Michael Schultz Daily News Nr.537

Berlin, den 15. Oktober 2013

Liebe Freunde,

gestern Nachmittag saß ein älterer Herr am südlichen Ende des New Yorker Central Parks. Dort wo sich die Pferdekutschen Driver um die Touristen balgen; wo Blumenhändler frisch Geschnittenes feilbieten und wo man sich gegen kleines Geld von einem der vielen Künstler porträtieren kann. Auch der ältere Herr betrieb einen mobilen Straßenstand; bei ihm wurden für 60 Dollar Graffitis angeboten. Das Geschäft war nicht berauschend und so wurde am Abend das Meiste wieder in die blauen Plastiksäcke verpackt und abtransportiert. Sechzig Dollar sind viel Geld für eine dürftig besprühte Leinwand; wenn dieser aber vom englischen Sprayer Banksy ist dann geht es schnell in die Tausende. Die Kenner unter den Vorbeihuschenden erkannten sofort seine Handschrift, doch dass es sich dabei um Originale handeln könnte, wagte keiner zu glauben. Doch es war so. Wiederum hat der umtriebige und unbekannte Künstler dem Kunstmarkt ein Schnäppchen geschlagen und Originalwerke im Straßenhandel zum Schleuderpreis angeboten. Verkauft wurde nicht viel, und die Wenigen, die zugeschlagen haben, wissen sehr wahrscheinlich von der Existenz Banksys eh nichts. Ein gelungener Coup. An der Identität des alten Mannes haben die Kunstfahnder nun größtes Interesse. Vielleicht findet man über ihn eine Spur zum 'Kunstgeist' Banksy. Oder ist er es womöglich selbst. Banksy will, wie berichtet, im Oktober in New York täglich eine Hauswand mit einem Kunstwerk versehen. Es ist, jetzt auch mit dem Verkaufsstand am Central Park, das Kunstereignis schlechthin. 

Einen echten Banksy zu bekommen, dafür standen die Chancen 1:1. Man musste nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Fachkenntnisse und Mut vorausgesetzt. Um eine auf 800.000 Euro geschätzte Picasso-Gouache zu bekommen, braucht man mehr Glück. Unter www.1picasso100euros.com kann jeder mit dem Einsatz von 100 Euro das Original aus dem Jahr 1914 gewinnen. Hier stehen die Chancen stehen 1:50.000; im Vergleich zum Spiel mit den Lottozahlen sind die Gewinnchancen weitaus höher. Das Werk wurde von einem Enkel Picassos gestiftet und mit dem Erlös soll mitgeholfen werden, die antike libanesische Stadt Tyros zu erhalten. Eine beispielhafte interkulturelle Hilfsaktion.

Vor der Messe ist nach der Messe. So zumindest ist es in den Herbstmonaten. Wir bereiten uns auf die nächsten Auftritte vor; zuvor allerdings wird nachbereitet, was in Wien nicht erledigt werden konnte. Neben dem eigentlichen Geschäft wird mit Kollegen und Kuratoren über Ausstellungsmöglichkeiten der Künstler verhandelt. Für unseren Teil waren wir auch auf diesem Gebiet recht erfolgreich: fest vereinbart wurden Ausstellungen in Wien, München, New York und Vilnius. Weitere Projekte sind noch im Gespräch. Die Liste der Begehrlichkeiten beschränkt sich nicht nur auf die ausgestellten Künstler; auch über Stephan Kaluza und Maik Wolf wurden interessante Gespräche geführt. 

Schlechthin gilt der Herbst als die heißeste Jahreszeit der Kunstsaison. Bedeutende Messen


Die unermüdliche Arbeit für unsere Künstler wird geschätzt; das wissen wir. Aus dem amerikanischen Mittewesten erreicht uns zum Redaktionsschluß dises Foto. Anscheinend geht so viel Einsatz nur mit göttlicher Hilfe. So jedenfalls liest sich diese Message.

finden statt (FIAC Paris; Frieze London; Contemporary Istanbul; Art Miami); aber auch in den Galerien und institutionellen Ausstellungshäusern gelten die Ausstellungstermine in der Herbstzeit als die begehrtesten. Unter dem Motto 'besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen' werden wir zum 60igsten Geburtstag ab morgen in beiden Berliner Galerieräumen eine umfassende Ausstellung mit atelierfrischen Leinwänden von Burkhard Held zeigen. (Eröffnung: Mittwoch, 16.10.2013, 19 - 21 Uhr). Die Ausstellung kann nur für den Zeitraum von einer Woche gesehen werden; ein mit dem Künstler abgestimmtes Konzept.  

Im Mannheimer Kunstverein wird am kommenden Sonntag um 11 Uhr eine umfassende Werkschau von Maik Wolf eröffnet. Auch ein Termin zum Vormerken. Mehr zu dieser Ausstellung wird heute noch mit getrennter Mail versendet.

Das wäre es für heute - auch wenn es noch ganz viel zu sagen gäbe. Morgen wieder mehr. Bis dahin die besten Grüße.

Michael