Michael Schultz Daily News Nr.598

Berlin, den 22. Januar 2014
 
Liebe Freunde,
 
zum Ende hin war der Newsletter von gestern mit einigen sprachlichen Wirrungen, aber auch unkorrekten Angaben versehen. Deshalb gleich hier die Klarstellung: nicht Lukaschenko sondern Janukowitsch ist der Präsident der Ukraine; der andere ist Despot in Weißrussland. Wladimir Klitschko hat die Polizei gegen die aufgebrachte Menge seiner Anhänger handgreiflich verteidigt; im Text kam das nicht richtig rüber. Tut uns leid. Brandaktuell kommt aus der Ukraine gerade die Nachricht, dass es einen ersten Toten gibt. Getroffen von einem Geschoss der Polizei, erlag ein Demonstrationsteilnehmer seiner Verletzung. Die Eskalation ist nicht mehr aufzuhalten.
 
Bei uns in Deutschland sind mehrere Millionen Zugangsdaten für Onlinedienste gekapert worden, betroffen sind 16 Millionen Benutzerkonten. unter www.sicherheitstest.bsi.de kann jeder seine E-Mailadresse überprüfen lassen. Ratsam sei auf jeden Fall die Veränderung des Passwortes und hier wird empfohlen einen Mix aus Groß- und Kleinbuchstaben in Verbindung mit Zahlen einzugeben. In dieser Kombination wird für die Hacker der Zugang erschwert.
 
Markenartikel beim Discounter sind immer auch ein Hinweis auf die Qualität des Gesamtangebotes. Zwischen dem Großfilialisten Lidl und ˈCoca Colaˈ hat es Streit um die Vermarktungsstrategie geben; dahinter steckt vermutlich ein Kampf um die Preispolitik. Jetzt gaben beide bekannt, dass ab sofort in allen 3.200 Lidl-Filialen keine Sprite, keine Fanta und auch keine Coca Cola mehr zu haben ist. Lidl weicht auf ˈPepsi' oder noch günstigere Marken wie ˈFreewayˈ aus. Im Kulturkampf um unsere Genüsse wird mit harten Bandagen gefightet; es geht nicht mehr nur um das Wohl des Konsumenten, es geht nur noch um die Macht und den Profit der Hersteller.
 
Eine außergewöhnlich erfolgreiche Sonderausstellung über Schuhdesign hat dem Leipziger Grassimuseum für Angewandte Kunst im vergangenen Jahr einen Besucherrekord eingebracht. Mehr als 85.500 Menschen besuchten das Museum, und dies sei eine Steigerung um 31% gegenüber dem Vorjahr. Seit 1926 befindet sich die Schuhkollektion im Gebäude des heutigen Grassimuseums, dessen Vorläufer im Jahre 1874 eröffnet wurde. Besonders erfreulich sei die Altersstruktur; immer jüngere Menschen interessierten sich für die Sammlung.
 
In der klassischen Musik, das hat jetzt eine von der Körber-Stiftung in Auftrag gegebene Studie ergeben, haben 56% der unter 30jährigen keinen Kontakt zu ihr. ˈIm Umkehrschluss bedeutet diesˈ, so Martin Hoffmann, Intendant der Berliner Philharmoniker im aktuellen Spiegel, ˈdass sehr wohl 44% dieser Altersgruppe Kontakt zur Klassik haben.ˈ Der Konzertsaal sei kein 'Technotempel', und der Frack der Orchestermusiker gehöre zum Ritual einer Aufführung. Schlussendlich bemerkte er: 'Klassische Musik ist nicht einfach zu konsumieren. Sie fordert heraus und belohnt jeden, der sich auf sie einlässt.' Ein wahres Wort.
 
Wem im Fiebertraum Angela Merkel begegnet, der ist nicht zu beneiden. Ein rotes und ein schwarzes Bild hatte sie sich ausgesucht. Bei der Probehängung in ihrer ländlichen Privatwohnung war sie sehr unschlüssig darüber, welches nun bei ihr bleiben soll. Den anwesenden Gatten hat die ganze Vorführung überhaupt nicht interessiert. Beiden ging es anscheinend nicht um die Kunst. Sie wollten einfach nur mal besucht werden. Ob eines der beiden Bilder bei ihr verblieben ist, kann nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden.
 
Vielleicht, und das soll es ja immer mal geben, wird dieses in einer weiteren Fiebernacht geklärt.
 
Bis morgen mit besten Grüßen.

Michael