Michael Schultz Daily News Nr.564

Berlin, den 21. November 2013

Liebe Freunde,

in dieser Woche ist schon so viel passiert, so dass man es kaum glauben kann, dass sie noch nicht zu Ende ist.  Im Zaum gehalten wird man durch den täglichen Newsletter; dieser verhindert ein Davongaloppieren. Wir haben heute erst, oder Gott sei Dank schon, je nachdem: Donnerstag;  ein letztes Aufbäumen, und dann am Freitag nach eins: macht jeder seins.  Doch der Alltag bei den nicht 'Alltäglichen' schaut anders aus; bei denen beginnt die Woche am Sonntagabend und endet am Sonntagnachmittag. Dazwischen schläft man beim Skispringen vorm Fernseher ein. Woche für Woche.  Es gibt kein Zetern und kein Murren; die Arbeit macht Spaß und der Erfolg verwöhnt.

So gelebt hat auch der Kabarettist Dieter Hildebrandt, für den sich gestern im Alter von 86 Jahren der letzte Vorhang geschlossen hat. Bekannt wurde er durch seine 'Münchner Lach- und Schließgesellschaft'; durch die 'Notizen aus der Provinz' und die ARD-Satiresendung 'Scheibenwischer'. Ein ganz Großer des deutschen Kabaretts, der bis zum Schluss noch viele Pläne hatte. Auch wenn Hildebrandt zeit seines Lebens so gut wie niemanden mit seinen, mitunter bissigen, Kommentaren verschonte, widerspiegelt der Reigen der Nachrufe alle Schichten unserer Gesellschaft. Von Dieter Hallervorden haben wir im Kondolenzbuch folgenden Vermerk gefunden: 'Dürfte ich ein Statement zu Dieter Hildebrandts rundem Geburtstag oder zur Verleihung des Großen Verdienstkreuzes abgeben, so würde ich das mit Respekt und großer Bewunderung für einen so legendären Satiriker gerne tun. Sein Tod aber lässt mich betroffen schweigen - auch weil ich nicht in den Verdacht kommen möchte, mich zu solch traurigem Anlass profilieren zu wollen.'   Ein respektvoller Abschied.

In Warschau diskutiert und ringt man derzeit über jeden Punkt und jedes Komma einer neuen Abgasresolution. Auf den Philippinen, in den USA und jetzt auch im Süden von Italien sind die Folgen einer verheerenden  Umweltverschmutzung sichtbar. Auch wenn die direkte Ursache der Katastrophen (noch) nicht eindeutig nachweisbar ist, so besteht unter  Umweltexperten Einigkeit darüber, dass es zwischen dem Treibhausgas, der Erderwärmung und den Eruptionen der Natur kausale Zusammenhänge gibt. Einer der  globalen Hauptverursacher ist die Energiewirtschaft; die Polen jedoch ficht das nicht, die Produktion in ihren Kohlekraftwerken wird trotz weltweiter Proteste weiter ausgebaut.  Wachstum steht vor Umweltschutz, und solange dies so ist, wird sich kaum was ändern. In der japanischen Stadt Kyoto wurde einst im Jahre 1997 ein richtungsweisendes Protokoll unterzeichnet. In diesem war für einige Industrienationen festgeschrieben, dass sich im Zeitraum zwischen 1990 und 2012 der Emissionsausstoß um 5,2% verringert. Die USA, einer der Hauptproduzenten von Umweltgiften,  haben das Protokoll seinerzeit nicht unterschrieben. Ein undurchsichtiges Geflecht von Emissionshandelsmöglichkeiten und nicht eintreibbaren Strafzahlungen haben das Protokoll zur Farce gemacht. Auch das, was gerade in Warschau zum Besten gegeben wird, gibt wenig Anlass auf Hoffnung, dass sich das Denken in den Köpfen unserer Politiker verändert. Nicht alle, aber viele  hangeln sich gerne von Wahl zu Wahl - der Tellerrand ist weit entfernt. 

Heute Abend um 19 Uhr wird im legendären Münchner HeadEgg Kiosk eine Ausstellung von Stephan Kaluza eröffnet. Darin werden erstmals kleinformatige Fotos aus seiner 'Schlachtfeldserie' gezeigt. In dieser hat Kaluza den jetzigen Blick auf legendäre Orte kriegerischer/mörderischer Auseinandersetzungen festgehalten. Die Fotos stellen die Frage nach den Bilden hinter den Bildern; nach der unsichtbaren Bedeutung einer mit Blut getränkten Landschaft, deren heutige Schönheit die Schrecken der Vergangenheit vergessen lässt.  Ihm geht es nicht um die Verniedlichung dieser Orte, sondern um 'Bewusstsein von Zeit' und dem Hinterfragen von Vergessen.  (Trogerstr. 19, 81675 München, www.haedegg.com)  

Die Staatsanwaltschaft in Augsburg hat erkannt, dass die Wegnahme der Sammlung von Cornelius Gurlitt, zumindest in Teilen, nicht rechtmäßig ist. Aus diesem Grund bekommt der alte Mann rund 310 'seiner' Kunstwerke wieder zurück. Diese sind zweifelsfrei nicht mit Restitutionsansprüchen belegt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Geste das Verfahren um die noch beschlagnahmten Bilder vereinfacht.

Bei Christie's in New York wurde gestern mit einem Rekordergebnis ein Konvolut der legendären Rolex Daytona 'Lesson One' versteigert. 50 Exemplare kamen unter den Hammer und erzielten ein Gesamtergebnis von 13.248.167 US Dollar. Mit der Referenznummer 6263 wurde auch eine einst von Paul Newman getragene Uhr versteigert: der Zuschlag wurde bei 1.088.889 US Dollar erteilt. Ein weiterer Nachweis dafür, dass der Boom in Sachanlagen für Sammel- und Kunstobjekte seinen Zenit noch lange nicht erreicht hat.

Jetzt geht es gleich zum Flieger. Gemeinsam mit Julia Saul wird eine Schweinfurter Sammlung bewertet; danach zur Eröffnung nach München, und zum Schlafen im eigenen Bett spätabends zurück nach Berlin. 

Morgen erscheint die Wochenendausgabe. Bis dahin beste Grüße.

Michael