Michael Schultz Daily News Nr.596

Singapore, den 20. Januar 2014

Liebe Freunde,

gestern war der letzte Tag auf der Art Stage in Singapore, und die Messehalle war nochmal richtig gut gefüllt. An den Wochenenden, diese Erfahrung machen wir schon seit Jahren, ist die Quantität der Besucher immer sehr hoch, doch die Qualität lässt zum Ende hin deutlich nach. Das ist in Basel so, das ist in New York so, das ist überall so. Trotzdem ist es ratsam, auf alle Anfragen der Interessierten einzugehen; besonders im asiatischen Raum, wo die Potenz der Interessenten sehr schwer zu erkennen ist, darf und sollte vom äußeren Auftreten nichts abgelesen werden. Wer sich daran hält und nicht nur auf Schuhe und Handgelenke achtet, erlebt so manch angenehme Überraschung.

Insgesamt sind wir mit unserem Messeauftritt recht zufrieden. Vielversprechende Kontakte zu uns bisher noch nicht bekannten Sammlern wurden geknüpft; auf zwei kapitale Kunstwerke von Gerhard Richter gibt es seriöse Reservierungen. In gute Hände konnten wir ein mittelformatiges Richter-Werk vermitteln. Bekanntermaßen dauern die Entscheidungen in den höheren Preislagen immer etwas länger, so sind wir sehr zuversichtlich, dass aus den Reservierungen feste Abschlüsse werden.

Singapore als Destination für eine Kunstmesse hat sich wiedermal bewährt, ihre Eigenständigkeit, aber auch das eigenwillige Format mit dem Fokus auf südostasiatische Kunst unterscheidet sie ganz deutlich von dem Filialbetrieb der Art Basel. Ob in Basel, in Hongkong oder in Miami, auf den Basel-Messen sieht man stets die gleiche Kunst bei den immer selben Händlern, die Kunden werden angekarrt, und so sind auch diese immer gleich. Frische sieht anders aus; in Singapore ist sie sichtbar.

 

Die Weltoffenheit von Singapore ist sprichwörtlich. Nicht nur in den Straßen und Gassen der Stadt begegnet man den verrücktesten Typen. Auf unserem Messestand bekamen wir Besuch von der stadtbekannten Dragqueen Eugene. Besuche dieser Art sind willkommen und bringen Kurzweil in unseren schweren Alltag.

 

 

   

Helene und Wolfgang Beltracchi, auch als Bonnie & Clyde in die Geschichte der Kunstfälscher eingegangen, haben endlich getan, was lange von ihnen erwartet wurde: unter dem Titel ,Selbstporträt' erschein jetzt im Rowohlt Verlag Reinbek ein 608 Seiten umfassender Zweipfünder, in denen die beiden ihre Genialität zum Nachlesen aufgeschrieben haben. Ein weiterer Band, immerhin auch 480 Seiten Umfang, dokumentiert den Briefwechsel während der Zeit ihrer Untersuchungshaft. Betitelt ist dieser mit den vielsagenden Worten "Einschluss mit Engeln". In Arbeit, so hört man aus berufenem Munde, ist schon das Filmmanuskript. Für die des Lesens Müden, eine optimale Alternative.

Als Fußballspieler sind die Österreicher von uns Deutschen noch nie hoch eingeschätzt worden. Die Erste Liga Österreichs wird gerne mit unserer Zweiten Bundesliga verglichen. Für die Champions League müssen sich alle österreichischen Vereine in der Qualifikationsrunde behaupten. Doch selten schaffen sie es in die erste Hauptrunde. Jetzt aber haben sie es uns gezeigt: eine schmachvolle 3:0 Niederlage kassierten die Stars des FC Bayern gegen Red Bull Salzburg. Eine peinlichere Demütigung für die stolze Seele der deutschen Fußballfans gab's schon lange nicht mehr.

Wegen der Zeitverschiebung ist dieser Newsletter gestern Abend in Singapore geschrieben worden. Mangelnde Tagesaktualität bitten wir zu entschuldigen. Morgen wieder wie gewohnt; umfangreich und brandaktuell.

Bis dahin,

Michael