Michael Schultz Daily News Nr.549

Köln, den 31. Oktober 2013

Liebe Freunde,

mit einem Besucherandrang sondergleichen eröffnete gestern die Kölner ART FAIR 2013 ihre Pforten. Schon lange ist die Kunstmesse in der Region angekommen; wegen ihres eigenwilligen Formates wird sie mittlerweile von den ansässigen Sammlern hoch geschätzt. Das konnte man zur Eröffnung gestern deutlich spüren. Zum alljährlichen Herbsttreff zwischen Sammlern, Künstlern und Galeristen hat sich der einstige 'art cologne' Satellit freigeschwommen und ist heute die publikumsstärkste deutsche Herbstkunstmesse. Chapeau. 

Unter den Besuchern war auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Gut gelaunt und spürbar mit sich im Reinen begutachtete der Kunstkenner das Angebot der Aussteller. Kaum ein deutscher Politiker zeigt offen seine Affinität zur Bildenden Kunst; allenfalls Gerhard Schröder, der in seinen Kanzlerjahren viel für das Ansehen der Künstler getan hat. Guido Westerwelle ist ein neugieriger Mensch, und dies treibt ihn zu den Künstlern, auf Kunstmessen, in die Galerien und Museen. Er mag die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdrucksformen; tiefgründige Gespräche über die Produktion der Kreativen legen diese Vermutung nahe. Bald geht seine Amtszeit zu Ende; der Kunstwelt geht damit der politische Frontmann verloren. Schade.

Viel Kunst gab es gestern auch in der 'Welt'. Wie berichtet wurde die gesamte Ausgabe vom Leipziger Malerstar Neo Rauch bebildert. Für Devotionaliensammler ein wichtiges Relikt; aber nach genauerem Studium künstlerisch eher wertlos. Rauch ist ein zeichnender Maler und kein malender Zeichner. Den Beweis hat er gestern abgeliefert. Die 'Welt', die in der Vergangenheit bei der Auswahl ihrer Blattkünstler immer ein glückliches Händchen hatte, hat mit den Rauch-Illustrationen deutlich daneben gegriffen. Besser wäre es gewesen, wenn sich die Blattmacher ausschließlich auf die Abbildung seiner Malerei beschränkt hätten. Darin, und nur darin liegt seine Stärke. Rauchs Experiment, Zeitung zu gestalten bringt ihm nun Schelte und Hohn. Schlecht beraten war er; nur in seiner Königsdisziplin hätte er den riskanten Ritt überstanden. Wenn man einen Skispringer durch die Slalomstangen scheucht, kommt in der Regel auch nichts Vernünftiges dabei raus. Sein 'Welt-Auftritt' ist ein Zeichen künstlerischer Unreife. 

Dem russischen Präsidenten Vladimir Putin hingegen sagt man nach, dass es ihm an sittlicher Reife mangelt. Das amerikanische 'Forbes' Magazin jedoch sieht das völlig anders. Dort wird Putin nun in der Hitliste der Mächtigsten auf Platz 1 gelistet; vor Barack Obama. Ein deutlicher Fehlgriff, aber wie sagt man doch so schön: ist es erst mal gedruckt, dann gilt es auch. 

In Amerika wird ohnehin viel gedruckt. Zurzeit pumpt die dortige Notenbank täglich 85 Milliarden Dollar in die marode Wirtschaft. Geliehenes Geld, welches sich die Banker bei konjunktureller Erholung vom Staat zurückholen wollen. Dafür werden dann die Druckmaschinen erneut angeworfen. Summen, die unsere Dimensionen übersteigen. 

Heute ist der Tag der Kürbisse. Zum Halloweenfest werden aus ihnen die makabersten Gebilde geschnitzt. Popsternchen Miley Cyrus zum Beispiel hat ihre mit Pornoschnitzereien verziert; sie feiert heute 'Happy Fucking Halloween' und hängt die anrüchigen Kunstwerke an ihre Eingangstür. Auch in Köln geht es heute Abend zur Sache. Wenn's was zu feiern gibt, sind die Rheinländer mit Freude dabei. Halloween hat einen keltischen Ursprung und war einst das Totenfest der Ungläubigen. Neben der Walpurgisnacht ist dies das zweite große heidnische fest; seine Spuren reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück.

Nach vorne sieht man bei Borussia Dortmund. Dort wurde der Vertrag mit Trainer Jürgen Klopp bis 2018 verlängert. Es  bleibt zusammen, was zusammengehört, und das ist auch gut so. 

Morgen ist Allerheiligen, ein katholischer Feiertag, der nicht überall im Land von der Arbeit entbindet. Zwar befindet sich der redaktionelle Dienstsitz derzeit im katholischen Rheinland, doch ungeachtet dessen wird auch morgen ein Newsletter erscheinen. Den ungläubigen ist keine Arbeit zu schade.

In diesem Sinne verbleibe ich bis morgen.

Gruß, Michael