Michael Schultz Daily News Nr.610

Berlin, den 7. Februar 2014
 
Liebe Freunde,
 
wer wollte, konnte gestern Abend auf fast allen Kanälen des deutschen Fernsehens Debatten über die Steuerhandhabung unserer prominenten Mitbürger verfolgen. Bei Reinhold Beckmann, bei Markus Lanz und Maybrit Illner wurde zur selben Sendezeit über die Heroen und ihre verwerflichen Taten gesprochen. Nicht gestritten! Weil in jeder politischen Ecke viel Zündstoff zu diesem Thema zu finden ist, hält man sich bedeckt. Der CDU - Schatzmeister brachte sein Geld sogar bis nach Panama, und in der Zeit als die Kohle dort parkte, kaufte er in der Schweiz sogenannte Steuer CDs ein. Das ist schon makaber. Aber so ist die Realität, und ihr müssen wir uns stellen. Das ganze Gelaber bringt eh nichts; Finanzminister Schäuble will an der strafbefreienden Selbstanzeige festhalten. Irgendwann, so hofft der Finanzminister, plagt einen Jeden das Gewissen, und mit einer straffreien Offenbarung vor dem Finanzamt kann dieses wieder bereinigt werden. Selbstanzeige schützt vor Selbstmord, und dieser ist ja auch straffrei. Mit dieser Message gehen wir ins Wochenende und harren der Dinge die zu diesem Thema noch so auf uns zukommen, vor allem, was da noch alles zum Vorschein kommt. Am Ende werden wir nicht darum herum kommen, den Steuerbetrug zu legalisieren. Marihuana soll es ja auch bald am Kiosk geben.
 
Wer gerne gegen den Strom schwimmt, hat‘s bei uns im Lande schwer. Zu jedem Thema, zu jeder Erregung, zum Wetter, zum Glauben, zur Unterwäsche, zum Abwasser, zu allem Möglichen wird das Volk befragt. Repräsentativ. Die Ergebnisse suggerieren Denken und Verhalten. Heute, und es wäre ein Wunder, wenn dem nicht so wäre, wird die große Olympia - Umfrage veröffentlicht. Nach ihr sind keine 22% der Deutschen mit dem Austragungsort einverstanden; 83% gar glauben, dass es keine dopingfreien Spiele werden. Immerhin glauben 28% der Befragten an Wunder: sie sind der Meinung, dass Deutschland den Medaillenspiegel erobern wird. Solche Umfragen sind absoluter Humbug, und jeder der sich die Werte zu Eigen macht, fühlt sich sicher im Sammelbecken der Masse. Doch, wie sagt man doch so schön: nur die toten Fische schwimmen mit dem Strom.
 
Als skandalös werten die Amerikaner die Einreiseverweigerung von 5.000 Portionen Fruchtjoghurt, die die Reise nach Sotschi nicht antreten durften. Der Lieferung wurden keine Visa erteilt, und jetzt lagern sie auf dem Flughafen in New Jersey. Von US - Seite bemüht sich man gerade um ein neutrales Gutachten, um die Athletenkost doch noch ausliefern zu können. Hinter der ganzen Aktion schwelt die Vermutung, dass die spezielle Athletenkost mit Dopingsubstanzen versehen wurde. Unter diesem Aspekt kann man die Vorsicht der russischen Funktionäre nicht hoch genug einschätzen.
 
Im Gegenzug schürten die Amis die Terrorangst und verbreiteten, dass kaukasische Terrororganisationen große Mengen von Sprengstoff via Zahnpastatuben in die Flieger nach Sotschi schmuggeln wollen. Dieser solle dann im Flugzeug scharf gemacht und zur Explosion gebracht werden. Dies habe der Geheimdienst im Telefonverkehr und bei der E-Mail Überwachung abgegriffen. So richtig glauben will das niemand. Die Meldung wird als kleine Retourkutsche gegen den Moskauaufenthalt von Edward Snowden gewertet. Mit Olympia beginnt die Schlacht um Joghurt und Zahnpasta. Auch das ist spannend.
 
Zum Schluss noch ein kleiner Schmunzler aus dem Alltag im Spital: Assistenzarzt Mario begibt sich zum Patienten, um ihm Blut abzunehmen. Es bestehen keine Zweifel darüber, dass der Kranke männlichen Geschlechts ist. Nach vollzogener Tat nochmal die Kontrollabfrage: Name: Schultz; wird vom Patient bestätigt. Vorname: Hannelore... den Rest kann man sich sparen.
 
Aber, so kommt Leben in den Alltag. Wünsche Euch ein frohes Wochenende. Beste Grüße.