Michael Schultz Daily News Nr.605

Berlin, den 31. Januar 2014

Liebe Freunde,  

die am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene Mehrwertsteuer-Erhöhung hat in der Künstlerszene für einige Verwirrung gesorgt. Grund für diese Unruhe sind die unterschiedlichsten Interpretationsversuche der Interessenvertreter. Sowohl die Berufsverbände als auch der Galeristenverein (BVDG) sind nicht in der Lage, ein klares Bild der neuen Situation aufzuzeigen. Die einzig lesbare und verständliche Erläuterung hat jüngst der 'Informationsdienst Kunst' (Nr. 544) geliefert. Folgender Sachverhalt ergibt sich daraus:

Für die Künstler, und das ist zunächst die wichtigste Erläuterung, gilt auch weiterhin der ermäßigte Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 %. Alle Verkäufe ab Atelier sind mit diesem Steuersatz zu versehen, und wie bisher muss dieser ans Finanzamt weitergeleitet werden. Verrechnet werden dürfen, und auch da hat sich nichts verändert,  die abzuführende Steuer mit der Mehrwertsteuer des eigenen Betriebssytems. Rein steuertechnisch ändert sich nichts an der Situation der Künstler. 

Die Neuregelung betrifft den Wiederverkauf durch Galeristen und Händler. Diese müssen mit Beginn dieses Jahres den vollen Steuersatz in Höhe von 19 % ausweisen und ans Finanzamt abführen. Dadurch verändert sich deren Marge um 12 %; diese können sie entweder auf die Kunstwerke aufschlagen, was eine Preiserhöhung bedeutet, oder aber im Innenverhältnis mit den Künstlern teilen, so dass der Gewinn für beide Teile ein wenig geschmälert wird. Dies wird von den Galerien unterschiedlich gehandhabt; viele gehen einen Mittelweg, in dem sich die Partner die unterschiedlichen Steuersätze gegenseitig ausgleichen. Dadurch verhindern sie eine deutliche Preiserhöhung.

Nach wie vor hat der Handel die Möglichkeit der Differenzbesteuerung (§25a UStG). Diese verschafft ihm im sogenannten Sekundärmarkt die Möglichkeit, nur die Differenz zwischen An- und Verkauf mit vollem Steuersatz zu belegen. Hier entfällt die Vorsteuererstattung, weil diese bereits früher, nämlich beim Erstverkauf, auf den Neupreis erfolgte. In der Geschäftsbeziehung zwischen den Produzenten und deren Galerien hat diese Regelung keinerlei Bedeutung.

'Neu ist ab sofort die hart erkämpfte pauschale Margenbesteuerung', so der Informationsdienst. 'Sie wurde unter dem Kürzel 'AmtshilfeRLUmsG' vom Bundesrat verabschiedet und ist mit EU-Recht kompatibel.' In bestimmten Fällen greift diese Regelung im Rahmen der Differenzbesteuerung; dies aber nur wenn der Einkaufspreis nicht mehr ermittelbar ist. Für diesen Fall 'können 30 % des Verkaufspreises mit 19 % Umsatzsteuer belegt werden, die restlichen 70 % der Verkaufssumme bleiben unversteuert. Der Vorsteuerabzug entfällt bei diesem Modell grundsätzlich.' 

Hochkompliziert, wie eben alles was aus der Feder der Finanzbehörden kommt, auch dieser Vorschlag. Für die Steuerpflichtigen ohnehin nutzlos, weil das Gesetz zwar bereits gilt, aber noch kein Anwednugserlass für die Steuerverwaltung vorliegt. Dieser muss noch von den Finanzministerien der 16 Bundesländer formuliert und mit dem Bund abgestimmt werden. Und ob es jemals dazukommen wird, steht in den Sternen. 

Für die Kunstschaffenden, und das ist die Message heute, bleibt der ermäßigte Steuersatz unverändert, und solange es keine neuen Verordnungen gibt, müssen die Galerien bis auf wenige Ausnahmen den vollen Mehrwertsteuersatz in Höhe von 19 % ausweisen.  Alles was dazwischen liegt ist Augenwischerei der Berufsverbande; zur Beruhigung und Verwirrung der Mitglieder. Dadurch soll äußerste Aktivität signalisiert werden. Mehr nicht. 

Der Erwerb von Kunst ist ein wenig teurer geworden - aber nicht kostspieliger. Wenn ein Großteil der Mehreinnahmen wieder in die Kulturtöpfe zurückfließt, hat auch das sein Gutes.  

Schönes Wochenende.

Michael