Michael Schultz Daily News Nr.600

Berlin, den 24. Januar 2014

Liebe Freunde,

ein kleines Jubiläum gibt es heute zu feiern: die 600ste Ausgabe unserer Daily News liegt auf dem Schirm. Seit dem 1. September 2011, mithin im 4. Jahrgang, erscheinen wir im im Rhythmus einer Arbeitswoche (montags bis freitags) und liefern Informationen aus dem Alltag unseres Kosmos. Teils ungefiltert, mitunter aber auch deftig kommentiert, geben wir weiter, was uns beschäftigt. Meinung zu liefern war uns dabei immer wichtiger als Detailwissen. Das können Andere viel besser. Furchtlos und ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Empfänger wird geschieben, was gedacht wird. Nicht ziellos, immer entlang am kulturellen Leitfaden unserer Existenzen. Nie aus Opportunismus, nur dann, wenn neue Erkenntnisse vorlagen, waren wir schnell dabei und haben unsere Ansichten geändert. Der Humus unserer subjektiven Empfindungen ist der unerschöpfliche Nährboden unseres Newsletters. Verfasst wird in den Morgenstunden vor der eigentlichen Arbeit; an manchen Tagen noch unausgeschlafen, oder verwirrt von den Erlebnissen der Nacht davor; manchmal auch mit Alkohol im Blut oder Fieber im Organismus. Tag ein Tag aus liefern wir preußisch, nicht akribisch, dafür mit äußerster Disziplin. Wir schreiben ab, nicht weil das Andere auch tun, sondern weil uns die Ticker der Presseagenturen fehlen und wir manchmal nicht anders können. Zu selten bedanken wir uns bei den Kollegen;  leider nicht immer. Dies heute nachzuholen ist uns ein Bedürfnis: unser Dank gilt den vielen Presseorganen, die uns mit ihren Basisinformationen zum Durchhalten verholfen haben. Ohne den täglichen Blick in die 'Süddeutsche', die 'Welt', den 'Tagesspiegel', die 'Berliner Zeitung', die 'BZ'  und die 'FAZ' wäre so manche Story nicht entstanden. Nicht die großen Themen sind es, die sie uns liefern; es ist das Kleingedruckte, und davon gibt es ganz viel. Bei den Fachpublikationen greifen wir gerne zum 'Informationsdienst Kunst'; zu 'Monopol'; zum 'Artinvestor'; zum 'Kunstmagazin' und vielen internationalen Kunstzeitschriften.  Deren Auflagen sinken, und das tut uns leid. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) teilte gerade mit, dass die verkauften Auflagen im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 3.5 % hinnehmen mussten. In diesen Zahlen sind auch die ePaper-Verkäufe enthalten, die trotz einer Steigerung um 72 % den Untergang der Printmedien nicht aufhalten können. In gewissem Sinne gehören auch wir zur Familie der ePaper, und  so freuen wir uns in aller Bescheidenheit mitteilen zu dürfen, dass unsere Auflage behutsam aber stetig steigt. Unter der Berücksichtigung, dass wir an keinem Kiosk zu haben sind und dass man uns im Netz nicht findet, ist dies ein tolles Ergebnis, und das erfüllt uns mit Stolz. Die 'Daily News' werden zugeteilt, dabei sind wir zugegebenermaßen nicht besonders wählerisch,  trotzdem gehört nicht jeder der will zum auserwählten Empfängerkreis. Für die Leser aus Übersee gibt es eine wöchentliche Zusammenfassung, die in englischer Sprache erscheint. Service des Hauses. Kündigung gab es bisher eine einzige; kein Bayern-Fan, es war ein vom Leben gedemütigter Kunsterzieher. Ohnehin nicht unsere Kernzielgruppe. Genug mit den Hudeleien; jetzt geht es wieder an die Arbeit.

Wie bereits berichtet, eröffnen wir morgen die Ausstellungssaison 2014 mit den Künstlern Urban Hüter und Nathalia Edenmont. Zwei Ausstellungen mit Signalwirkung auf das Jahresprogramm, in dem wir eine ganze Reihe neuer Positionen präsentieren werden. Den Blick auf unsere Stammkünstler haben wir dabei fest im Auge; für sie stehen in diesem Jahr viele Ausstellungen außerhalb Berlins auf der Agenda. Das verschafft einen anderen Blick und verhilft zu einer neuen Öffentlichkeit. Der Tellerrand wird überschritten; ein nicht unwichtiger Impulsgeber für die Weiterentwicklung künstlerischer Ideen.

