Michael Schultz Daily News Nr.572

Miami, den 3. Dezember 2013

Liebe Freunde,

es ist angerichtet. In der Rekordzeit von nur knapp vier Stunden wurde gestern der Messestand aufgebaut. Das geht nur mit klarem Konzept und professioneller Hilfe;  beides stand  Gott sei Dank zur Verfügung. Wie so oft, wurde auch dieses Mal wieder viel zu viel Kunst mitgebracht. Um diese zeigen zu können, wurde kurzerhand die großzügig geschnittene Koje in die Ausstellungsfläche integriert. In ihr wurde ein sehenswertes Kabinett geschaffen, in dem u.a. Arbeiten von Sigmar Polke, Römer + Römer und Martin Kippenberger gezeigt werden. 

Schnappschuß aus der Kojeninstallation: mit viel Sorgfalt wurden Annette Merrilds Bondagestilleben an die Wand gebracht.

 

Insgesamt wurde ein großzügiges Ausstellungsareal geschaffen, in dem jedes einzelne Ausstellungsstück spannungsreich und respektvoll inszeniert ist. Der Mix aus Altbewährtem und aktueller Kunst erfordert bei der Hängung behutsames Vorgehen;  bei Unachtsamkeit entsteht ganz schnell Beliebigkeit. Der Tod einer jeder Ausstellung. 

Mit vereinten Kräften bei der Arbeit. Für 'Gruga Bad' von Martin Kippenberger gibt es eine festgelegte Hängevorschrift. Mit einem Verkaufspreis von 1.2 Millionen Euro das teuerste Bild auf unserem Stand.

 

Mit dem Ansiedeln der 'Art Basel Miami Beach' wurde der Küstenstreifen im Jahre 2002 schlagartig als Messeort für zeitgenössische Kunst bekannt. Die erste Veranstaltung sollte bereits ein Jahr früher stattfinden, wegen der Terrorattacken vom 9. September 2001 jedoch wurde diese aus Pietätsgründen abgesagt. Ab 2002 sind wir mehr oder weniger alljährlich mit unserer Kunst in Miami dabei. Die ersten drei Jahre auf der Baseltochter und später dann auf der 'Pulse', die sich als erster professioneller Satellit positionierte. Heute gibt es mehr als 20 Nebenmessen; sie alle zu besuchen ist kaum zu schaffen. Neben der Kunst gibt es hier eine ganze Menge aufregender Partys; nicht wenige reisen ausschließlich deshalb an. Heute Abend um 17.30 Uhr beginnt die Vernissage. Ein Stelldichein der Reichen und Schönen aus aller Welt. Bis zum kommenden Sonntag steht Miami im Fokus der Kunstwelt.

Aus Paris ist zu hören, dass dort der britische Street-Art-Künstler Banksy aktiv sein soll. Ein erstes Graffiti wurde gesichtet, und obwohl aus dem Banksy-Umfeld zu hören ist, dass dieses nicht vom Meister geschaffen wurde, verdichten sich die Annahmen, dass Banksy sehr wohl Hand angelegt hat. Im Oktober noch hat er mit seinen Aktivitäten in New York einen wahren Tourismusboom ausgelöst. Am Central Park u.a. wurden für 60 Dollar Leinwandarbeiten angeboten;  keiner wollte sie haben. Heute sind diese Bilder ein Vielfaches wert, Rund 100.000 Dollar muss man dafür auf den Tisch legen. 

Heute vor genau 21 Jahren wurde im Short-Message-Service erstmals eine Nachricht versendet. 'Merry Christmas' war der Inhalt der weltweit ersten SMS. In ihrem Siegeszug hat sie seither alle Schichten der Gesellschaft erreicht. Im Durchschnitt versendet heutzutage jeder deutsche 700 SMS Messages jährlich; Die Spitzennutzer liegen bei weit mehr als 10.000 dieser Kurznachrichten. Früher hat man die Liebesbriefe noch von Hand geschrieben - aber damals war ja sowieso alles ganz anders.

Auch wenn wir in unserer Zeit recht glücklich sind, so sehnen wir uns doch manches Mal nach dem handylosen Leben zurück.  Wonach sich unsere Kinder sehnen werden, erfahren wir später. Vielleicht an die Zeiten, in denen das iPhone nicht ständig widersprochen hat. 

In diesem Sinne, wie immer so auch heute, die besten Grüße. Aus der Hitze Floridas.

Michael