Michael Schultz Daily News Nr.550

Köln, den 1. November 2013

Liebe Freunde,

ohne die Informationen aus den klassischen Medien wäre dieser Newsletter kaum möglich. Wichtigster Ideenlieferant ist das Frühstücksfernsehen des öffentlich rechtlichen Fernsehens; nicht selten ist es eine unwichtige Nebenbemerkung, die dann bei uns zur großen Story wird. Auch gestern wurde eine Nachricht aufgeschnappt, in unserem Tagesbrief aber leider nicht richtig wiedergegeben. Es waren die 85 Milliarden Dollar, die die amerikanische Notenbank in die marode Wirtschaft pumpt. Wir hatten geschrieben, dass dies täglich geschieht. Das war falsch: monatlich wird diese gigantische Summe in die darbende US-Konjunktur gepumpt. In der Hitze des Gefechts kann so was schon mal passieren - uns tut es leid.

Die Presseberichte über die Kölner ART FAIR überschlagen sich. Im Kern der Berichterstattung wird das ungewöhnliche Format beschrieben. Größenteils positiv; aber auch mit kritischem Blick auf die Zukunft. Marianne Hofmann, die ehemalige 'Welt' Korrespondentin, geht in der 'Kunst Düsseldorf' mit dem Messeformat hart ins Gericht. Sie vermisst die einstige Aufbruchstimmung mit der die  ART FAIR vor 11 Jahren an den Start ging. Im Alter verändern sich nicht nur die Ansprüche, auch die Kleider. Wenn diese nicht sichtbar sind, ist was falsch gelaufen. So gesehen wurde bisher alles richtig gemacht. Hier der gesamte Artikel: http://www.kunstduesseldorf.de/art-fair-koln-2013-unsere-kritik-zur-kunstmesse/

Auch der WDR beschäftigt sich in Form von Bildern mit der inhaltlichen Ausrichtung, vermittelt dabei aber einen guten Eindruck. http://www.koeln.de/koeln/artfair-2013_774432.html

Die eindrucksvollste Messekoje wurde in diesem Jahr von Ewald Schrade abgeliefert. Großformate von Walter Stöhrer stehen im spannungsreichen Umfeld mit Werken des Objektkünstlers HA Schult. Dazu werden jüngere Positionen wie z.B. die Malerei von Christopher Lehmpfuhl gezeigt. Der Messestand als museales Kleinod. Kompliment.

Die 'Bildzeitung' berichtete in großer Aufmachung; der 'Kölner Stadtanzeiger'; der 'Express'; der 'Bonner Generalanzeiger'; die 'Kölnische Rundschau'. In fast allen Medien wird die eindrucksvolle Piano-Installation von Julia Bornefeld beschrieben. Mit Verlaub: unser Stand steht im Zentrum der Berichterstattung. Darüber freuen wir uns. Doch nicht nur das Geschehen auf der Messe wird publiziert; im 'Stadtanzeiger' wurde in Wort und Bild auf die Kölner Ausstellung von Cornelia Schleime hingewiesen. (Galerie Martina Kaiser/Cologne Contemporary Art; Bismarckstrasse 30, 50672 Köln). In der Novemberausgabe des einst von Andy Warhol mitgegründeten 'Interview' Magazins ist der Heftaufmacher mit einer Arbeit aus SEOs Serie 'In Dog We Trust' bebildert. Das Bild ist ein Geschenk an die Münchner Pinakothek und soll am 23. November anlässlich des diesjährigen PIN-Festes Geld in die Kassen des klammen Museums spülen. Unter den prominenten Stiftern befinden sich u.a. Peter Doig, Andreas Gursky und Georg Baselitz. Zu lesen im Newsticker unserer Webseite: http://www.schultzberlin.com/de/newsticker/interview-magazin-opener-für-novemberausgabe-ist-seos-rudi

 

Messearbeit macht müde. Besonders anstrengend wird es, wenn innerhalb eines Monats drei Messe-Events bespielt werden. Für manche Künstler ist's Jammern auf hohem Niveau; wir wissen was wir tun. Der Schnappschuß liefert den Beweis.

 

Außerhalb der Kunstberichterstattung ist der Moskauer Besuch des Grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele im Moskauer Asyl des Whistleblowers Edward Snowden die Meldung des Tages. Der Grüne Politiker scheute weder Mühe noch Aufwand, um persönlich mit Snowden über die NSA-Spionagetätigkeit zu sprechen. Ein verwertbares Ergebnis der Unterhaltung liegt ebenso wenig vor wie der Inhalt eines an die Bundesregierung gerichteten Schreibens von Edward Snowden. Ströbele  schweigt und verhält sich damit auch nicht viel besser als die von ihm so oft gescholtenen Geheimdienstler. 

Die Affäre um den Limburger Bischoff Tebartz-van Elst wird zum echten Problem der Kirche. Im Kölner Bistum haben im vergangenen Monat 5.800 Katholiken ihren Austritt erklärt. Das sind 100 % mehr als im Oktober vergangenen Jahres. Doch die Kirche schlägt zurück und veröffentlicht nun die Nachteile eines Austrittes: keine kirchliche Trauung mehr; keine Möglichkeit als Taufpate; keine kirchliche Beisetzung. Wie im Mittelalter drohen die Gottesmänner mit der Verdammnis. Ob das gut geht?

Im Fußball warten wir sehnsüchtig auf die erste Bayern-Niederlage. In Hoffenheim kanns passieren. Hoffentlich.

Wünsche ein schönes Wochenende und sende die besten Grüße.

Michael