Michael Schultz Daily News Nr.548

Köln, den 30. Oktober 2013

Liebe Freunde,

Die Arbeit ist getan und unser Messestand auf der Kölner ART FAIR steht, und kann sich sehen lassen. Überhaupt macht es Spaß in Köln zu sein; mit dem Blick auf dem Dom schreibt sichs leichter, aber auch das Messemanagement gibt Anlass zum Wohlfühlen. Nirgendwo auf der Welt werden die Wünsche der Aussteller professioneller und schneller erledigt. Vielerorts müssen wir mitunter stundenlang warten, bis eine Steckdose verlegt wird; in Köln eine Affäre von wenigen Minuten. Die erste Gruppe potenzieller Sammler war bereits während der Aufbauphase unterwegs; eine willkommene Abwechslung. Heute beginnt die offizielle Eröffnung. Gespannt wie immer erwarten wir die Gäste.

Die NSA-Abhöraffäre und die Koalitionsverhandlungen sind die beherrschenden Themen unserer Zeit. Am Thema flächendeckender Mindestlohn wird eine neue Regierung nicht drum herum kommen, auch wenn es unter den CDU-Fans eine breite Ablehnung gegen dieses Vorhaben gibt. Wenig Geld zu verdienen sei eine Frage der Bildung; andererseits bewundert man 'die Leute die von nichts leben können.'  Sprüche von der CDU-Basis, die uns nicht weiterbringen. Wenn die Einkommenslücke geschlossen wird, schaffen wir Möglichkeiten zu besserer Bildung, und so schließt sich auch der intellektuelle Kreis für so manchen CDUler. Hoffentlich.

Viel schwieriger ist der NSA-Konflikt mit unseren amerikanischen Freunden. Die behaupten jetzt, dass nicht sie, sondern die jeweiligen nationalen Dienste die Daten gesammelt und der NSA zur Verfügung gestellt haben. Was die Bespitzelung unserer Bundeskanzlerin und weiterer 34 Staatsoberhäupter betrifft, das sieht man in den USA weniger aufgeregt; schließlich könne man den amerikanischen Präsidenten nicht mit anderen Staatschefs vergleichen. Er steht über allem und alles steht ihm zu. Diese Worte kommen aus dem amerikanischen Kongress und belegen, dass es auch in Amerika große Bildungsdefizite gibt. 

'Big Data' ist der neue Sammelbegriff für multinationale Bespitzelung. In ihm werden persönliche Verhaltensmuster, Verkehrsströme, Verbrauchervorhersagen und alle Lebensbereiche erfasst, ausgewertet und kontrolliert. Es dauert nicht mehr lange, dann werden Straftaten geahndet, bevor sie begangen wurden. Die Menschen kommen ins Gefängnis und verbüßen ihre Gedanken, die über sogenannte soziale Netzwerke eingesammelt wurden. Kaufentscheidungen trifft der Computer, und die Verkehrsströme werden so geleitet, dass sie einerseits weniger Staus verursachen und andererseits nationale Interessen bei der Wegenutzung berücksichtigt werden. Der Computer lenkt die Autofahrer auf die einträglichsten Trassen; dafür sorgen dann die Programmierer der Mauterhebungsgesellschaften. Das sind einige wenige Beispiele, die zeigen wie unsere Realität bald aussieht.  Sie belegen aber auch, dass Intelligenz alleine kein Schlüssel für ein zufriedenes Leben ist.

Über den Intelligenzquotienten von Karl Lagerfeld wird seit Langem gerätselt. Jetzt hat er sich eine Strafanzeige eingehandelt. Wegen abfälliger Äußerungen über dicke Frauen wurde er von einem französischen Frauenklub angezeigt. 'Schön, rund und sexy' nennt sich die Vereinigung, und ihre Vorsitzende klagt an: 'Die Beleidigung von bekannten Persönlichkeiten muss endlich aufhören.'  Lagerfeld, der Mann mit dem steifen Hals, hat sich in der Vergangenheit immer wieder abschätzig über dicke Frauen ausgelassen. Jüngst sagte er in einem Radio-Interview: 'Das Loch in den Sozialkassen kommt auch von Krankheiten, die sich zu dicke Leute eingefangen haben'. Ein Schlauer war er noch nie, aber solche Sprüche zeigen, wes Geistes Kind er wirklich ist.

Lagerfeld, aber auch viele amerikanische Kongressabgeordnete, sind die besten Beweise dafür, dass man auch mit wenig Grips ein bedeutendes Leben führen kann. Einzig der Lohn muss stimmen.

In diesem Sinne Grüße ich aus dem sonnigen Köln. Die Karnevalsaison beginnt bald. Spätestens dann regt sich im Rheinland sowieso keiner mehr auf.

Die 'Welt' bebildert ihre heutige Ausgabe mit Bildern und Zeichnungen von Neo Rauch. Nach Georg Baselitz, Ellsworth Kelly und Gerhard Richter ist er der Vierte im Bunde der Zeitungsillustratoren. Für Sammler ein sehenswertes Stück.

Gruß, Michael