Michael Schultz Daily News Nr.538

Berlin, den 16. Oktober 2013

Liebe Freunde,

mit Ryanair also ist er nun gen Rom gereist. Damit will der Limburger Bischof Tebartz-van Elst ein Zeichen für Sparsamkeit und Reue setzen; doch abnehmen wird ihm das niemand. Es ist zu spät, und unabhängig wie der Chef im Vatikan über seine weitere Verwendung entscheidet, in seiner deutschen Heimat ist der kunstsinnige Bezirksheilige verbraucht. Sogar die (protestantische) Kanzlerin distanzierte sich über ihren Regierungssprecher von seiner Heiligkeit. Immer mehr Details über seine angebliche Verschleierungstaktik zu den wahren Baukosten der neuen Residenz kommen ans Tageslicht. Mit ihnen werden die Fotos der Sünde gleich mitgeliefert. Je mehr allerdings von dem Bauwerk und seiner Umgebung zu sehen ist, desto eindrucksvoller und überzeugender wird das architektonische Wunderwerk. Verschwendungssucht ist das Zauberwort, mit dem der Geistliche aus seinem Amt getrieben werden soll. Und so wie es aussieht, wackelt sein Stuhl.

Tebartz-van Elst bedient sich der überbordenden Kirchenkassen, und dafür gebührt ihm eigentlich Anerkennung. Solange die Kirchenkassen derart gefüllt sind, dass die Versuchung einer Verschleierung stärker ist als die Angst vor Entdeckung, solange müssen die überflüssigen Mittel unters Volk. Den Limburger Handwerkern hat der kirchliche Segen so manchen Arbeitsplatz gesichert. Und das war schon immer so; in der Bistumsbauverwaltung sind 180 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt. Mit einem Franziskaner als Papst jedoch kommt jetzt  die Mär auf, dass die Kirche den Bedürftigen und Mittellosen unter die Arme greift, und dafür Geld und Personal zur Verfügung stellt. Mit dieser Lüge wird den Gläubigen seit Jahrhunderten das Geld aus der Tasche gezogen. Kirchliche Samariterdienste sind professionell ausgeklügelte Werbekampagnen und dienen alleine der Kapitaleinsammlung.

Prunk und Protz gehören zur Symbolik der Katholischen Kirche. Der Limburger Bischof hat nichts anderes getan, um dieser generationsübergreifend gerecht zu werden. Jetzt soll er aus dem Amt getrieben werden. Ein bigottes Lehrstück aus dem Innenleben einer in sich geschlossenen Gemeinschaft. Solange die Kirche ihre Vermögensverhältnisse nicht öffentlich machen muss, solange braucht der Kirchenstaat Figuren wie ihn. Er bringt das Geld wieder unters Volk und mit seiner Prunksucht wird er dem Selbstzweck der Kirche gerechter als kaum ein anderer. Auch die angebliche Lüge wegen eines First Class Fluges nach Indien sei ihm vergeben. Als Gleicher unter Gleichen steht auch ihm die Beichte als Instrument der Läuterung zur Verfügung. Man sollte die Kirche im Dorf lassen und den Bischof auf seinem Sitz. 

Dass es auch anderswo in unserem Lande soziale Ungerechtigkeit gibt, zeigt der Fall einer stillenden Mutter. Diese zog vor Gericht und klagte als Hartz IV-Empfängerin für einen Ernährungszuschuss. Rund 600 Kalorien verbraucht eine stillende Mutter mehr, und dafür beanspruchte sie einen Ausgleich. Während der Schwangerschaft bekommen die Bedürftigen einen Zuschlag für umgerechnet 250 Kalorien; zum Stillen allerdings gibt es nichts. Das Gericht entschied abschlägig und begründete dies damit, dass der Gesetzgeber einen Mehrbedarf für stillende Mütter nicht vorgesehen hat. Erhöhten Kosten, die durch das Stillen verursacht werden, stünden Ersparnisse beim Kauf von Milchprodukten gegenüber. Eine schwer zu verstehende Logik.

Doch dass sich daran bald was ändern wird, ist kaum zu erwarten. Die Koalitionsgespräche zwischen den Grünen und der CDU sind gescheitert. Zu groß noch sind die Unterschiede. Jetzt freuen sich die Sozialdemokraten auf den Posten des Vizekanzlers; besetzt werden wird er vermutlich von Sigmar Gabriel. Doch, um dort ankommen zu können, werden die SPDler noch einiges aus ihrem Sozialwahlwerbeprogramm streichen müssen. Sicherlich steht dann auch die Versorgung von stillenden Müttern der Karrieresucht des Mittelmaßes nicht im Wege. Solche Themen werden schnell ausgeblendet. Da gibt es zwischen dem Seelenamt und der Politik kaum Unterschiede.

Aber, was jammern wir: der deutsche Fußball reist im kommenden Jahr mit erhobener Brust nach Brasilien. Zum Abschluss gab es gestern einen 5:3 Erfolg gegen die Schweden. Auch die Schweiz wird dabei sein - schade, dass es die Österreicher nicht geschafft haben. Die Fans erwarten den Titel, und unter der Last dieser Bürde verhandelt der Bundestrainer mit dem Verband um eine satte Gehaltserhöhung. Für den Fall des Scheiterns wird die Gefahrenzulage für mögliche Arbeitslosigkeit gleich miteingerechnet. Warum auch nicht - auch dem Deutschen Fußballbund sagt man ein enormes Vermögen nach, und das muss ja auch unters Volk. Nicht dass da jetzt falsche Vermutungen aufkommen. Es gibt keinen Neid auf institutionelle Vermögen. Sie müssen verteilt werden - egal wie.

Heute Abend um 19 Uhr eröffnen wir 'Behind the Horizont', eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Burkhard Held. Der kunstbegeisterte Außenminister Westerwelle wagte bereits gestern einen ersten Blick. Die Ausstellung erstreckt sich über beide Galerien. Gezeigt werden ausgewählte Werke der letzten beiden Jahre. Sehenswert.

In diesem Sinne verabschiede ich mich für heute. Morgen geht weiter und bis dahin sende ich die besten Grüße,

Michael