Michael Schultz Daily News Nr.556

Istanbul, den 11. November 2013

Liebe Freunde,

Ende gut - alles gut. Auch wenn das augenblickliche Messeergebnis noch nicht ganz zufriedenstellend ist, kann die Reise an den Bosporus schon jetzt als großer Erfolg verzeichnet werden. Vielversprechende Reservierungen lassen hoffen, dass wir im Messenachgeschäft noch die eine oder andere Platzierung vornehmen können. Augenblicklich sieht es so aus, dass wir von Andy Denzler vier Leinwände und von Bong Chae - Son eine LED - Arbeit abgeben konnten. Deutliches Interesse gab es zu der Kunst von Rebecca Raue und Jean - Yves Klein; aber auch der Minimalist Udo Nöger fand in der Türkei eine neue Fangemeinde. Jetzt beginnt die Nacharbeit. Besonders erfreulich ist die inhaltliche Bewertung unserer Arbeit: unter den, von dem in Istanbul lebenden Starkritiker Marcus Graf, ausgewählten Top - 10 Künstlern wurden mit Andy Denzler und Udo Nöger gleich zwei in die begehrte Liste aufgenommen. Das ehrt die Künstler; wir freuen uns mit ihnen und sind stolz auf die Auszeichnung.

Ein anderes Großereignis ist die von Frieda Vogel in der BAP Galerie kuratierte Soloshow von SEO.  Die dort gezeigten Großformate  vermitteln einen eindrucksvollen Überblick über die gesamte Bandbreite ihres Schaffens. Gebirgslandschaften in ihrer klassischen Collagetechnik; aber auch deren Weiterentwicklung in einem speziellen Acryl-Silicon-Wassergemisch. Mit neuen Motiven und in ungewöhnlicher Perspektive wagt SEO sich zu neuen Ufern. Ihre türkische Premiere wurde zum großen Erfolg: bis auf eine Ausnahme konnten alle ausgestellten Werke in gute Hände gegeben werden. Sensationell. Zur Vernissage sind aus Deutschland  Freunde und Sammler angereist; der koreanische Generalkonsul war anwesend;  der Bürgermeister vom Ausstellungsviertel Tophane  kam mit dem Präsident vom Schalke 04 und einem russischen Oligarchen. SEO ist angekommen in der Türkei; schneller als erwartet.

Während einer Bosporus - Schiffsrundfahrt erlebten die angereisten Gäste Istanbul aus einem anderen Blickwinkel.  An den Ufern der Meeresenge stehen die schönsten und eindrucksvollsten Villen orientalischer Bauart. Vom Wasser aus gibt es den besten Blick auf diesen Teil der weitgefächerten türkischen Kulturgeschichte.

Vom anderen Teil der Erde kommen die Hiobsbotschaften. Der Taifun 'Haiyan' wütete mit bis zu 386 Stundenkilometern durch den philippinischen Inselstaat und riss nach ersten Schätzungen mehr als 10.000 Menschen mit in den Tod. Niemals zuvor wurde eine solche Windgeschwindigkeit gemessen. Das komplette Kommunikationsnetz wurde zerstört; Flughäfen, Bahnlinien und Schiffswege sind nicht mehr passierbar. Ganze Küstendörfer wurden von den Flutwellen weggeschwemmt. Auf der Suche nach Nahrung und Kleidern wird geplündert wo was zu holen ist. Auch Tage danach ist das wirkliche Ausmaß der Zerstörung nicht erfassbar. Die Bundesregierung hat in einer ersten Maßnahme 500.000 Euro Soforthilfe zugesichert. Angesichts des in viele Milliarden geschätzten Schadens, ein Tropfen auf den heißen Stein. Von der führenden europäischen Industrienation muss man mehr erwarten dürfen. 

Rein sportlich war das Wochenende weniger erfreulich. Borussia Dortmund verlor gegen Wolfsburg mit 2:1 und lässt mit dieser Niederlage die Bayern ein wenig davonziehen. Mit nunmehr 4 Punkten Vorsprung dürfen die Münchner ihr nächstes Match in Dortmund ruhig verlieren - die Tabellenspitze behalten sie trotzdem. Von Uli Hoeneß ist zu hören,  dass er an seinem Bayernsessel klebt und diesen auf keinen Fall abgeben will. Eine unnötige Äußerung die weiteres Öl ins Feuer gießt. Retten kann ihn eigentlich nur noch eine Niederlagenserie seiner Fußballer. Eine solche würde Fußballdeutschland versöhnen und mit ihr die Steuersünde von Hoeneß  verzeihen. 

Die Basketballer von Alba Berlin haben den Bayern gezeigt was eine Harke ist. Ein 94:74 Sieg verpasste den Münchnern die erste Saisonniederlage. Diese sportliche Demütigung ist auch ein Sieg gegen die Macht des Geldes: gleich mehrere Spieler hatten die finanzstarken Bayern aus dem Kader der Berliner abgeworben. Ein Baustein der Sportphilosophie von Uli Hoeneß, der dieses Mal nicht aufgegangen ist. Wenn am Samstag den Dortmundern im Fußballmatch das Gleiche gelingt, sind einige von uns viel entspannter.

Meine für heute geplante Rückreise ist noch nicht ganz sicher. Alles hängt an einem Termin. Flexibilität ist das Zauberwort in unserem Gewerbe. Wünsche einen schönen Tag und sende beste Grüße.

Michael