Michael Schultz Daily News Nr.541

Berlin, den 20. Oktober 2013
 
Liebe Freunde,
 
ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter uns. Nicht nur aus unserer Sicht. Die größte Überraschung war der 85%-ige Zuspruch der SPD-Oberen für Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Von den Hauptforderungen des Wahlkampfs ist im Kern nur noch der flächendeckende Einheitslohn übriggeblieben. Jetzt wird man noch der Maut Forderung Horst Seehofers zustimmen und dann -Friede, Freude, Eierkuchen - tagtäglich das Abbild in der Presse suchen. Die große Koalition ist das Unnötigste, was wir brauchen; die parlamentarische Demokratie fordert ist eine starke Opposition, die die Regierung kontrolliert. Aber, wie dem auch sei, Angela Merkel und ihre CDU werden die Sozialdemokraten auffressen, bis nichts mehr von ihnen übrigbleibt. Im Prinzip wissen sie das schon; nur wahrhaben will das niemand. Gregor Gysi wird der Oppositionsführer im neuen Bundestag - schlimmer geht's nimmer. Neuwahlen, in denen die CDU mit 55% ausgestattet wird, das wäre jetzt die ehrlichste Lösung. Schmerzlich vermisst wird auch die FDP, mit ihr waren die Verhältnisse schon lange geklärt.
 
Morgen trifft sich der neue Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung. Die Truppe der Volksvertreter wird immer bunter: für die CDU kommt erstmals eine Muslimin ins Parlament. Insgesamt sitzen 34 Abgeordnete aus Einwandererfamilien im Konvent. Unter ihnen auch ein Wrestler, der seinen Beruf professionell ausübt. Bei den Berufsgruppen dominieren die Juristen - es gibt halt zu viel Mittelmaß unter ihnen, und die treibt es in die Politik. 
 
Deutlich mehr Klarheit kann aus der neuen Bildserie von Maik Wolf abgelesen werden. Gestern wurde im Mannheimer Kunstverein eröffnet; bedeutende Sammler waren zugegen, aber auch erstaunlich viele Malerkollegen. Und das ist immer ein gutes Zeichen für Anerkennung und Wertschätzung. Im Kerber Verlag ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der zum Subskriptionspreis von 25 Euro (plus Porto) unter www.galerie-schultz.de  bestellt werden kann.
 
Höhepunkt des Wochenendes war die nachträgliche Geburtstagsparty von Burkhard Held. Gefeiert wurde in unserer Galerie. Die Gäste waren zum Teil von weit angereist; von Portugal, aus Oberhausen, Stuttgart, Istanbul aber auch aus Kleinmachnow und Peking. Gute Musik lieferte die Combo seines Sohnes; das Buffet wurde aus dem San Giorgio geliefert. Ein toller Abend in angenehmer Atmosphäre. Den vielen Bestellern der Vorzugsgrafik sei hier ausdrücklich gedankt.
 
Am Mittwoch dieser Woche wird im Frankfurter Städel Museum eine umfassende Show mit Werken von Albrecht Dürer eröffnet. Für ihn, den großen Renaissancemaler, war die Kunst immer auch eine Frage der akkuraten Vermessung des Körpers. Hierzu verfasste er mehrere Bücher. Trotz seiner liebe zur Proportionslehre besitzen seine Bilder eine außergewöhnliche Magie; 'in jedem seiner Bilder schwingt eine leise Emotionalität mit', schreibt der Spiegel hierzu und stellt fest 'deshalb ist jedes seiner Gemälde ein Meisterwerk.' Unbedingt ansehen.
 
Die Diskussionen über den Sportteil in diesem Newsletter reißen nicht ab. Es geht immer nur um Fußball, und das hat ja mit Kunst nichts zu tun. Meint man. Dass hierzu auch eine andere Betrachtung zu Grunde gelegt werden kann, darüber hat Günter Netzer jüngst in der FAZ sinniert. Unser Thema für morgen.
 
Bis dahin wünsche ich einen sonnenreichen Montag und sende die besten Grüße.

Michael