Michael Schultz Daily News Nr.627

New York, den 4. März 2014

Liebe Freunde,

wenn eine Reise zur Odyssee wird, dann kann man daran sogar verzweifeln. Gestern, zum Beispiel, musste die Lufthansa auf dem Weg von Berlin nach München wegen Spritmangels in Nürnberg zwischenlanden. Wenn man nicht selbst im Flieger gesessen hätte, würde man es nicht glauben wollen. Die Boeing 737 konnte den Münchner Flughafen im Nebel nicht anfliegen und musste eine Warteschleife drehen. Nach Berechnung der Piloten hätte die Umfliegung von Landshut so viel Sprit gekostet, dass man es vorgezogen hat, aus Sicherheitsgründen zurück nach Nürnberg zu fliegen. In der Folge bedeutete dies natürlich, dass die Anschlussmaschine nach New York nicht mehr zu erreichen war. Diese im Übrigen konnte ohne Nebelprobleme und pünktlich in München starten. Makaber an dieser dieser kurzen Geschichte ist, dass ein Berliner Kollege, der ursprünglich mit uns aus Berlin wegfliegen wollte, den Flieger verpasste und mit dem nachfolgenden München-Zubringer den Anschluss in die USA noch geschafft hat. Ab und an lohnt es sich halt doch, ein wenig länger im Bett zu bleiben.
Bei uns bemühte sich die Lufthansa um Schadensausgleich und gestaltete den späten Flug zum wahren Erlebnis. Kaviar und Champagner bis (wirklich) zum Abwinken; frisch gemachte Betten und ein vorzügliches Filmangebot: zu sehen waren die Oscar-Hits 'Blue Jasmine' mit der fantastischen Cate Blanchett in der Hauptrolle; aber auch das schreckliche Sklavenepos '12 Years A Slave'. Vieles von dem, was in Hollywood gerade zu Ehren kam, ist im Angebot der Fluglinie zu finden. Alles im Übrigen, was an Nahrung auf den Fliegern in die USA nicht verzehrt wird, muss gnadenlos weggeworfen werden. Kein Krümelchen Kaviar und keine Kante Brot darf eingeführt werden; vertut sich dabei mal eine Stewardess, zieht das unangenehme Folgen mit sich. Aus Angst vor Seuchen und Epidemien verbietet der amerikanische Heimatschutz jegliche Einfuhr von Esswaren.
In den nächsten Tagen geschieht in New York einiges. Rund um die Armory Show gruppieren sich eine ganze Reihe von Satelliten und anderen Kunstveranstaltungen. Richtig los geht es erst morgen. Doch weil es im Hotel heute erhebliche Probleme mit dem Internet gibt, können wir erst morgen darauf eingehen. Heute also die Kurzform; morgen dafür wieder ausführlich.
Schlussendlich noch eine Bemerkung zum Wetter: es ist lausig kalt und mit 12 Grad Minus in der Nacht zumindest draußen schwer zu ertragen. Aber es soll sich bessern und zum Ende der Woche hin sogar in die Plusgrade gehen.

Morgen wieder mehr. Beste Grüße.

Michael