Michael Schultz Daily News Nr.607

Berlin, den 4. Februar 2014

Liebe Freunde,
 
ganz groß ist die Empörung über die steuerlichen Wirrungen von Alice Schwarzer. Quer durch das Land ist der Aufschrei zu hören: sie, die Obermoralkeule schlechthin, hat das Finanzamt betrogen. Ein schlimmer Fehler, der dazu führt, dass alles was sie zukünftig zum Besten gibt, nur noch bei gutwilliger Bewertung eine Fußnote wert ist. Auch wenn sie augenblicklich hyperaktiv versucht, ihr Unheil herunter zu spielen, indem sie sich als Opfer darstellt, ihr Lebenswerk wurde von ihr selbst zerstört. Mehr braucht man dazu auch nicht zu sagen.
 
Ebenfalls bekannt geworden ist, dass auch der Berliner Kulturstaatssekretär, André Schmitz, Probleme mit seiner Steuerehrlichkeit hat. Wie alle anderen vor ihm, besitzt er ein Konto in der Schweiz und hat die Einnahmen daraus nicht versteuert. Gegen ihn wurde ermittelt, doch sein Verfahren wurde gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Im Jahr 2012 hatte er selbst den regierenden Bürgermeister von Berlin darüber informiert, doch Klaus Wowereit hat seine berufliche Qualifikation höher eingestuft, als die Reputation des Staates. Heute will Schmitz zurücktreten, und das ist gut so. Für das Ansehen unseres Landes allerdings, wäre es besser wenn Wowereit gleich mitgeht. 
 
Vermutlich wird er es nicht tun, da hat er schon ganz andere Stürme überlebt. Sigmar Gabriel, der sich auf einem guten Weg befindet der SPD wieder neue Glaubwürdigkeit zu vermitteln, täte gut daran, seinem Parteifreund Wowereit den Rücktritt nahe zu legen. Als Ausgleich könnte man ihm nach einer gewissen Karenzzeit den Botschafterposten in Monaco anbieten. Damit wäre allen geholfen.
 
Doch bei allem Ernst, was gerade bei uns im Lande alles bekannt wird, ist für das Steuerverhalten künftiger Generationen äußerst problematisch. Wer soll sich denn jetzt noch an die staatsbürgerlichen Verpflichtungen halten, wenn schon unsere Politiker dies nicht tun. Wenn schon Politiker, Sportler, Meinungsmacher und andere moralische Instanzen sich an die von ihnen betreuten Gesetze nicht mehr halten, wer soll es dann tun? Als Vorbilder haben sie versagt, doch den Schaden den sie angerichtet haben, werden wir in Gänze erst später beziffern können.
 
Wer von uns nimmt es denn mit der Steuer noch so genau, wenn diejenigen, die uns die Notwendigkeit von hohen Steuern jahrelang verkauft haben, ihre Schlupflöcher in der Schweiz haben? Jetzt muss der Staat aktiv werden und seinen Bürgern neue Glaubwürdigkeit vermitteln. Am besten mit einer grundlegenden Steuerreform, in der alles neu geregelt wird. Nur so kommen wir aus dem Dilemma.
 
Beste Grüße.

Michael