Michael Schultz Daily News Nr.601

Berlin, den 27. Januar 2014
 
Liebe Freunde,
 
mit der klirrenden Kälte ist es - zumindest vorübergehend - erst mal zu Ende. Es kommt ein wenig Schnee, und dieser verdeckt nicht nur den Dreck unserer Städte, er tut auch der Seele gut. Am Wochenende war es nochmal richtig kalt; in Berlin wurden am Samstagabend gefühlte Minus 25 Grad vermeldet. Eigentlich viel zu kalt, um aus dem Haus zu gehen, doch den beiden Ausstellungseröffnungen von Nathalia Edenmont und Urban Hüter hat dies nicht geschadet. Trotz dieser extremen Temperaturen waren die Eröffnungen sehr gut besucht. Aus dem After Opening Dinner wurde eine rauschende Party, die erst gegen 4 Uhr am Sonntag früh zu Ende war. Ein gebührender Auftakt und vielversprechender Auftakt für das gerade begonnene Jahr.
 
In Wedel (bei Hamburg) eröffnete gestern das Ernst Barlach Museum eine Markus Lüpertz Show. 'Die erste umfassende Lüpertz Ausstellung in Norddeutschland seit 30 Jahren' vermerkt die Pressestelle des Museums dazu. Gezeigt werden 70 Gemälde, Skulpturen und Texte des malenden Provokateurs. Diese sollen den Norddeutschen einen tiefen Blick in seine Gedankenwelt ermöglichen. 'Lüpertz inszeniert sich gerne als Dandy', steht dazu im ARD Pressetext 'sein Markenzeichen ist der Gehstock mit silbernem Totenkopf.' Heutzutage schaffen die Künstler Aufmerksamkeit über Qualität; vielleicht weiß man das in der ARD noch nicht.
 
Spannendes von der Bundesregierung zu berichten, ist nicht immer leicht. Doch jetzt überrascht die Bundesbildungsministerin Wanka mit dem Vorschlag, dass Studienabbrecher künftig der Einstieg in einen Handwerksberuf erleichtert werden soll. Zu diesem Zweck sucht sie einen engeren Kontakt zu diesen, aber auch zu den Handwerkskammern und den Ausbildungsbetrieben. Bereits erbrachte Studienleistungen sollen auf die Handwerksausbildung angerechnet werden. In der Praxis könnte dies dann so aussehen, das ein Jurastudent, der im 12. Semester abbricht, beim Eintritt in eine Schreinerei bereits den Meisterbrief in der Hand hat. Per Klick und mit Hilfe der Bundesregierung wird man so vom Lernenden zum Lehrenden. Ob das so gewollt ist?
 
Eine Meldung des 'Statistischen Bundesamtes' die man eigentlich nicht zu Ende liest: im Jahre 2012 sind so viele Lehrer wie nie zuvor in den Ruhestand versetzt worden. 24.400 verbeamtete Pädagogen gingen in 2012 in Rente, wird gemeldet. Im Kleingedruckten ist dann aber Erschreckendes zu lesen: 'Gleichzeitig wurden in 2012 so wenig Lehrkräfte wie nie zuvor wegen Dienstunfähigkeit in den vorverlegten Ruhestand versetzt. Nur bei 15% der Pensionierungen war dies der Grund.' In Zahlen sind dies 3.630 Lehrer, die es bei guter Bezahlung in die Dienstunfähigkeit und damit in die Rente geschafft haben. Durchschnittlich sind Lehrer im Jahresschnitt sechs Wochen krankheitsbedingt arbeitsunfähig; unter Berücksichtigung dieser Tatsache ist die Ausbeute aus der Rekonvaleszenz für ein erfülltes Arbeitsleben recht mager. Unter diesem Gesichtspunkt lohnt es sich also doch, das Studium zu Ende zu bringen. Im Staatsdienst wartet ein kurzes, gutdotiertes und stressfreies Arbeitsleben.
 
Den Sensationslustigen unter uns bietet sich am 2. Februar ein Großereignis: In Frankfurt wird mitten in der Stadt das Universitätshochhaus gesprengt. Die Genehmigung zur Sprengung wurde von der Stadt erteilt; mit 950 Kilo Sprengstoff soll das 116 Meter hohe Gebäude zur Strecke gebracht werden. Das Spektakel wird vom Hessischen Rundfunk live übertragen.
 
In der Bundesliga wird wieder gespielt. Erfreulicherweise hat sich Borussia Dortmund in der Winterpause gut erholt: mit einem verdienten 2:2 gegen die Übermannschaft aus Augsburg kletterten die Westdeutschen auf den 3. Tabellenplatz. Die Bayern haben mit ihrem 2:0 Sieg in Gladbach jetzt endgültig bewiesen, dass sie in dieser Saison nicht zu schlagen sind. Schalke gewinnt 3:0 in Hamburg, und die Herthaner verlieren unglücklich in Frankfurt mit 1:0. Der Rest ist Nebensache.
 
Bis morgen mit Gruß,

Michael