Michael Schultz Daily News Nr.621

Madrid, den 24. Februar 2014

Liebe Freunde,

wenn sich die Ereignisse überschlagen, dann ist es gut, wenn man im Zentrum des Geschehens steht. Von der Internationalen Kritikervereinigung AICA wurde am Samstagnachmittag unsere ARCO - Messepräsentation mit einer Auszeichnung als bester Messestand prämiert. Im Speziellen bezog sich die Jury auf die Auswahl und die Hängung der Gerhard Richter - Werke. Ein Lob von höchster Stelle; unabhängig und bedeutungsvoll. Trotz meiner mobilen Melässen war dies ein guter Grund den letzten Messetag in Madrid miterleben zu dürfen. Auch wenn die Spanier gerade eine ihrer größten Wirtschaftskrisen zu bewältigen haben, ist das Interesse an zeitgenössischer Kunst dort ungebrochen. Die ARCO wird auch in diesem Jahr wieder weit über 100.000 Besucher melden können. Es wird nicht so viel gekauft wie in der Vergangenheit, doch die Kunstfreunde lassen sich das Messeevent nicht entgehen und kündigen schon jetzt ihre Kaufbereitschaft fürs nächste Jahr an. Das alles wird mit Stil gemacht - man kommt mit einer gut gekühlten Flasche Champagner zum Messestand und entschuldigt sich in entspannter Atmosphäre für die Kaufenthaltung. Die über viele Jahre gewachsenen Freundschaften zu Künstlern und Galeristen werden so auch in der Krise auf hohem Niveau gepflegt. Man hält zusammen, was zusammen gehört; nur wenige trennen sich von ihrem Kunstbesitz. Natürlich wird auf Messen nicht nur verkauft, es wird vieles angeboten und gerade in schlechteren Zeiten oftmals auch zu erschwinglichen Preisen. Heute früh besichtigen wir eine kleine Privatsammlung und verhandeln gegebenenfalls über deren Erwerb. Rein wirtschaftlich gesehen, war die diesjährige ARCO alles in allem nicht sehr erfolgreich. Dennoch wurde durch die Auszeichnung und eine überwältigende Presse unsere spanische Markpräsenz weiter gestärkt. Und darauf kommt es letztlich an.
Die 'Welt am Sonntag' veröffentlichte gestern ein bemerkenswertes Interview mit Markus Lüpertz. Ein weiteres Mal ist es Lüpertz gelungen, seine Position als Maler, Macher und Genie darzustellen; eindrucksvoller als jemals zuvor. Die Geister scheiden sich über ihm, und das war schon immer so. Lüpertz hat schon ganz früh in seiner Karriere polarisiert; heute kommt vieles von dem zurück. Man mag ihn - oder man mag ihn eben nicht. Doch Lüpertz beurteilt man nicht als Maler, man richtet auch über ihn ob seiner unglaublichen Arroganz. In dem von Cornelius Tittel geführten Interview geht es ums Ganze, und Lüpertz wird nicht verschont. Mit Bravour meistert er dessen Fragen und am Ende ist man geneigt, dem Meister aller Klassen Sympathien zu verteilen. Vielleicht, und das hat das Interview letztlich auch gebracht, vielleicht muss man bei Lüpertz die Figur von der Malerei trennen - oder umgekehrt. Sein Auftreten und seine Attitüden sind allemal genial. Seine Malerei wäre es auch, wenn nicht so viel 'Unfertiges' das Atelier verlassen würde. Markus Lüpertz wird eines Tages auch von der Kritik entdeckt werden und es sei ihm zu wünschen, dass er dies auch noch erlebt. Genial ist er allemal. So oder so.
In Sotschi gingen gestern die Olympischen Spiele zu Ende und die im Vorfeld stattgefundene und berechtigte Kritik an Wladimir Putin wurde mit jedem Tag weniger. Am Ende ist sie von ihm abgeprallt; niemand redet mehr darüber. Die Winterspiele unter Palmen, sowie deren Sicherheitskonzept haben die meist gut genährten älteren Herren der Funktionärsgilde überzeugt. Mit seinem Investment von 37.5 Milliarden Euro hat es Putin sogar geschafft, die Diskussionen über seine mitunter menschenverachtende Politik vergessen zu machen. Er ist der eigentliche Gewinner der Spiele; die gesamte Olympische Funktionärsgemeinschaft liegt ihm zu Füssen. Dass auch noch die russischen Sportler mit insgesamt 33 Medaillen die meisten Gewinner stellen, passt ihm gut ins Konzept. (Im Vergleich dazu hat Deutschland mit nur 19 Medaillen gerade mal etwas mehr als die Hälfte ihrer Zielvorgaben erreicht.) Russland und Putin beenden mit erhobenem Haupt die Winterspiele - was aus Sotschi wird, ist zunächst mal zweitrangig.
Sportlich über die Fußballbundesliga zu berichten, macht immer weniger Spaß. Die Bayern ziehen von dannen und das macht die Liga so langweilig, dass mittlerweile sogar eingefleischte Fans ihr Zusehen verweigern. Aufregend sind augenblicklich nur noch die Interviews des Sportvorstandes Matthias Sammer. Er redet so viel Stuss und oftmals auch so langsam, dass man geneigt ist ihn wie weiland Christoph Daum zur Haarprobe zu schicken. Im chinesischen Fernsehen durfte er gestern zu Wort kommen, doch selbst dort wo er eigentlich locker loslegen könnte, ringt Daum mit den Worten wie ein angeschlagener Boxer. Ein stechender Blick und seine nervösen Augen lassen nichts Gutes erahnen. Uli Hoeneß sollte ihn mal zum Arzt schicken; irgendetwas stimmt nicht mit ihm.
Wir freuen uns auf einen weiteren Sonnentag und melden uns morgen wieder wie gewohnt aus Berlin - Charlottenburg.

Beste Grüße

Michael