Michael Schultz Daily News Nr.588

Singapore, den 8. Januar 2014

Liebe Freunde,

die Kanzlerin trotzt ihren Schmerzen, geht dem Tagesgeschäft nach und empfängt sogar die um Gerechtigkeit und Almosen bittenden Sternsinger in ihrer Amtsstube. 'Das lässt sie sich nicht nehmen', verlautet es aus ihrem Umfeld. Eine tapfere Frau, die keinen Schmerz kennt. Über die wirkliche Ursache, die zu ihrem Langlaufunfall führte, wird derzeit viel spekuliert; eindeutige Angaben sind auch aus dem Kanzleramt nicht zu vernehmen. Weil die Verletzungsgefahr bei der Ausübung dieses Sports, besonders im gemächlichen Kanzlerinnenstil, äußerst gering ist, gehen Experten jetzt davon aus, dass sich die Bundeskanzlerin beim Festzurren ihrer Bindung verletzt hat. Nicht wie bei Michael Schumacher, den es bei der Abfahrt auf der Piste erwischte, hat Frau Merkel  beim leichten nach vorne Beugen das Gleichgewicht verloren und ist gestürzt. In einer bisher noch nicht veröffentlichten Unfallanalyse des Deutschen Skiverbandes (DSV) spricht man von einem  'Verletzungsklassiker' aus dem Amateurbereich; die meisten Unfälle entstehen in Vorbereitung der Sportausübung. Ähnlich wie beim Schach, wo die Verletzungsgefahr auf dem Weg zum Brett am höchsten ist, entstehen Verletzungen beim Skilanglauf meist außerhalb der Loipe. Statistisch ist das noch nicht erfasst worden. Das 'Institut für Sportwissenschaften' (IFS) an der Technischen Universität in Darmstadt will sich dieser Problematik annehmen und schon für die nächste Wintersaison belastbare Regeln zur Prävention vorlegen. Die Kanzlerin machts möglich.

Kurioses hört man auch aus dem Land der aufgehenden Sonne: um sich vor den unheimlichen Körperkontakten sogenannter  'Frotteure' schützen zu können, stellt die japanische Bahngesellschaft eigens und ausschließlich für weibliche Fahrgäste Waggons zur Verfügung. Die Anzahl der dieser speziellen sexuellen Spielart verfallen Artgenossen steigt ständig. Bisher wurde dieses Phänomen ausschließlich bei pubertierenden jungen Männern wahrgenommen; weil gerade in Japan mittlerweile auch die Älteren Geschmack am Gedränge in der U-Bahn finden, bieten Sexklubs den Rubbelsüchtigen zur Entspannung nachgebaute Bahnabteile an. In diesen tummeln sich als Bürodamen, Hausfrauen und Schulmädchen verkleidete Prostituierte, an die sich die Kontaktsüchtigen anschmiegen und abreiben können. Gegen Gebühr. 

Um viel Geld geht es auch in der sogenannten Pofalla-Debatte. Hier hat sich jetzt Bahnvorstand Rüdiger Grube in die Debatte eingeschaltet und verkündet, dass sich das Staatsunternehmen gegen Ende März mit der Bestellung eines neuen Aufsichtsratsmitglieds beschäftigen will. Dieser soll für Wirtschaft, Politik und Regulierung (?!) zuständig sein. Der Name des Ex-Kanzleramtsministers ist in diesem Zusammenhang nicht gefallen. Doch es gilt als ausgemacht, dass dieser den Job und die damit verbunden 1,8 Mio. Salär bekommen wird. Wie auch immer Ronald Pofalla sich für diese Berufung qualifiziert hat, ohne das Mitwirken der Bundeskanzlerin wäre nichts gegangen. Bereits seit November letzten Jahres ist sie mit der Angelegenheit vertraut; eine klare und rechtzeitige Äußerung zu seinem Wechsel hätte viel Wind aus den Segeln genommen. Dieser bläst nun auch ihr ins Gesicht. 

Im Ullstein Verlag erschien dieser Tage ein spannendes Buch. Unter dem Titel 'Sehr geehrtes Facebook' veröffentlichte der Journalist Matthias Stolz (alias Hans-Hermann Stolze) eine Sammlung von Briefen,  die er als vermeintlich 87 Jähriger an Firmen wie Facebook, Apple, Nokia, Google, Ikea und viele andere Unternehmen gerichtet hat. Er wolle den Anschluss an die neue Medienwelt nicht verpassen und bat um Rat, wie er sich Zugang zum Internet verschaffen kann, wo er sich zum Erhalt einer Mobilfunknummer anmelden muss; von Amazon beispielsweise erbat er sich die Zusendung eines gedruckten Versandhauskatalogs. Zur Tarnung wurden die Briefe auf einer alten Schreibmaschine geschrieben und als Vorwand nannte er seinen Enkel, der ihn zu dieser Aktion dränge, damit der Opa auch mithalten kann. Viele der angeschriebenen Firmen reagierten und gaben dem aus der Zeit geratenen älteren Herrn praktische Tipps. Weil es ohne Internetzugang nicht möglich ist, sich bei Facebook anzumelden,  empfahlen die Netzwerkbetreiber dem Rentner den Besuch eines Volkshochschulkurses. Dort wird man ihm sicherlich helfen können. Eine humorvolle Ansammlung von Briefen und den Antworten darauf. Erhältlich bei Amazon und für 9.99 Euro auch sofort lieferbar.  

Ein für heute angekündigter Bericht über die kulturelle Vielfalt Singapores wurde aus technischen Gründen auf morgen verlegt. Der für eine sorgfältige Recherche notwendige Aufwand ist der Zeitumstellung von 8 Stunden zum Opfer gefallen. Leider.

Bis dahin mit besten Grüßen.

Michael