Michael Schultz Daily News Nr.635

Karlsruhe, den 14. März 2014

Liebe Freunde,

im Prozess gegen den Millionensteuerbetrüger Uli Hoeneß forderte gestern sogar die 'Bild', Deutschlands Meinungsmacher Nr. 1, dass Uli Hoeneß in den Knast muss. So zumindest stand es auf der Titelseite. Der Staatsanwalt hatte noch volksnah ein anständiges Strafmaß von 5,5 Jahren gefordert; dem Richter war dies zu viel, er verhängte lediglich drei Jahre und sechs Monate. Der Boulevard, aber auch seriöse Prozessbeobachter sind sich darin einig, dass die Strafe recht mild ausgefallen ist. Für 27,2 Mio Euro (plus Solidaritätszuschlag) wurde Uli Hoeneß jetzt zu 42 Monaten Gefängnis verurteilt, und wenn man die Summe mal runterrechnet, dann bedeutet dies, dass für die hinterzogene Steuersumme in Höhe von 647.619,04 Euro der Bayernboss genau einen Monat hinter Gittern soll. Unter diesem Gesichtspunkt gesehen ein wirklich sehr sanftes Urteil, und wenn das nun das Maß aller Dinge ist, könnte dies für jeden ernsthaften Steuerzahler zur Versuchung werden. Man hinterzieht Steuern und verbringt dafür seinen Jahresurlaub im Gefängnis. Seine Anwälte haben bereits Revision angekündigt; unter normalen Umständen geht man dabei nicht mehr an das Strafmaß ran, sondern überprüft nur noch die Rechtmäßigkeit des Urteils. Es besteht allerdings die Gefahr, dass durch die erneute Beschäftigung und die Zeit, bis dann wirklich alles endgültig rechtskräftig ist, sich auch an der Höhe der Strafe etwas verändert. Bei guter Führung würde ihm dann auch noch die Hälfte der Strafe erlassen werden, und wenn dann alles so kommt, wie es kommen wird, dann sitzt Deutschlands oberster Fußballmanager für schlaffe 650.000 Euro Steuerhinterziehung gerade mal zwei Wochen ein.
Man kann das jetzt bewerten wie man will: Hoeneß hat immer von einem Prominenten-Malus gewarnt, jetzt hat ihm der Staat im Namen seines Volkes eine große Freude bereitet. Beim Urteil in der Strafsache Hoeneß ist mit 3,5 Jahren so viel Bonus eingerechnet worden, wie sie der Normalsterbliche niemals bekommen wird. Schon der Antrag des Staatsanwalts war weit unter seinen gesetzlichen Möglichkeiten. 7 bis 7,5 Jahre wären für dieses Ausmaß durchaus einzufordern gewesen. Uli Hoeneß wird einsitzen müssen, und weil das Urteil auch in unserem Namen gefällt wurde, sollten wir es hinnehmen. Was im Prozess allerdings gar nicht erörtert wurde, ist die alles entscheidende Frage: wo kommt denn das ganze Geld her? Bis zu 350 Millionen Euro sollen auf insgesamt 5 Schweizer Konten geparkt gewesen sein. Immer lauter wird der Verdacht, dass diese Gelder womöglich Teil der Schwarzgeldkasse des FC Bayern sind. Auch wird in Frage gestellt, dass Hoeneß ausschließlich als Privatperson damit jonglierte. Ob diese durch den 'Stern' öffentlich gemachten Verdächtigungen jemals geklärt werden, steht nach diesem Prozess in weiter Ferne. Die Nibelungentreue mit der der Verein und die AG bisher zu ihm stehen, allerdings erhärten den Verdacht. Ob der FC Bayernchef seine Vereinspositionen weiterbehalten darf, liegt jetzt Gott sei Dank nicht mehr so sehr in seiner Hand. Es wäre allerdings ein gutes Signal für seine eigene Zukunft gewesen, wenn er schon gestern die Ämter niedergelegt hätte. Für heute ist eine Erklärung des Vereins angekündigt - wie auch immer die aussieht, die Ära Hoeneß ist zu Ende. Zu hoffen ist, dass dies auch bei den Bayern angekommen ist.
Gerade hat uns - fast schon nach Redaktionsschluss - eine Erklärung von Uli Hoeness erreicht: er akzeptiert in voller Höhe das Urteil, verzichtet auf eine Revision, und sein Amt als Präsident hat er mit sofortiger Wirkung niedergelegt.
Auch am Tag zwei war der Besuch auf der 'Art Karlsruhe' recht erfreulich. Mehr Kunstfreunde aus der Region, aber das ist nichts Ungewöhnliches. Die Messe wird gut beworben, und die Veranstalter lassen kaum eine Möglichkeit aus, um auf ihre Kunstmesse aufmerksam zu machen. Gestern gab sich der südwestdeutsche Großsammler Frieder Burda die Ehre und besuchte die Veranstaltung. Auch wenn heute nicht mehr alles in sein Portfolio passt, so ist Burda immer noch für so manche Kaufüberraschung gut.

Im Zentrum unseres Messestandes 'Porcellain Car II' des chinesischen Künstlers Ma Jun. Links im Bild ein Grossformat von Maik Wolf, und im Hintergrund eine kapitale Leinwand von A.R. Penck aus den frühen 80ger Jahren. Noch bis einschließlich Sonntag ist die 'Art Karlsruhe' geöffnet.
Zum Wochenende wird der große Besucheransturm erwartet. Insgesamt erwarten die Messemacher mehr als 50.000 Besucher. Einzig das extrem schöne Wetter könnte der 'Art Karlsruhe' zum Hauptkonkurrenten werden. Die Presse überschlägt sich und ist des Lobes voll; die Aussteller und ihre Künstler freuen sich aufs Wochenende. Ein kleiner Hinweis auf morgen sei zum Schluss erlaubt: im ZKM eröffnet Julia Bornefeld um 18 Uhr ihre ˈVanity and High Fidelityˈ-Show. (Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe)
Auf dem 'Newsticker' in unserer Webseite haben wir einige Artikel zu den aktuellen Aktivitäten geparkt. Wer draufschauen möchte: www.galerie-schultz.de

Euch ein schönes Wochenende. Am Montag geht es weiter mit dem Messeschlussbericht.

Beste Grüße

Michael