Michael Schultz Daily News Nr.612

Berlin, den 11. Januar 2014
 
Liebe Freunde,
 
man kann ja über ihn denken wie man will, aber Klaus Wowereit, Berlins Regierender, hat in der Steueraffäre um seinen Kulturstaatssekretär André Schmitz mit Bravour seinen Hals aus der Schlinge gezogen. Über drei Stunden wurde er gestern vor dem Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses verhört; seine Einlassungen klingen plausibel, in der Sache klar, aber auch ehrlich und authentisch. Er ist halt doch ein alter Politprofi, dem es ein weiteres Mal gelungen ist, eine Affäre cool auszusitzen, und das müssen selbst seine Gegner kleinlaut zugeben. Es wird also nichts aus seinem Altersruhesitz auf dem Botschafterposten in Monaco; vorläufig. Mediales Gerangel gibt es um die Neubesetzung des verwaisten Kulturpostens. Immer wieder ins Gespräch gebracht wird Martin Hoffmann, der amtierende Intendant der Berliner Philharmoniker. Ihm traut man in der Stadt alles zu; womöglich ist er für diesen Job überqualifiziert. Ein anderer Kandidat ist der Chef der Berlinale, Dieter Kosslick. Auf Anfrage antwortete er: 'Jetzt haben wir erstmal Halbzeit mit dem Filmfestival. Danach mache ich mir dann mal Gedanken ob ich mein eigener Chef werden will'. Wer Kosslick kennt weiß, dass das eine klare Absage ist. Voraussichtlich wird der Posten nach den mathematischen Formeln des Pateienproporz vergeben. Wie auch immer die gerechnet werden; auf jeden Fall deutlich unterhalb der erforderlichen Qualifikation. Schmitz war so schlecht nicht; die Latte hängt hoch.
 
Der frühere Kulturstaatsminister Bernd Neumann will Präsident der Filmförderungsanstalt Berlin werden. Er sei von verschiedenen Seiten der Filmwirtschaft darum gebeten worden, und hat keine Abneigung das Ehrenamt zu übernehmen. Er kandidiert und stellt sich morgen dem Verwaltungsrat, der voraussichtlich dieser Personalie zustimmen wird. Während seiner 8 jährigen Amtszeit hat sich Neumann stets als Mann des Films präsentiert, von daher ist er für den Posten geschaffen wie kein Anderer.
 
Mit einer Reihe von Sonderausstellungen feiert das niedersächsische Worpswede das 125 jährige Bestehen seiner Künstlerkolonie. Unter dem Motto 'Zeitspeicher' - vier Häuser für die Kunst'  eröffneten vergangenen Sonntag die vier zentralen Museen ihre Ausstellungen. Sie gewähren einen Blick in die Depots und Archive der bekanntesten Künstlerkolonie Deutschlands. Gezeigt werden Werke der Worpsweder Klassiker wie u.a. Fritz Mackensen, Hans am Ende, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Heinrich Vogeler - aber auch Werke der vielen Stipendiaten wie z.B. Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Pierre Alechinsky und Jonathan Meese. Letzterer hat sich gerade offiziell von seinen Berliner Entdeckern, der CFA Galerie, verabschiedet. Man steckt nicht drin, aber schade ist es schon.
 
Unter dem Titel 'Wenn die Flüsse aufwärts fließen' wird heute Abend (19 Uhr) in der Dresdner Kunsthalle eine Ausstellung von Bernd Kirschner eröffnet. In ihr werden 32 Leinwände aus den vergangenen Jahren gezeigt. Seine märchenhafte, erzählerische Malerei wird seit Kurzem in Fachkreisen als Geheimtipp gehandelt; heute Abend wird er diesem Ruf ein weiteres Mal gerecht werden. Die Eröffnungsrede wird vom Berliner Kunsthistoriker Charles Rump gehalten. (Kunsthalle Dresden, Ostra-Allee 33, 01067 Dresden).

 

'Rituale' ist eines der Werke von Bernd Kirschner, die ab heute Abend in der Dresdener Kunsthalle zu sehen sein werden.

 

Die in Nienburg/Niedersachsen erscheinende Zeitung 'Die Harke' meldet, dass sowohl die Büro- als auch die Wohnräume des SPD Politikers Sebastian Edathy von der Staatsanwaltschaft durchsucht wurden. Es wurde einiges an Beweismaterial sichergestellt; wofür das allerdings mitgenommen wurde, ist nicht bekannt. Es liegt nahe, dass das Steuergeheimnis den Behörden einen Maulkorb verpasste. Edathy war vorsitzender des NSA - Bundestagsausschusses; sein Mandat legte er vergangenen Samstag 'aus gesundheitlichen Gründen' nieder. Was auch immer der Grund für Durchsuchung und Rücktritt gewesen sein mag, zur Bereinigung der 'Steuermallese' hilft womöglich nur noch eine Generalamnestie. In Spanien, Italien und anderen südeuropäischen Ländern hat man damit Erfahrung. Dort holt der Staat sich Geld mit ständig wiederkehrenden Amnestieintervallen. Auch eine Lösung. Im aktuellen Spiegel ist zu lesen, dass auch der Name von Lothar Matthäus auf einer Steuer CD aufgetaucht ist...
 
Heute Abend gibt es im Ersten Fußball: Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund. Wird sicherlich spannend. In Sotschi werden die Rodeldamen Gold und Silber holen. Alles andere ergibt sich.
 
Beste Grüße.

Michael