Michael Schultz Daily News Nr.579

Düsseldorf, den 12. Dezember 2013

Liebe Freunde,

laut Auskunft von CSU-Chef Horst Seehofer wollen Union und SPD heute die Besetzung des künftigen Kabinetts klären. Dabei soll auch abgestimmt werden, wann und wie die Minister nebst Ressortzuschnitt bekannt gegeben werden. Mit der Veröffentlichung wird am Sonntag gerechnet. Zuvor allerdings muss das Ergebnis der SPD-Basis abgewartet werden. Bekannt geworden ist, dass bislang über 300.000 Mitglieder abgestimmt haben. Diese hohe Beteiligung soll selbst Angela Merkel überrascht haben. Heute Abend endet die Abstimmungsfrist; ausgezählt wird am Samstag. Die Vereidigung der Minister ist für Dienstag kommender Woche vorgesehen. Das alles geschieht aber nur dann, wenn das Votum der SPD-Mitglieder positiv ausfällt. Doch davon geht man in der Parteizentrale aus. Zur Bescherung verteilen die Parteien ihre Weihnachtsgeschenke; mehr nach Proporz als nach Qualität. Nichts neues, aber immer wieder spannend.

Bei der Trauerfeier von Nelson Mandela stand ein sich als Gehörlosendolmetscher ausgegebener Hochstapler mehr als vier stunden neben dem Rednerpult und fuchtelte wild mit seinen Armen. Seine Gebärdensprache allerdings war frei erfunden und konnte von niemandem verstanden werden. Einmal im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit wollte er stehen; wie der Mann heißt und woher er kam, konnte nicht festgestellt werden.

Mit einer Notelf haben die Dortmunder Borussen ihr letztes Gruppenspiel in der Champions League mit 2:1 gegen Olympique Marseille gewonnen. Damit ziehen sie als Gruppensieger in das Achtelfinale ein. Dasselbe schaffte auch Schalke 04 mit einem souverän ausgespielten 2:0 Heimspielsieg gegen den FC Basel. Nur mit äußerster Loyalität am Arbeitsplatz kam dieser Sieg zustande; hätten die Schalker verloren, dann hätte noch gestern Abend der Trainer seinen Job  abgeben müssen. Die Mannschaft opferte sich für ihn auf und bescherte ihm mit einem grandiosen Spiel ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Insgesamt kann der deutsche Fußballwesten mit erhobener Brust in die  bevorstehende Winterpause einziehen; drei Mannschaften in der K.-o.-Runde können sich wahrlich sehen lassen.  Nur die Bayern haben ihren Fans den Sieg verweigert; aber das wurde ja auch mal Zeit.

Das Berliner Institut für Strategieentwicklung hat eine Studie veröffentlich, in der Verblüffendes offenbart wird: der gesamte deutsche Markt für Gegenwartskunst macht weniger Umsatz als ein amerikanischer Händler alleine. Larry Gagosian, der neben Pace, David Zwirner und Hauser & Wirth zu den vier globalen Marktführern gehört und ein weltumspannendes Reich mit 14 Dependancen führt, kommt auf 688 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz deutscher Gegenwartsgalerien hingegen liegt gerade mal bei 450 Millionen Euro. In ihrer Ausgabe vom 28. November analysiert die 'Zeit'  diese Zahlen und kommt zu dem Fazit, dass sich 'der Markt für zeitgenössische Kunst spaltet - immer weniger Händler und Künstler verdienen immer mehr.' Diejenigen, die nicht dazugehören, fallen unter den Tisch. Früher oder später.

Das muss man erst mal so stehen lassen. Wenn jetzt auch noch am 1. Januar die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent kommt, und mit ihr eine Verteuerung auf dem Kunstmarkt, wird die Situation für alle beteiligten auch nicht besser. Zur Abfederung sind Ausgleichszahlungen vorgesehen, doch diese sind von den Ländern (noch) nicht abgesegnet, und es scheint fraglich, ob es überhaupt dazu kommt.

Auf die gesamte Mehrwertsteuerproblematik werden wir in der kommenden Woche ausführlich eingehen. Für heute wünschen wir einen schönen Tag, grüßen und freuen uns auf morgen.

Michael