Michael Schultz Daily News Nr.623

Berlin, den 26. Februar 2014

Liebe Freunde,

in Berlin gibt es seit langem die Diskussion, das alte Berliner Stadtschloss wieder aufzubauen. Viele finden das gut; doch es gibt eben auch Kritik wegen der immensen Kosten für das Vorhaben. Über die Finanzierung wurden in der Vergangenheit unterschiedliche Modelle bekannt; Vieles soll über private Initiativen organisiert und bezahlt werden. Zu diesem Zweck fand am vergangenen Donnerstag eine Benefizauktion statt, organisiert und durchgeführt vom Auktionshaus Lempertz. Knapp 400.000 Euro wurden dabei eingespielt; die Ergebnisse für die Künstler aus unserem Programm können sich sehen lassen: eine kleine Leinwand von Andy Denzler verdoppelte sich von 3.500 auf 7.000 Euro hoch; Stephan Kaluza von 1.600 auf 2.600 Euro und eine Papierarbeit von Cornelia Schleime schaffte den Sprung von 2.300 auf immerhin 4.500 Euro. Ein kleiner bescheidener Beitrag, der zugunsten einer Rekonstruktion der historischen Fassaden des Schlosses verwendet wird.
Überall dort, wo der gottbegnadete Dirigent Christian Thielemann bisher seine Zelte aufgeschlagen hat, kam es über kurz oder lang zum Zwist. So jetzt auch in Dresden. Der designierte Semperoper-Intendant Serge Dorny, Wunschkandidat der Kulturministerien, hat seinen Job bevor er begann wieder verloren. Ursprünglich sollte er am 1. September zum Dienstantritt aufschlagen, doch auf Geheiß von Thielemann wurde ihm der Arbeitsbeginn versagt. Für den Stardirigenten war die Kündigung unausweichlich, weil sich 'sonst im Hause ein nicht kontrollierbares Explosionspotenzial angesammelt hätte.' Im Streit ging es um die Programmhoheit der Semperoper, in der Dorny mehr Offenheit für die Moderne zulassen wollte, Thielemann seine konservativ geprägten Programmstrukturen aber nicht aufgeben wollte. Für Thielemann ist der Eklat die schlechteste Empfehlung für den 2017 frei werdenden Chefdirigentenjob bei den Berliner Philharmonikern. Simon Rattle hat dort mit großem Erfolg Kompositionen moderner Tondichter etabliert; Thielemann, für nicht Wenige der Wunschkandidat, würde mit seinem Klassikprogramm Orchester und Publikum unterfordern. Ein vorprogrammierter Streit stünde dem weltbesten Orchester ins Haus.
Der diesjährige Herbert-von-Karajan-Musikpreis geht an die Wiener Philharmoniker. Das Preisgeld in Höhe vom 50.000 Euro ist für die musikalische Nachwuchsarbeit des Orchesters bestimmt. Das Ensemble wurde 'für seinen ganz spezifischen Klang ausgezeichnet', der über viele Jahrzehnte hinweg bewahrt wurde, so die Begründung der Jury. Auch dort ist der Posten des Chefdirigenten vakant.
Über die musikalische Berieselung in Restaurants regt sich der amerikanische Dirigent Kent Nagano auf. 'Was man dort manchmal hört, ist einfach furchtbar. Ohne jedes Gefühl, ohne jeden Sinn', sagte er der Nachrichtenagentur DPA. 'Wenn Musik von einem Menschen kommt, respektiere ich das immer als Ausdruck seiner Gefühle, selbst wenn ich die Musik nicht mag. Aber wenn es aus einer Maschine kommt, was soll ich damit'. Nicht selten ist er in solchen Fällen geneigt, darum zu bitten das doch abzustellen.
Dass auch in der Provinz großes Musiktheater möglich ist, wird im ostwestfälischen Minden gezeigt. In der 80.000 Einwohner-Stadt soll zwischen 2015 bis 2019 Richard Wagners kompletter Ring aufgeführt werden. Das Projekt wird durch Sponsorengelder ermöglicht und vom emsigen Richard-Wagner-Verband Minden realisiert. Seit 2002 konnten im Mindener Theater, das kein eigenes Ensemble hat, bereits 4 Wagner-Opern auf diese Weise realisiert werden.
In Bayreuth hingegen will sich lt. 'Nordbayerischem Kurier' Eva Wagner-Pasquier aus der Leitung der Festspiele zurückziehen. Die 68jährige habe die Gesellschafter darum gebeten, von 2015 an nicht mehr als Beraterin in der Geschäftsführung tätig sein zu wollen. Nun müsse man abwarten, ob die Gesellschafter dieser Bitte nachkommen. Was auch immer ihre Rückzugsgründe sein mögen, ihr Arbeitsvertrag scheint ein besonderer zu sein: kündbar nur mit Zustimmung der Gesellschaft. Das ist wirklich was Besonderes.
Fußball gab es gestern auch: der BVB hat recht eindrucksvoll mit 4:2 sein Champions League-Spiel bei Zenit St. Petersburg gewonnen. Heute müssen die Schalker gegen Real Madrid ran. Wenn alle zu 100% dabei sind, ist ein Schalker Sieg nicht ausgeschlossen. Für die Knappen wäre dies eine weitere Bestätigung, dass man nicht gleich den Trainer entlassen muss, wenn das Team mal schwächelt. Dem Gelsenkirchener Traditionsclub ist ein Sieg zu wünschen; dieser wäre nicht nur für die Region gut, sondern eben auch für ein breiteres Ansehen deutscher Fußballkunst. (ZDF ab 20:15 Uhr)
Wie sagt man doch so schön im Rheinland: man muss auch gönne könne. In diesem Sinne wünsche ich einen spannenden Abend vorm Fernseher.

Gruß

Michael