Michael Schultz Daily News Nr.622

Berlin, den 25. Februar 2014

Liebe Freunde,

an manchen Tagen sind die Reaktionen auf unseren Newsletter enorm; so auch gestern. Überraschend, aber auch erfreulich, sind die vielen Gratulanten, die uns zu unserer ARCO-Auszeichnung geschrieben haben. Erst dadurch hat uns die Bedeutung des Preises erreicht. Aus dem FC Bayern-Lager gab es Bestätigung zu Matthias Sammer; er scheint dort nicht wirklich viele Freunde zu haben. Die Eingefleischten nennen ihn Sachsen-Junkie und freuen sich auf den Tag, wenn er den Verein wieder verlässt. Mit dem derzeitigen Erfolg habe er ohnehin nichts zu tun, dieser wird voll und ganz den Herren Hoeneß und Guardiola zugeschrieben. Von der Wiederholung des Triples allerdings sind sie alle überzeugt. Respekt, wenn man das so nennen kann, haben sie nur vor den Dortmunder Borussen. Die müssen heute im Champions League-Achtelfinale in St. Petersburg antreten; alles andere als ein deutlicher Sieg wäre eine große Überraschung. Der gemeine deutsche Fußballfan wünscht sich auch in diesem Jahr ein deutsch-deutsches Champions League-Finale; so wie es augenblicklich aussieht, wird es ein Wiederholungsspiel der letztjährigen Begegnung. Auch im DFB-Pokal sieht alles nach einem Endspiel zwischen Dortmund und den Bayern aus, was den Kultstatus beider Vereine weiter anheizen wird.
Zum 'Welt am Sonntag'-Interview mit Markus Lüpertz war es uns gestern leider nicht möglich den Beitrag mit Originalzitaten zu unterlegen. Hier nun einige Ausschnitte: auf die Frage 'Sie haben als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie über zwei Jahrzehnte lang mit Studenten gearbeitet', gab es folgende Antwort: 'Mit Schülern. Das ist ein Unterschied. An einer Kunstakademie gibt es Meister und es gibt Schüler. Für mich wirkten zum Ende meiner Dienstzeit viele Schüler fast wie Analphabeten, die konnten nicht schreiben, die konnten nicht lesen. Die haben die Freiheit nicht genutzt um sich frei zu bilden, sie haben sie dazu genutzt frei zu sein, also nichts zu tun. Ganz allgemein wollen die Leute unterhalten werden - und da bist du als Maler, der auf den Intellekt des Publikums angewiesen ist, natürlich angeschmiert. Wenn die Museen aussehen wie Geisterbahnen, dann wird es eng für den Maler. Wenn da zwei Beine aus der Wand gucken oder ein Pferd von der Decke hängt, dann sind das ja wunderbare Ideen, aber es ist eben nicht das Metier, das ich betreibe.' An anderer Stelle sagt er zu seinem Lehrer-Schüler-Verständnis: 'An der Akademie geht es nicht um die Schüler. Das ist ein Missverständnis. Es geht um die Professoren und nicht um die Schüler. Die Schüler sind dafür da, dass die Professoren miteinander zu tun haben'. Zur Städelschule gab er zum Besten: ' Dort lernt man Avantgarde - da lachen ja die Hühner. Ich meine, zu unterrichten, wie man ein paar Bretter zusammennagelt und dann drauf pinkelt ist doch kurios, nicht?' auf eine weitere Frage sagte er: '...ich gebe immer mein Bestes, und will immer, dass die Leute sagen, wie großartig das ist. Ich will sie ja in den Himmel heben und durch die Kunst intelligenter, sensibler und begreifender machen. Ich habe vom lieben Gott den Auftrag, den Menschen die Welt zu zeigen, nicht nur, wie sie zu sein scheint, sondern, wie sie dahinter ist, bei den sieben Zwergen.' Schlussendlich erwartet Markus Lüpertz 'Respekt für das, was ich gemacht habe, für den Weg den ich gegangen bin, für den Kampf', zur Ablehnung der Kritik sagte der Meister:'...Kuratorinnen lehnen mich ab, weil sie mich für einen Macho halten, das muss man sich mal überlegen. Was hat das mit Kunst zu tun, wie ich bin - und wenn ich Mäuse ficken würde, was hätte das mit meinen Bildern zu tun? Jede Clique braucht ihren Buhmann - und dafür habe ich mich blendend angeboten. Das ist einfach mein Schicksal. Aber deren Schicksal ist es, dass sie als Dummköpfe in die Geschichte eingehen werden, die den großen Künstler ihrer Zeit nicht erkannt haben'.
Man muss ihn dafür lieben! Anders als in vielen seiner Bilder kommt er im Interview ohne große Schnörkel zur Sache. Er teilt aus - er schlägt zurück. Auch wenn das permanente Einfordern von Anerkennung eher das Gegenteil beweist; seine Ausführungen sind wirklich genial. Er ist ein von Gott Gesandter und damit hat er völlig Recht. Wegen der großen Nachfrage werden wir das komplette Interview am Nachmittag in den Newsletter unserer Homepage packen.
Bescheidener geht es im Museum Junger Kunst Frankfurt/Oder zu. Dort werden aus dem Bestand Stillleben aus sieben Jahrzehnten vorgestellt. Unter dem Titel 'Die Sprache der Dinge' werden rund 80 Bilder und Objekte von 59 Künstlern gezeigt. Die Zeitspanne der Werke beginnt im Jahre 1840 und endet im Jahr 2008. Ein Großteil der Ausstellungsstücke ist während der 'DDR' entstanden und ist Teil der 11.000 Werke umfassenden Sammlung des Museums. Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig gehören zu den bekannteren Künstlern der Show.
Zum Schluss noch die Eilmeldung aus dem Hause Mehdorn: der neue Flughafen in Berlin-Schönefeld wird voraussichtlich erst im Jahre 2016 eröffnet werden. Für die gestandenen Westberliner ist dies die Nachricht des Jahres. Sie lieben die kurze Anfahrt nach Tegel und die kommoden Wege zum Flieger. Ihretwegen hätte man in Schönefeld gar nicht zu bauen beginnen müssen. Jetzt gibt es noch zwei weitere fröhliche Reisejahre in der Hauptstadt; wenn dann Schönefeld ans Netz geht, sind die Vielflieger zum großen Teil ohnehin im Ruhestand.

Bis morgen mit besten Grüßen.

Michael