Michael Schultz Daily News Nr.584

Berlin, den 19. Dezember 2013

Liebe Freunde,

im Strafprozess gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff will heute um 14.30 Uhr der vorsitzende Richter im Landgericht in Hannover eine Zwischenbilanz ziehen. Beobachter rechnen damit, dass der Richter das ganze Spektakel beendet und einen Freispruch verkündet. Wie dieser aussieht, ob erster, zweiter oder gar dritter Klasse, darüber wird noch spekuliert. Auch wenn er niemals wieder seine vollständige Reputation wiedererlangen wird, ist der zu erwartende Freispruch eine späte Genugtuung für die mitunter vernichtende Häme der bundesdeutschen Journaille. Wie kein anderer Politiker zuvor repräsentierte das Präsidentenpaar Wulff ein modernes, aufgeschlossenes und junges Deutschland. Schade, dass sie weggemobbt wurden. 

Die andere Meldung des Tages ist die Bestellung von Boris Becker zum Chefcoach von Novak Djokovic, der aktuellen Nummer Zwei der Tennisweltrangliste. Der Boulevard wird ihn in seinem neuen Job begleiten, aber er darf auch große Hoffnung machen, dass der Name Becker künftig wieder regelmäßig auf den seriöseren Sportseiten auftaucht. Womit er sich für den neuen Job qualifiziert, bleibt im Dunkeln, doch mit dieser neuen Aufgabe steigt einerseits sein (Werbe-) Marktwert und andererseits tut er was für seine Figur. Aktuellste Fotos zeigen einen ziemlich aufgeschwemmten Ex-Sportstar. 

Der in westafrikanischen Savannen lebende Rote Wendehalsfrosch nutzt eine Art chemischen Tarnmantel, um sich vor giftigen Ameisen zu schützen. Dies fanden Forscher des Berliner Museums für Naturkunde heraus;  zwei dieser chemischen Substanzen, die es ihm ermöglichen unter den Ameisen zu leben,  fanden sie in der Froschhaut. Vermutet wird, dass die Frösche diese Substanzen nicht über die Nahrung aufnehmen, sondern selbst herstellen können. Bereits die frischen, aus Kaulquappen umgewandelten Jungfrösche tragen diesen Schutzmantel in sich. 

Zu den ersten für den offiziellen Wettbewerb bekanntgegebenen Filmen der kommenden Berlinale gehört u.a. das neue Werk des französischen Altmeisters Alain Resnais. Mit 'Aimer, boire et chanter', zu Deutsch 'Lieben, Trinken und Singen', schickt er einen Streifen ins Rennen, dessen Geschichte der Wirklichkeit sehr nahe steht. Mit dabei ist auch Dominik Graf, der mit den 'Geliebten Schwestern' ein historisches Liebesdrama um den Dichter Friedrich Schiller abliefert. Gut möglich, dass die Liebe in all ihren Facetten zum großen Thema des Filmfestivals wird. (6. bis 16. Februar 2014)

Das Holocaust-Museum in Washington hat das Tagebuch des Nazi-Chefideologen Alfred Rosenberg erhalten. Auf den rund 400 handgeschriebenen Seiten ist die Geschichte der NSDAP und den Nazischergen von 1936 bis 1944 beschrieben. Das Skriptum wurde vermutlich nach dem Krieg in die USA geschmuggelt und wurde in diesem April beschlagnahmt. Rosenberg war mitverantwortlich für den millionenfachen Mord an Juden. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurde er zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Das Vermächtnis vieler Nazigrößen liegt beim bayrischen Staat; bleibt zu hoffen, dass die Bayern ob ihrer sprichwörtlichen Gründlichkeit keine Restitutionsansprüche oder ähnliches anmelden.

Zu guter Letzt warnt das Bundeskriminalamt vor gefälschten E-Mails, in denen die Behörde selbst als Absender angezeigt wird. Im Betreff wird 'Vorladungstermin Polizei / BKA' angegeben, und es geht um einen angeblichen Warenbetrug im Internet. Man wird aufgefordert, einen Link anzuklicken; wenn man das tut, wird der Rechner mit einer Software geladen, mit der die Passwörter für den Bankverkehr etc. geknackt werden. 

Rund 44 Milliarden Dollar  (44.000.000.000) müssen die Versicherungen in diesem Jahr für entstandene Umweltschäden ausgeben.  Vieles davon hätte verhindert werden können, wenn nur die Hälfte dieser Summe, die im Übrigen seit Jahren konstant aufgebracht werden muss, in umweltschonende Technologie investiert werden würde. Die Natur zu bändigen wird nicht möglich sein; lassen wir ihr aber ihren Entfaltungsspielraum, wird der Groll so mancher Katastrophe weniger verheerend. 

In diesem Sinne einen schönen Tag, und dann bis morgen.

Michael