Michael Schultz Daily News Nr.630

New York, den 7. März 2014

Liebe Freunde,

auch wenn ich mich wiederhole, so gebe ich mit Freude bekannt, dass es kaum was Angenehmeres gibt als in einer Messestadt nicht den lieben langen Tag in der Koje sitzen zu müssen. Trotzdem wird gearbeitet, aber in einem angenehmeren Rhythmus. Gerade in New York kann man die Energie der Stadt besser mitnehmen, wenn man sie denn auch erlebt. Normalerweise sieht das so aus, dass man sich am Morgen sputen muss, um zur Arbeit zu kommen, und wenn diese am Abend erledigt ist und man die Messehallen verlassen kann, dann ist es draußen schon wieder dunkel. Kein Tageslicht und schlechte Luft machen die Arbeit nicht gerade leicht. Auch wenn es eine Ausnahme werden wird, so ist jetzt erstmal der Genuss recht groß. Heute steht der Besuch auf einigen Nebenmessen an und ein kleiner Galerienrundgang in Chelsea ist mit eingeplant. Morgen dann wird die Ausstellung von Rebecca Raue bei Molly Krom eröffnet; ein Höhepunkt dieser Reise. Am Sonntagabend geht es zurück nach Deutschland. Direkt nach Karlsruhe, wo wir in der kommenden Woche die 'Art Karlsruhe' mitbespielen. Dort wird am kommenden Samstag im ZKM unter dem Titel 'VANITY AND HIGH FIDELITY' eine Ausstellung von Julia Bornefeld eröffnet. Zeitgleich beginnt im ZKM auch eine Ausstellung der Sammlung von Julia Stoschek. Wir zeigen auf der Karlsruher Messe einen Querschnitt unseres Programms: Norbert Bisky, Guillaume Bruère, Bernd Kirschner, Helge Leiberg, Ma Jun, Timo Meyer, Udo Nöger, A.R. Penck, Römer + Römer, Sabina Sakoh, Cornelia Schleime. Eröffnet wird die 'Art Karlsruhe' am 12. März und geht bis zum 16. März. (Messe Karlsruhe, Messeallee 1, 76287 Rheinstetten, Öffnungszeiten: 12. März: 14 - 21 Uhr (nur für geladene Gäste, 13. - 15. März: 12 - 20 Uhr, 16. März: 11 - 19 Uhr)
Bereits seit einigen Jahren hat der aus Paderborn stammende Künstler Udo Nöger sein Atelier auf Hawaii. Dort lässt es sich gut leben und zur Arbeit findet er die notwenige Ruhe. Trotz dieser Abgeschiedenheit ist seine Verbindung zur 'Außenwelt' nicht zu unterschätzen: morgen eröffnet die Ruth Bachofner Gallery in Los Angeles eine Show mit ihm. Zur 'Art Basel Hong Kong' wird es im Mai eine Ausstellung in der Galerie von Karin Weber geben. Fürs kommende Frühjahr ist in San Francisco eine Werksübersicht bei Dolby Chadwick fest eingeplant, und in New York wird gerade mit Hollis Taggart eine feste Zusammenarbeit zurechtgezurrt. Udo Nöger, dessen monotone Gestik nicht gerade zur leichten Kost gehört, ist in den USA angekommen. Die Amerikaner verstehen und schätzen ihn. Bei uns wird er im kommenden Frühjahr wieder zu sehen sein.
So ganz ohne den Blick in die Heimat geht es auch aus der Ferne nicht. Über die Ukraine zu schreiben fällt schwer, weil sich dort die Gebärden stündlich verändern. Jetzt erwägt Europa, Geduld und Ausdauer von Wladimir Putin auf die Probe zu stellen. In einem dreistufigen Sanktionsplan will man die Russen in die Knie zwingen; die Reisebedingungen für die Bürger sollen erschwert werden, auch werden das Einfrieren von Auslandsvermögen sowie Wirtschaftssanktionen in Erwägung gezogen. Damit zwingt man Putin nicht in die Knie. Man muss ihm ein Äquivalent zur Ukraine anbieten, erst dann gibt er Ruhe. Der G8 Gipfel in Sotschi wäre es gewesen, doch den hat der Westen arglos verspielt. Die Muskeln bleiben angespannt, aber irgendwann verliert auch das Testosteron seine Wirkung.
Wenn am kommenden Sonntag in Berlin Wahlen wären, berichtete die 'Berliner Zeitung' in ihrer Ausgabe von gestern, dann käme die SPD von Klaus Wowereit nur noch auf magere 23 %. Sie verliert im Vergleich zum Vormonat satte 3 Punkte. Die CDU hingegen verbessert sich von 25 auf 27%, und die Linke von 15 auf 17%. Grüne verharren auf 18 Prozentpunkten und die Piraten würden mit 4% den erneuten Sprung ins Abgeordnetenhaus verpassen. Die Stimmen für die FDP sind so marginal, dass sie in der Erhebung nicht erwähnt werden. Außer, dass die CDU dann den Bürgermeister stellen würde, würde sich nichts in unserer Hauptstadt ändern. Ob deren Kandidat Frank Henkel das richtige Gesicht für die Stadt wäre, darf allerdings angezweifelt werden.
Wir nehmen es wie es kommt und freuen und auf ein an- und aufregendes Kulturjahr.

Schönes Wochenende.

Michael