Michael Schultz Daily News Nr.614

Berlin, den 13. Februar 2014

Liebe Freunde,

der Fall des SPD-Politikers Sebastian Edathy zeigt erneut, wie hysterisch die niedersächsischen Ermittler auf sogenannte Politgrößen reagieren. Bei den ersten Durchsuchungen seiner Wohn- und Geschäftsräume wurde anscheinend nichts Strafbelastendes gefunden; weil der Fall eine peinliche öffentliche Dimension erreicht hat, wird jetzt, wie weiland bei Christian Wulff, krampfhaft nach belastendem Material gefahndet. Die nicht wiedergutzumachende Beschädigung von Edathy will die Staatsanwaltschaft jetzt mit aller Macht bestätigen. Wenn es denn so ist wie es augenblicklich aussieht, würde eine öffentliche Entschuldigung der Rechtspflege dieser mehr Reputation einbringen als ein jahrelanges Ringen, an dem am Ende die nichtwiederbringbare psychische Zermürbung  des  Angeklagten einem höchstrichterlichen Freispruch gegenübersteht. Edathy wird beschuldigt, im Besitz von Kinder-Nacktfotos  mit pornografischem Hintergrund zu sein. Gefunden hat man bisher FKK-Aufnahmen, deren Besitz nicht strafbar ist.

Viel klarer ist der Fall des Rap-Musikers Bushido. Er muss am 20. Februar vor dem  Amtsgericht Berlin-Tiergarten erscheinen, weil er letzten Mai einen Mann mit einem Schuh verprügelt haben soll. Der Vorwurf lautet auf Gefährliche Körperverletzung; begangen bei einem Besuch einiger Fans, die unangekündigt vor dem Wohnhaus Bushidos in Berlin-Lichterfelde auftauchten. Es ist zu befürchten, dass ihn seine Anwälte auch dieses Mal wieder vor allzu hoher Bestrafung bewahren werden.

Von Körperverletzung kann mittlerweile auch die Rede sein, wenn die Fußballer des FC Bayern zu ihren Matches antreten. Gestern Abend zerpflückten sie den HSV und gewannen ziemlich mühelos das Pokalviertelfinale mit 5:0 Toren. Im Halbfinale treffen sie jetzt zu Hause auf die Überraschungsmannschaft aus Kaiserslautern, die gestern in Leverkusen mit 1:0 gewonnen hat. Dortmund spielt ebenfalls zu Hause und empfängt den VFL Wolfsburg (16. April). Das Endspiel wird 17. Mai im Berliner Olympiastadion ausgetragen, und alles andere als der Kampf den Giganten Bayern - Dortmund wäre eine große Überraschung. Für die nächste Saison haben sich die Dortmunder mit dem Hertha-Knipser Ramos geeinigt: für 11 Millionen Ablöse und ein Jahresgehalt von 2.3 Millionen Euro soll mit ihm die Lücke, die Lewandowski mit seinem Ausflug zu Bayern hinterlässt, geschlossen werden. 

Zum 150sten Geburtstag von Alexej Jawlensky zeigt das Museum Wiesbaden eine große Ausstellung über die künstlerischen Kontakte des russischen Malers in München. Unter dem Titel 'Horizont Jawlensky' sind ab Freitag rund 180 Kunstwerke  zu sehen, die von Museen aus aller Welt zusammengetragen wurden. Ein Großteil der ausgestellten Werke sind von ihm selbst; gezeigt werden aber auch Bilder von Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Lovis Corinth, Paul Gauguin, Edvard Munch, Wassily Kandinsky, Henri Matisse und Alfred Sisley. Jawlensky lebte von 1896 bis 1914 in München.

Die Malerin Corinne Wasmuht erhält den mit 12.000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preis. Die Berliner Akademie der Künste würdigte die an der Kunstakademie in Karlsruhe lehrende Malerin für ihre 'einzigartigen urbanen und illusionistischen Raumbilder.' Der Preis, der an die deutsche Bildhauerin Kollwitz (1867-1945) erinnert, wird jährlich an einen bildenden Künstler vergeben. Vom 15. Februar bis 8. Juni zeigt die Kunsthalle in Kiel eine Werkschau der 1964 geborenen Künstlerin.

Nach der Kritik des Jüdischen Weltkongresses (WJC) am Umgang mit NS-Raubkunst in Deutschland haben nun die Kulturpolitiker der Länder Versäumnisse eingeräumt. 'In Deutschland wurde viel zu spät mit einer ernsthaften Provenienzforschung begonnen', sagte hierzu Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler. Jetzt habe habe sich aber die Haltung der öffentlichen Sammlungen deutlich gewandelt, die Länder wollen die Suche nach gestohlenen Werken verschärft ausbauen.

Im Amt als neuer Chef der Filmförderung wurde Bernd Neumann bestätigt. Er gilt als Mann des Films; besser konnte man diesen Posten nicht vergeben. Manchmal muss man nur genau hinschauen und den Parteien-Proporz außer Acht lassen. Dann geht's.

Schöne Grüße und bis morgen.

Michael