Michael Schultz Daily News Nr.602

Berlin, den 28. Januar 2014

Liebe Freunde,

sensationelle Enthüllungen einer Forschergruppe um den Mannheimer Psychiater Heinz Häfner kommen zu dem Ergebnis, dass der Bayernkönig Ludwig II durch eine Fehldiagnose seines Hausarztes den Freitod wählte. Das seltsame Verhalten des Königs habe zu keinem Zeitpunkt 'einen belastbaren Hinweis auf eine ernsthafte psychische Störung' erwiesen, so der Forscher. Damit widerspricht er der gängigen Einschätzung, die dem Bayernkönig Geistesschwäche im fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert. Aufgrund eines Gutachtens des Mediziners Bernhard von Gudden, der den König zu diesem Zwecke nicht selbst in Augenschein nahm, wurde Ludwig am 10. Juni 1886 vom Throne gestoßen. Drei Tage später ertrank der Monarch im Starnberger See, der damals noch Würmsee hieß. Mit ihm versank auf bisher ungeklärte weise auch der Arzt; vermutlich beim Rettungsversuch von Ludwig mit in den Tod gezogen.  

Im Amt sei er ein belastbares Arbeitstier gewesen, wird jetzt nachgewiesen. Über 800 Dokumente jährlich sichtete er; noch wenige Tage vor seiner Suspendierung unterzeichnete er eine ganze Reihe von Schriftstücken und reichte diese an die zuständigen Fachministerien weiter. Wegen seiner übers Land verstreuten Megabauprojekte, die das Königreich 'weit über ein vertretbares Maß hinaus verschuldeten' ('Spiegel'), kam der König immer stärker in die Schusslinie. Als er in Erwägung gezogenen Baustopps seinen Suizid entgegnete, wurde die Reißleine gezogen. Aus Angst vor einem Leben in einer Gummizelle zog Ludwig den Freitod vor. Heute weiß man, dass von dem schrulligen Schöngeist keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgegangen ist. 'Schlimmstenfalls als Persönlichkeitsstörung', so die Forscher, könne sein Verhalten eingestuft werden. Mit dieser Diagnose lebt so mancher in unserem Land; nicht wenige davon mit enormer Machtfülle ausgestattet. Dass die Bayern ihren Ex-König heute so verehren, ist späte Genugtuung für den extravaganten Feingeist. Dies erklärt aber auch, dass man die Südländer gerne mit anderen Maßstäben beurteilen darf.

In der Kunst, auch ein Erbe des Bayernkönigs, war man am Alpenrand schon immer ein wenig weiter als im Rest des Reiches.  Die Landeshauptstadt beherbergt heute die bestausgestattetste Museumslandschaft weit und breit. Doch nicht nur in München,  ganz Bayern beheimatet ausgezeichnete Museen mit anspruchsvollem Programm. In Passau, zum Beispiel, betreibt eine private Stiftung (Wörlen) das 'Museum Moderner Kunst'. Dort wird an diesem Freitag unter dem Motto 'Zweite Natur' eine retrospektiv angelegte Ausstellung von Bernd Zimmer eröffnet. Malerei und Farbholzschnitte der letzten 20 Jahre werden zu sehen sein. (19 Uhr, Bräugasse 17, 94032 Passau); bereits am Donnerstag sendet der Bayerische Rundfunk (22Uhr) in der Sendereihe 'Capriccio' ein kleines Portrait über den Künstler.  

Eine Blutreliquie des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. ist aus einer kleinen Kirche in den Abruzzen gestohlen worden. Mehr als 50 Polizisten sind nun auf der Suche nach dem Blut des polnischen Papstes. Vermutet wird, dass der Diebstahl in Auftrag gegeben wurde, weil sich jemand die Blutkonserve sichern wollte. Vor dem Hintergrund seiner bevorstehen Heiligsprechung ist sie von unschätzbarem Wert. Nicht auszuschließen, dass diese einem zahlungskräftigen Publikum per Minidosierung zu Wundern verhelfen soll. Gestreckt bis in die Ewigkeit ein lohnendes Geschäft.

Wer's mit redlicher Arbeit versuchen will, kann sich jetzt als 'diskrete Arbeitskraft' im Buckingham-Palast bewerben. Gesucht wird eine neue Haushaltshilfe, die akkurat arbeiten und Liebe zum Detail mitbringen soll; äußerste Diskretion versteht sich von selbst. Auch reisefreudig soll der Bewerber sein; mehr als 3 Monate im Jahr wird der Arbeitsplatz außerhalb Londons sein. Ungewöhnlich ist die Form der Ausschreibung: wer sich bewerben will, muss auf die Internetseite des Königshauses gehen. 

Die Meldung des Tages kommt von der ARD: 'Das Wort zum Sonntag' wird 60 und ist nach der 'Tagesschau' das zweitälteste Format im deutschen Fernsehen. Seit dem 8. Mai 1954 wurde die Sendung 3.100 Mal ausgestrahlt; auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. gehörten einst zu den Moderatoren. Wenn auch von  Kritikern immer wieder Bedenken zur Zeitmäßigkeit der Sendung geäußert werden, will der Sender auch in Zukunft daran festhalten. Zur Auffrischung, aber auch zur Erweiterung der Zielgruppe, wird in Erwägung gezogen, die Moderation künftig Günther Jauch, Markus Lanz oder aber auch  einem der vielen Fernsehköche zu überlassen. Wir finden das gut.

Einen schönen Sonnentag und beste Grüße.

Michael