Michael Schultz Daily News Nr.597

Berlin, den 21. Januar 2014

Liebe Freunde,

endlich zu Hause, könnte man zufrieden sagen, doch manches Mal ist die Last der Mitbringsel ein wenig  schwer. Besonders wenn man im Winter, der ja nun endlich bei uns eingekehrt ist, aus wärmeren Regionen kommt und dort den ganzen Tag künstlich runtergekühlt wird, kommt man nicht selten mit einer deftigen Erkältung zurück. Die Bakterienverseuchte Luft der Flugzeuge gibt einem den Rest. Der Hals ist zu, die Nase läuft, die Temperatur steigt übermäßig und das alles haut einen um. Vielflieger kennen das Problem, doch richtig schützen kann man sich nicht davor. Die Reiseeindrücke aber bleiben, und wenn der Katarrh wieder verflogen ist, wird das Erlebte verarbeitet.

Temperaturunterschiede sind in Singapur an der Tagesordnung. Alles was in Hüllen verpackt ist, wird extrem runtergekühlt. Sei es das Taxi, das Hotel, die Restaurants, die vielen Shopping Malls, aber auch die Messehalle; draußen um die 30 Grad und drinnen maximal 22 Grad. Verteilt wird die Kälte von Tausenden Ventilatoren, diese sorgen dafür, dass die abgekühlte Luft in alle Ecken zirkuliert. Den Sensiblen unter uns bläst so der Wind andauernd ins Gesicht. Nicht selten wird die Abkühlung als willkommene Erfrischung genossen; doch wer sich zu lange in ihr suhlt, kommt um eine deftige Erkältung nicht herum.

Was die Singapurer zurzeit am meisten beschäftigt, sind die Vorbereitungen zum chinesischen Neujahrsfest. Auf den Straßen Chinatowns wird getanzt und gefeiert was das Zeug hält; zum Höhepunkt wird am 31. Januar ein stundenlanges Feuerwerk abgebrannt und damit das neue Jahr eingeläutet. Weil die Berechnungen im chinesischen Kalender komplizierter sind als bei uns, sind die Termine von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Genauso verhält es sich mit den Tierbezeichnungen der Jahre; auch diese entstammen einem Schlüssel. Das kommende wird das Jahr des Pferdes, und dieses verspricht den im Horoskop der Pferde geborenen ein Jahr voller Abenteuer. Dazu gehören die in den Jahren 1954, 1966, 1978, 1990, 2002 und 214 zur Welt gekommenen. Insgesamt gibt es 12 Tiere im Horoskop; jedes davon hat eine besondere Bedeutung. Im Jahr des Drachens ist die Geburtenrate seit jeher besonders hoch, weil den darin Geborenen 'Mut zum Risiko' attestiert wird. Für die Asiaten, die einen ausgeprägten Hang zur Spiritualität haben, werden bei den besonders Gläubigen mit dem Jahreswechsel viele Accessoires des Alltags ausgetauscht. Das Geschirr, der Schmuck, die Bettwäsche und vieles andere mehr ziert nun das Konterfei des Pferdes, und so bringt jedes neue Jahr neben den Festivitäten auch viel Abwechslung in den Alltag der Menschen. 

Ähnlich wie die Japaner gehören auch die Singapurer nicht unbedingt zu den schnell Entschlossenen. Diese Erfahrung wurde von allen Ausstellern der 'Art Stage' gemacht. Doch, und das ist bereits jetzt spürbar, wenn sie sich in etwas verliebt haben, lassen sie nicht locker. Die ersten Messenachfragen sind eingetrudelt, und das schafft Hoffnung auf ein angenehmes Nachgeschäft. Die lokale und internationale Presse hat es in diesem Jahr besonders gut mit uns gemeint: im Messenachbericht der 'STRAITS TIMES' wurde unser Stand hervorgehoben und in Wort und Bild gewürdigt; das 'Wall Street Journal' berichtete über unseren Auftritt und in der Heimat die 'Welt am Sonntag'. Öffentlichkeit gehört zum Geschäft und deshalb freuen wir uns darüber.

Mit großer Bestürzung hat die Welt auf den Tod des italienischen Meisterdirigenten Claudio Abbado reagiert. Im Alter von 80 Jahren erlag er in Bologna einer langanhaltenden Krankheit. Der gebürtige Mailänder hatte in seiner langen Karriere 1966 erstmals mit den Berliner Philharmonikern zusammengearbeitet. Später, im Jahre 1989, übernahm er als Nachfolger von Herbert von Karajan die Leitung der Philharmoniker, deren Chefdirigent er bis 2002 geblieben ist. Danach ging er wieder zurück nach Italien und war ein gefragter und stets willkommener Dirigent der großen Orchester dieser Welt. Unendlich ist in den Nachrufen die Trauer um diesen großen Musiker.

In Dresden hat die 'Elektra'-Inszenierung von Barbara Frey große Jubelstürme geerntet. Bei der Premiere am Samstagabend gab es 20 Minuten anhaltenden tosenden Applaus; auch für die Staatskapelle und deren Chefdirigent Christian Thielemann. Die Semperoper eröffnete mit dieser Inszenierung ihr Festjahr für den Komponisten Richard Strauss. Zahlreiche Konzerte und Opernaufführungen stehen in diesem Jahr auf dem Programm.

Die thailändische Stargeigerin Vanessa Mae will bei den Winterspielen in Sotschi für ihr Land an den Start gehen. Aufgrund einer Sonderregelung dürfen auch Länder Athleten zu den Winterspielen senden, in denen Wintersport nicht betrieben wird. Sie wird im Slalom antreten; alles Andere als ohne Sturz im ersten Lauf ins Ziel zu kommen, wäre schon eine Überraschung. Dabei sein ist eben alles. 

In der Ukraine geschieht augenblicklich Merkwürdiges: Oppositionsführer Klitschko heizt einerseits die Demonstranten zu kompromisslosem Marsch gegen die Regierung auf; andererseits verteidigt er im Gemenge körperliche Auseinandersetzungen der Polizei mit der verhassten Lukaschenko-Administration. Auf den Bildern, die im Fernsehen gezeigt wurden, ging der Boxweltmeister mit äußerster Härte gegen seine Verbündeten vor. Die Nerven liegen blank. 

Wir interessieren uns für die Geschehnisse der Welt; auch morgen wieder. Bis dahin die besten Grüße.

Michael