Michael Schultz Daily News Nr.583

Berlin, den 18. Dezember 2013

Liebe Freunde,

kaum im Amt, hat die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen ersten herben Einschlag erlitten. In Leipzig entschied jetzt das Bundesverwaltungsgericht, dass Soldaten mit Haarzopf auch weiterhin tabu bleiben; der sogenannte Haar-und Barterlass der Bundeswehr ist damit weiterhin rechtmäßig. Das Gericht wies die Beschwerden eines Wehrpflichtigen ab, der mit 40 cm langen Haaren zum Grunddienst angetreten war. Weil er sich in seinen Persönlichkeitsrechten beeinträchtigt fühlte, widersetzte sich der Mann  dem Befehl die Haare zu kürzen.  Auftrag und Funktionsfähigkeit der Streitkräfte seien 'in einem hohen Maß durch ein nach außen einheitliches Auftreten geprägt', so die Richter. Wegen ihrer Vorbildfunktion und um im Kasernendrill eine gute Figur zu machen, muss die neue Oberbefehlshaberin nun erst mal zum Frisör. Ob sie will oder nicht, und ohne Wenn oder Aber. 

Der Pfarrer aus Rostock hat seine Reise zu den Olympischen Spielen nach Sotchi abgesagt. Joachim Gauck, unser Bundespräsident, will damit ein deutliches Zeichen gegen die menschenverachtende Politik des russischen Monarchen Wladimir Putin setzen. Die Kanzlerin war darüber nicht glücklich; sie will nach Sotchi. Dort wird sie vermutlich auf eine von US-Präsident Obama ausgewählte Sportlergruppe stoßen, die zu ihren gleichgeschlechtlichen Neigungen steht. Die Amis senden keine Kabinettsmitglieder, dafür aber eine Gruppe lesbischer Sportlerinnen, die von der Tennislegende Billie Jean King angeführt wird. Das sind Signale, die sogar Putin versteht. Aber vielleicht kommt ja Frau Merkel mit Peter Altmeier angereist, dann ist alles wieder im Lot.

Für 2014 wird für Deutschland ein kräftiges Wirtschaftswachstum vorhergesagt. Die Konjunktur wird um 1,9 % anziehen, so das Münchener Ifo-Institut, und damit fünfmal so stark sein wie im laufenden Jahr. Wichtigste Stütze wird die sogenannte Binnenwirtschaft sein, die von der guten Kauflaune der Verbraucher profitiert. Dies bringt auch Schwung in den Arbeitsmarkt und sorgt sogar gegen Ende des kommenden Jahres für einen Mangel an Fachkräften. Zeitgleich veröffentlicht das in Wiesbaden ansässige statistische Bundesamt, dass ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, mithin 16 Millionen Menschen, von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Noch schlimmer sieht es in Europa aus, dort leben  24,5 % der Menschen unterhalb einer sozial gerechten Einkommensgrenze. Beide Meldungen verdeutlichen, dass die Schere zwischen Reichtum und Armut stärker geöffnet ist, als von vielen vermutet.

Heute wäre Willy Brandt 100 Jahre alt geworden. Vom 21. Oktober 1969 bis zum 7. Mai 1974 stand der Sozialdemokrat der Bundesregierung vor. 'Seine relativ kurze Kanzlerschaft geht mit einer enormen Dichte real- und symbolträchtiger Großereignisse einher', vermerkt die 'Süddeutsche Zeitung' hierzu. In die Geschichte eingegangen sind die Ereignisse aus dem Jahr 1970: im März traf er sich mit den Mächtigen der DDR in Erfurt; im Mai dann der Gegenbesuch in Kassel. Seine Versöhnungsverträge mit Polen und der damaligen Sowjetunion wurden im August und Dezember unterzeichnet. Unvergessen  bleibt sein Kniefall vor dem Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto. Noch heute treibt die Erinnerung große Schauer durch den Rücken. Seinem Credo 'mehr Demokratie wagen' ist er bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1992 treu geblieben.  Der Axel Springer-Verlag, der in der damaligen Zeit in seinen Publikationen keinen Hehl aus seiner Feindschaft zu Brandt machte, würdigt ihn für seine Verdienste um die Wiedervereinigung Deutschlands mit einer Gedenktafel. Eine Geste der Versöhnung, die den Brandtworten 'jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört' in doppelter Bedeutung eine späte Genugtuung verleiht.

Der Papst hat seinen 77igsten Geburtstag mit vier Obdachlosen gefeiert. Die eingeladenen Männer übernachten des Öfteren in der Umgebung des Vatikans; nun wurden sie zur Messe und zum gemeinsamen Frühstück mit Franziskus eingeladen. Es ist Weihnachtszeit; diese Geste kommt nicht nur gut an, sie soll wohl auch daran erinnern, dass geben seliger ist, denn nehmen.

Eine neue Ära auf dem Kunstmarkt kündigt das Auktionshaus Christie's an. 'Rasante Preise, hohe Qualität, ein zunehmend globales Käuferspektrum und ein größeres Marktvertrauen' habe in diesem Jahr den Kunstmarkt beflügelt. Das erste Halbjahr brachte den Londoner Auktionatoren mit einem Erlös von 3.7 Milliarden Dollar eine Steigerung um 9% zum Vorjahr. Auch in der zweiten Jahreshälfte wurden die Umsätze deutlich getoppt und für die kommenden Jahre erwarte man eine noch stärkere Belebung im Handel mit der Kunst.

Rosige Zeiten die auf uns zukommen. Der Kunstmarkt wird immer mehr zum Hauptkonkurrenten des Aktienmarkts; am Ende ist glücklich, wer an beiden Seiten die richtigen Berater hat. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Bericht des Frankfurter Anlageprofis Stefan Wallrich, den wir im folgenden Link komplett wiedergeben:  
http://nachrichten.finanztreff.de/news_news.htn?id=9494124

Das war's für heute. Beste Grüße und bis morgen.

Michael