Michael Schultz Daily News Nr.578

Berlin, den 11. Dezember 2013

Liebe Freunde,

mit einer bewegenden Trauerfeier haben Südafrika und die Welt Abschied von Nelson Mandela genommen. US-Präsident Barack Obama würdigte in einer sehr persönlichen Rede den Verstorbenen als einen 'Giganten der Geschichte'. Am Rande der Trauerfeier kam es zu einer historischen Begegnung zwischen dem US-Präsidenten und Raúl Castro, seinem kubanischen Amtskollegen. Beide begrüßten sich per Handschlag und sprachen einige wenige Worte miteinander. Mandela hätte diese Geste ganz sicher gut befunden. Weit über 100 Staatsführer waren nach Johannesburg angereist. Der israelische Präsident Benjamin Netanjahu musste seine Teilnahme kurzfristig absagen. Der Linienflug für ihn und seine Bodyguards hätte 600.000 Euro gekostet und das war den Israelis dann doch zu viel. So jedenfalls wird sein Fernbleiben in der israelischen Presse kommentiert.

Es ist noch gar nicht so lange her, da versetze die Versteigerung eines Fotos von Andreas Gursky den Künstler, die Fachwelt und die Kunstszene schlechthin in Entsetzen.

Blick in die Ausstellung von Helge Leiberg: stets in Bewegung sind seine Figuren; mal selbstvergessen, mal konzentriert. Stets bekunden sie Leidenschaft, Liebe und Verzweiflung.

Eingereicht von der Deutschen Telekom, erzielte das großformatige Stadtpanorama 'Paris Montparnasse' bei Sotheby's stolze 1.8 Millionen Euro. Das Dreifache dessen, was der Telefonanbieter einstmals dafür bezahlte. Der Aufschrei war groß und verständlich. Jetzt kündigte das deutsche Premiumunternehmen an, dass diese Summe der Grundstock zur Umorientierung der firmeneigenen Kunstsammlung sei: fortan will man sich hauptsächlich mit der Kunst junger Türken beschäftigen. 'Neben ihnen will man Gegenwartskünstler aus dem südöstlichen Europa fördern' vermerkt der 'Informationsdienst Kunst' zu diesem Vorhaben und vermutet dahinter eine strategische Ausrichtung der Geschäftsinteressen. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, weil aber deutsche Kunst zukünftig im Unternehmen eine eher untergeordnete Rolle spielen wird, ist das Vorhaben verwerflich. In Frankreich, Spanien, England und anderswo wäre dieses Vorgehen ein Unding. Ein bisschen mehr nationale Identität stünde auch der Telekom gut zu Gesicht. Schließlich waren es die Deutschen, die dem Telefonriesen zu großem Vermögen verholfen haben. Auch bei notwendigem  Globalisierungsdrang sollte dies nie vergessen werden.  

Die beiden kommenden Ausstellungen wurden gestern gehängt. Ein kreativer Prozess, der bei uns im Hause in der Regel in Abwesenheit der Künstler vorgenommen wird. Grundvoraussetzung für eine spannungsvolle Hängung sind der unverbrauchte Blick und eine notwendige Distanz zum Werk. Weniger die inhaltlichen Zusammenhänge sind bei der Hängung entscheidend; geschaffen werden muss ein Gesamtbild, in dem das Augenmerk schwerpunktmäßig auf Schlüsselwerke gelenkt wird. Oft sind die Künstler von den Ideen überrascht; selten unzufrieden.

In seinem neuen Bildzyklus geht Stephan Kaluza neue Wege. Malerei ohne den für seine Bilder bekannten Plexiglasfilter. Es geht ihm um Malerei; im Sinn und im Wesen, und immer unter dem Blickwinkel von Betrachtungsmechanismen, Interpretationsfähigkeit und Wahrnehmung.

 

Der gestrige Fußballabend wird in die Geschichte eingehen. Die Bayern haben zu Hause mit 2:3 ihr Champions League Match gegen Manchester City verloren. Nicht weil sie nicht Fußball spielen können; verloren haben sie, weil sich nach der frühen 2:0 Führung eine altbekannte Überheblichkeit eingeschlichen hat.  Fußballdeutschland atmet auf und die Bayern müssen mit ihrer unendlichen Rekordjagd von vorne beginnen. Zehn Mal hintereinander haben sie in der Königsklasse kein Spiel verloren; das zu toppen, wird selbst für die Münchner Millionentruppe eine Aufgabe. Leverkusen hat das Achtelfinale der Champions League mit einem 1:0 in San Sebastian erreicht; heute müssen noch Dortmund und Schalke nachziehen, dann sind erstmals 4 deutsche Mannschaften in der K.-o.-Runde vertreten. 

Im Prozessbegehren gegen die unqualifizierte und willkürliche Ablehnungsentscheidung zur Art Cologne 2013 hat das Landgericht in Köln unseren Antrag abgelehnt.  Die schriftliche Begründung hierzu soll heute nachgereicht werden; dann werden wir kommentieren und ggf. nach Absprache mit den Anwälten Berufung einlegen. 

Wer im Leben noch Großes vorhat und dieses in Verbindung mit einem Datum tun will, sollte sich sputen. Heute ist der 11.12.13 - eine Zahlenkombination, geschaffen für die Ewigkeit. Die Daylies von morgen kommen aus Düsseldorf. Bis dahin wie immer beste Grüße.

Michael