 

Die skulpturalen Objekte des in Süddeutschland ansässigen Künstlers Urban Hüter finden ihren Ursprung in der Welt amorpher Organismen; sie entstammen aber auch in der Natur vorgefundenen Formen. Seine Materialien setzen sich aus Kunststoffabfall und Gegenständen aus dem Wertstoffkreislauf zusammen. Von ihrer ursprünglichen Funktionalität befreit, erscheinen sie in der 'Wiederauferstehung' als Technik-Monster mit poetischem Zauber.

 

Auf der weltgrößten Agrarmesse, der 'Grünen Woche',  hat der Berliner Zoll drei Kilogramm illegales Walfleisch beschlagnahmt. Auf einem norwegischen Messestand wurden marinierte Walhäppchen angeboten, und weil der Import und der Verkauf hierzulande verboten sind, hat der Zoll zugeschlagen. Gegen den Betreiber läuft ein Strafverfahren; ihm droht eine Geld- oder Haftstrafe. Der Fang wird nun wohl in den Asservaten der Behörden vergammeln. 

Die Bayerische Staatsregierung hat sich nun endgültig vom Projekt einer kommentierten Auflage von Hitlers 'Mein Kampf' verabschiedet. 'Eine historisch-kritische Ausgabe der Hetzschrift Adolf Hitlers im Auftrag der Staatsregierung werde es nicht geben', sagte hierzu Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle. Im Jahr 2012 sah das noch ganz anders aus; damals hatte der Hochschulausschuss des Landtages einer solchen Version zugestimmt. Am 31.12.2015 läuft das von Bayern erworbene Urheberrecht an Hitlers Schmähschrift aus. Durch Rechtssicherheit vor Urheberrechtsverfolgung werden die Druckmaschinen der Schwarzdrucker schon jetzt in Stellung gebracht. Alles Andere ficht die nicht. Eine kommentierte Ausgabe würde Vieles verhindern. 

Heute beginnt die Rückrunde der Bundesliga. Die Bayern müssen nach Gladbach, und dort haben sie in den vergangenen 23 Spielen erst drei Mal gewonnen. Es wird schwer, den Vorsprung von 7 Punkten zu halten. Leverkusen ist der einzig noch ernst zu nehmende Gegner. Auf dem Platz. Außerhalb verursacht eine vom Bayernpräsidenten Hoeneß veranlasste Strafanzeige Aufsehen. Weil seine Steuerakte unberechtigterweise an Dritte weitergegeben wurde, und dadurch der Öffentlichkeit zugänglich geworden ist, wurden gestern früh das Finanzamt in Miesbach sowie ein Rechenzentrum des Finanzamtes in Nürnberg durchsucht. Auch wenn der Steuerbetrug ein Offizialdelikt ist, so unterliegt die Handhabung der Steuerangelegenheiten dem Steuergeheimnis. Ein Widerspruch in sich. Die Anwälte von Hoeneß sind auf der Suche nach Mittätern; vor Gericht wird es ihm wohl leichte Vorteile verschaffen. Gönnen wir es ihm. 
Zum heutigen Jubiläum noch ein kleines Schmankerl; gefunden in der Januar-Ausgabe von 'Cicero'. Auf die Frage, ob er denn nicht langsam genug Kunst gesammelt habe, antwortete Michel von Rijn, einst meistgesuchter Kunstdieb der Welt: 'Nein. Kunsthandel ist wie Sex. Ganz allmählich steigert man sich zum Höhepunkt - und kurz bevor du kommst, ist das Beste. Der Point of No Return. Danach ist es vorbei. Ich habe gelernt, diesen Moment (...) zu finden, und ich  liebe es, ihn bis ins Unerträgliche hinauszuzögern.'

Schlussendlich verweisen wir auf die beiden spannenden Ausstellungseröffnungen. Morgen um 19 Uhr geht es los. Bis dahin.

Michael