dabei mitunter sogar weltbewegende Dinge entstehen, zeigt die große Dichte der Erfinder die uns nicht nur den Fischerdübel sonder auch den Maggiwürfel in den Alltag gebracht haben.
Bedeutende Sammlungen sind in Baden-Württemberg entstanden und ihre Sammler zeigen was sie haben. An vorderster Stelle seien hier Reinhold Würth und Frieder Burda genannt. Beide konnte bisher nichts erschüttern; mit ihrem Blick weit über den Tellerrand, sind sie Vorbild in jeglicher Hinsicht. Schade nur, dass der gemeine Schwabe sich nicht an ihnen orientiert. Die Schwaben bleiben nicht unter sich - der Schwabe bleibt bei sich. Und das macht es manchmal so schwer.
Dass Uli Hoeneß, der im Übrigen auch Schwabe ist, sein Urteil ohne Revision angenommen hat, wurde von der Bundeskanzlerin mit 'großem Respekt' anerkannt. Mit dieser Bemerkung hat sie sich ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt: Einem verurteilten Betrüger Respekt zollen, wenn dieser die Strafe akzeptiert, das hat schon ein Geschmäckle. Sie wird wissen warum sie das tut - auch wenn dies keiner versteht.
Vielleicht kommen ihre Vorfahren auch aus dem Schwabenland. So wie ich.

Bis morgen und beste Grüße.

Michael