Michael Schultz Daily News Nr.580

Berlin, den 13. Dezember 2013

Liebe Freunde,

des Rätsels Lösung ist geklärt: der Gehörlosendolmetscher, der anlässlich der Nelson Mandela-Trauerfeier wild herumfuchtelte, war kein Hochstapler wie vermutet, er war der amtliche bestellte Sprachübersetzer. Seine Hieroglyphen konnte niemand verstehen; Grund für diesen Aussetzer war nach eigenen Angaben ein schizophrener Anfall, in dem er Engel über dem Stadion schweben sah. Deshalb habe er immer die gleichen Gebärden wiederholt und nicht einmal das für Mandela bestimmte Zeichen eingesetzt. Die Krankheitsanfälle waren den Behörden bekannt, man sah aber keinen Grund, ihm deshalb die in alle Welt ausgestrahlte Übersetzung zu entziehen. Trotz der Schmach, die er über sein Land brachte, könnte der Auftritt der Beginn einer großen künstlerischen Karriere sein. Vielleicht sehen ihn wir ja auf der nächsten Documenta wieder.

Ausgerechnet Putin, der lupenreine Demokrat, hat in seiner Rede an die russische Nation die Korruption in seinem Land beklagt. Gleichzeitig verteidigte er die traditionellen Werte und beklagte den Sittenverfall in anderen Ländern. Die Zerstörung von Familienwerten führe dort zu negativen Folgen in der Gesellschaft. Auch wenn er es  expliziert nicht benannt hat, so verbirgt sich hinter dieser Aussage seine Homophobie, für ihn der Verfall allen sittlichen Lebens. Schon lange wird vermutet, dass sich dahinter die eigene Angst vor Enttarnung  verbirgt. Irgendetwas umschleicht ihn; man merkt es ihm an. Unterdessen hat der oberste Gerichtshof Russlands die Überprüfung des Pussy Riot-Urteils angekündigt. Der Vorwurf des Hasses sei nicht ausreichend bewiesen. Eine erfreuliche Kehrtwende, die auch im Falle Chodorkowski angebracht wäre. Doch dort lässt Putin einen neuen Prozess vorbereiten; es gilt auf alle Fälle zu verhindern, dass der ungebrochene Regimekritiker im kommenden Jahr aus der Haft entlassen wird. Die Rede an sein Volk hätte er sich ersparen können.

Richard Wagners Opern wären ohne die Migräneanfälle des Schöpfers nicht das geworden, was sie sind. Das  behauptet jetzt in einem Aufsatz die Fachzeitschrift 'British Medical Journal'.  Sowohl die Handlung, als auch die Musik in der Oper 'Siegfried' seien im  Rhythmus von den Wahrnehmungsstörungen der Migräne beeinflusst. Wagner habe seine Migräneattacken und Aura-Symptome tief mit seiner Musik verwoben, schreiben die Wissenschaftler. Bestätigt wird das alles von einem Forscherteam der Schmerzklinik in Kiel. Ob diese Erkenntnis Auswirkungen auf die zukünftige Behandlung von Migränepatienten haben wird, lassen die Wissenschaftler offen.

In der Nacht zum Montag wurden aus der Londoner 'Exhibitionist Gallery' zwei Werke von Damien Hirst gestohlen. Der Kunstdieb hatte die Tür aufgebrochen und die beiden Arbeiten in seinem Fahrzeug abtransportiert.  Der Schaden beträgt laut Scotland Yard 38.500 Euro; demnach kann es sich nur um multipleWerke handeln. Somit ist nichts aus dem Oeuvre des Meisters für immer verschwunden. Gott sei Dank.

Zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach schreiben die Partnerstädte Wittenberg und Kronach einen internationalen Kunstpreis aus. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie das Werk Cranachs zeitgenössisch deuten sollen. Zugelassen sind Malerei, Grafik, Fotografie und Videokunst; dotiert ist das Ganze mit mageren 6.000 Euro. Bis Oktober 2014 läuft die Anmeldefrist; bewerben kann man sich bei der Cranach Stiftung in Wittenberg.

Für alle, die es gerne verdrängen: heute ist mal wieder ein Freitag, der 13. und zu allem Unbill auch noch der 75. Geburtstag von Heino. Deshalb heute besonders gut auf glatten Straßen acht geben, aber auch zur Vorsicht bei der Wahl des Radiosenders sei ermahnt. Wir trotzen dem Schrecken und eröffnen heute Abend die Ausstellungen von Stephan Kaluza und Helge Leiberg. Im angesehenen Artnet-Magazin wird in einem Vorbericht auf die Ausstellungen hingewiesen. http://www.artnet.de/galleries/exhibitions.asp?gid=92324&cid=317951&source=0&type=0&rta=http://www.artnet.de

Auf Euren Besuch freuen wir uns (heute von 19 bis 21 Uhr). Am Montag dann geht es in die letzte vorweihnachtliche Woche. Wir melden uns dann wieder und senden bis dahin die besten Grüße.

Michael