Michael Schultz Daily News Nr.631

New York, den 10. März 2014

Liebe Freunde,

eine spannende Kunstwoche in New York ist vorüber: Höhepunkt aus unserer Sicht, war die Ausstellungseröffnung von Rebecca Raue in der 'Molly Krom Gallery'. Gelegen im neu angesagten Kunstquartier der Lower East Side sind in den kleinen, aber umso feinen Galerieräumen ausschließlich Arbeiten auf Papier zu sehen. Der Galeristin ist es gelungen, aus dem Fundus der Künstlerin eine spannungsreiche Ausstellung zusammenzustellen, die trotz ihrer inhaltschweren Bedeutung Blatt für Blatt die Leichtigkeit des Seins manifestiert. Voller Selbstbewusstsein und mit enormer Frische schlägt Rebecca Raue in ihrer Erstlingsshow in New York auf; so, als ob sie schon immer dort zu Hause ist. (www.gallerykrom.com)
Aus unserem Programm wird es in den kommenden Monaten eine Reihe von Soloausstellungen in New York geben: Nina und Torsten Römer machen bereits im April den Anfang. Sabina Sakoh, Maik Wolf und Bernd Kirschner werden Ende des Jahres bzw. Anfang kommenden Jahres ihre ersten Ausstellungen dort haben; aber auch für unsere Galerien in Deutschland bringen wir spannende Ausstellungsprojekte mit. Die Aussteller der 'Armory' waren mit ihren Ergebnissen recht zufrieden, so zumindest haben es die New Yorker Blätter berichtet. Aus deutscher Sicht war im Positiven auffällig ein Bild von Jonas Burgert bei der Hamburger Produzentengalerie; die beste Malerei die auf der Hauptmesse gezeigt wurde. Wie Fremdkörper dagegen wirkten die beiden gelben Großformate von Jonathan Meese bei Sies + Höke (Düsseldorf), aber auch der eingequetschte Bisky in der Berliner Galerie CRONE. Künstler, die einem speziellen Programm zugeordnet waren, haben es verdammt schwer, sich anderswo mit derselben Würde und demselben Respekt Platz zu verschaffen. In New York wurde es durch diese beiden Positionen eindrucksvoll bestätigt.
Während der FC Bayern immer eindrucksvoller die Bundesliga dominiert, beginnt heute vor der 5. Strafkammer des Landgerichts München II das Steuerstrafverfahren gegen Uli Hoeneß. Bereits im Vorfeld wird vom spektakulärsten Prozess des Jahres gesprochen. Hoeneß hatte es versäumt, Millionengewinne aus seinen Aktienspekulationen, die er über Schweizer Konten realisierte, zu versteuern. Mit seinem Versuch dieses per Selbstanzeige nachzuholen, ist er kläglich gescheitert. Die Stümperhaftigkeit der Selbstanzeige hat nun den Prozess zur Folge. Vom Freispruch bis zur langjährigen Gefängnisstrafe ist für den Münchner Edelmann nun alles möglich. Geleitet wird das Verfahren vom Vorsitzenden Richter Rupert Heindl. Dieser ist bekannt dafür, dass er ohne Ansehen der Person (und das ist ja in diesem Fall besonders schwierig) sich seine Urteile bildet. Soweit es geht, vermeidet Heindl in seinen Prozessen den Blickkontakt zu den Angeklagten. Für ihn steht über allem das Verfahren und eine damit verbundene 'eidgerechte Dienstausübung' ('Spiegel'). Absprachen, die das Verfahren beschleunigen und dem Beklagten ggf. Strafrabatt gewähren, mag der Richter gar nicht. Mehre Urteile seiner Kammer wurden in der Vergangenheit eben wegen dieser 'Deals' vom Bundesgerichtshof kassiert.
Vieles spricht augenblicklich dafür, dass Uli Hoeneß um eine Verurteilung nicht herumkommt. Entscheidend für die Höhe des Urteils wird sein, wie und ob es seinen Anwälten gelingt, die 'Lebensleistung' des Bayernpräsidenten in die Urteilsfindung mit einzubringen. Aber, was steht schon dafür? Seine Arbeit für den Fußballklub wird kaum zu würdigen sein. Zu seinem Geschäftsprinzip gehört seit jeher an oberster Stelle die Abteilung 'Attacke'. Zur Vermehrung von Ansehen und Erfolg war sich Hoeneß nie zu schade, Mitbewerber und Konkurrenten bis aufs Übelste zu beschimpfen. Erst mit dem Bekanntwerden seines Steuerbetrugs, wurde der grobschlächtige Selfmademan merklich leiser. Im Verein wurde dieser Part von Matthias Sammer übernommen; ihm allerdings fehlt es vor allem an Authentizität.
Seinen letzten größeren öffentlichen Auftritt hatte er vor der letztjährigen Hauptversammlung des FC Bayern. Die Nibelungentreue seiner Fans entlockten ihm damals bittere Tränen. Seine Anhänger stehen bedingungslos hinter ihm, und das ist das eigentlich Besondere aber auch Beängstigende an diesem Fall. Hoeneß wird, und das scheint sicher zu sein, seinen FC Bayern auch aus einer Gefängniszelle heraus repräsentieren zu wollen. Um das Ansehen unseres Landes nicht noch weiter zu beschädigen, wäre es gut, wenn es dazu nicht kommt. Vorbild und Moralist ist Hoeneß im Übrigen nie gewesen, und unter diesem Gesichtspunkt würde ein Freispruch kaum wehtun. Der Staat ist mit einer Flut von Steuerselbstanzeigen die in Folge der Hoeneß-Affäre öffentlich gemacht wurden, bereits zu seinem Recht gekommen.
Am Donnerstag schon soll das Urteil gefällt werden. Wir sind gespannt, aber auch gefasst.

Beste Grüße.

Michael

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