Michael Schultz Daily News Nr.571

Miami, den 2. Dezember 2013

Liebe Freunde,

augenblicklich gerät die Welt mal wieder ein wenig aus den Fugen. In der Ukraine fordert das Volk die Absetzung des Präsidenten, weil dieser die Anlehnung seines Landes an die Europäische Union verweigert. Um das öffentliche Leben zum Erliegen zu bringen, besetzen in Thailand oppositionelle Gruppen die Hüllen der Macht. Sie belagern die Gebäude der Regierung und bereiten sich zum Sturm auf den Amtssitz der Präsidentin vor. Anscheinend ist diese bereits auf der Flucht. Im Pazifik provoziert das chinesische Militär die Japaner und zwingt deren Kampfflugzeuge zum Verlassen ihrer Luftverteidigungszone. Der 'Spiegel' schreibt von einem 'Pulverfass Fernost', in dem sich 255.000 chinesische, 45.500 japanische und 40.000 amerikanische Soldaten gegenüberstehen. Es geht um die weitverstreute Senkaku/Diaoyu- Inselgruppe  die von Japanern und Chinesen gleichsam beansprucht wird. Ausgerechnet den Amerikanern, dem chinesischen Rivalen um die Weltherrschaft, fällt nun die Rolle des Vermittlers zu. Wenn es ihnen nicht gelingt ihren eigenen Partner Japan zu beruhigen und die Machthaber Chinas zu mäßigen, kann es zum Krieg kommen.  Auch wenn das alles ganz weit weg ist, so beunruhigt es doch.

Aber auch bei uns, ganz in der Nähe, geschehen Dinge, die selbst bei widerlichster Fantasie nicht vorstellbar sind. In einem kleinen Dorf im Erzgebirge wurde am vergangenen Freitag ein Kriminalhauptkommissar unter Mordverdacht festgenommen. Ihm wird vorgeworfen 'zur Befriedigung des Geschlechtstriebs' einen anderen Mann getötet und zerstückelt zu haben. Der Verhaftete hat in einem Teilgeständnis die Tötung bereits zugegeben, weitergehende Beschuldigungen wie sexuelle oder kannibalische Motive bestreitet er. Opfer und Täter haben sich über eine Internetplattform kennengelernt; beide vereint die Fantasie vom töten und aufgegessen werden. Vier bis fünf Stunden soll der Vorgang der Tötung und des Zerstückelns gedauert haben.  Ob Mord, Kannibalismus oder töten auf Verlangen; erst wenn das Motiv geklärt ist, wird die Staatsanwaltschaft die Klage erheben. So schrecklich das auch ist, in dieser Story findet der Blätterwald genügend Futter zum Überwintern.

Im Deutschen Bundestag gibt es keine festgeschriebene Kleiderordnung. Jeder kann tragen was er will; außer er gehört dem Präsidium an oder wird zum Schriftführer ernannt. Von diesen verlangt der Ältestenrat, dass die Würde des Hauses mit angemessener Kleidung vertreten werden muss, und dazu gehört nun mal das Tragen einer Krawatte. Dagegen wehren sich nun die beiden Bundestagsneulinge der Linken, Alexander Neu und Hubertus Zdebel. Sie werden sich auf gar keinen Fall dieser Vorschrift beugen und wollen künftig den Plenarsaal ausschließlich mit Rollkragenpullover oder Schillerkragen unterm Jackett betreten. Wem es steht - warum nicht.

In Sachen Mode und Aussehen hat er noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Jetzt ging Karl Lagerfeld unter die Zeitungsmacher und hat die gestern erschienene Ausgabe der 'Welt am Sonntag' mit Zeichnungen zu aktuellen Themen bebildert. Nicht sein erster Versuch; zuvor hatte er bereits die 'Liberation' und eine französische Obdachlosenzeitung gestaltet. 'Beide waren im Nu vergriffen' schreibt der Meister im Editorial. Auch wenn bekannte Sehgewohnheiten über den Haufen geworfen wurden;  was er macht, kann sich sehen lassen. Den Zeitungsmachern kann man nur gratulieren. Mit seiner farbigen Bebilderung ist es Lagerfeld gelungen, Neugierde auf schwierige Themen zu lenken. Deutlich eindrucksvoller als Neo Rauch, der sich vor kurzem in der 'Welt'  austoben durfte.

Unterwegs auf Reisen lernt man mitunter die interessantesten Menschen kennen. Schon einige davon sind mir  begegnet; an den Niagara Falls traf ich vor vielen Jahren den Dalai Lama. Er lud mich auf seinen Teppich ein und erlaubte mir einen kurzen Augenblick des Seeligseins. Unvergessen. jetzt, auf der Reise nach Miami saß ich auf dem Flug von Berlin nach Frankfurt neben dem Startenor Placido Domingo. Auch er eine angenehme Zeiterscheinung, der Frieden mit sich und der Welt geschlossen hat. Besonders eindrucksvoll war unsere Unterhaltung; diese wollte er partout in deutscher Sprache führen, obwohl ihm das merklich schwer viel. Eine besondere Art des Respektes vor dem Gegenüber. Man nimmt viel mit.

Weniger respektvoll geht es bei den amerikanischen Grenzkontrollen zu. Bekanntermaßen kann das mitunter zum Desaster führen. Und wenn es mal anders abläuft, vermutet man hinter jeder Freundlichkeit eine Falle.  Schade.

Heute wird die Messe aufgebaut. In großer Besetzung: Bernd Kirschner, SEO und Udo Nöger werden  dabei behilflich sein. Morgen schon gibt es die erste Vorbesichtigung. Wir sind gespannt auf alles was auf uns zukommt.  Wegen der Zeitumstellung wurde dieser Newsletter kurz nach Mitternacht geschrieben. Nicht gerade die beste Zeit für Geistesblitze.  Aber wir halten durch. Bis morgen. Beste Grüße

Michael