Michael Schultz Daily News Nr.534

Wien den 10. Oktober 2013

Liebe Freunde,

den ersten Messetag haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Deutlich mehr Besucher als im vergangenen Jahr haben zum Auftakt den Weg in die Ausstellungshalle gefunden. Die 9. Ausgabe der 'Viennafair' hat ihre Tore für neue Besuchergruppen geöffnet, und bewirbt diese in ihrer Gesamtheit als 'sozialen Raum' oder auch als 'soziale Skulptur.' In der Breite wollen die beiden Kuratorinnen, Vita Zaman und Christina Steinbrecher-Pfandt, neue Besuchergruppen für die Veranstaltung begeistern. In der Werbung angesprochen werden Studenten, Schüler, Senioren und spezielle Berufsgruppen; für 'Kind und Kegel' soll die 130 Aussteller starke Kunstmesse attraktiv sein. Im Vergleich zu anderen Messen werden deutlich mehr Führungen angeboten; besonders die russischsprachigen Privatguides sind allgegenwärtig.

Für uns hat sich der Auftakt bereits gelohnt. Bereits zur Vernissage konnten wir Kunstwerke von Rebecca Raue (2), Andy Denzler, Annette Merrild und SEO in gute Sammlungen abgeben. Großes Interesse gibt es auch für die Bilder von Sabina Sakoh; bei ihr, aber auch bei Bernd Zimmer wird der Zuschlag sicherlich bald kommen. Sehr groß auch ist das Interesse an den Meisterwerken von Gerhard Richter und Martin Kippenberger. Erste ernsthafte Nachfragen geben Anlass zu berechtigter Hoffnung.

Alles in allem können wir mit dem ersten Tag zufrieden sein. Wenn die Qualität der Besucher auf diesem Niveau bleibt, haben wir berechtigte Hoffnung, dass dies unser erfolgreichster Messeauftritt in Wien werden könnte. (Wegen der vielen Verkäufe erwägen wir für heute einen Umbau des Messestandes; das wäre ein Novum in der Geschichte unserer Messetätigkeit.)

Doch, auch anderswo in der Welt geschehen aufregende Dinge. In New York z.B. will im Oktober der britische Straßenkünstler Banksy tagtäglich eine Hauswand mit seinen Graffitis versehen. Die Tourismusmanager der Stadt haben das Thema bereits aufgegriffen und werben mit den teils provokativen Wandmalereien für einen herbstlichen New York-Besuch.

Weniger amerikanisch geht es im Münchner Landratsamt zu. Dort hat man für die 'Maybe'-Kampagne des Tabakwarenkonzerns  Philip Morris ein Werbeverbot ausgesprochen. 'Diese sei besonders geeignet, Heranwachsende und Jugendliche zum Rauchen zu veranlassen', heißt es in der Begründung. Die witzig und humorvoll gemachte Werbung gehört seit 2011 zum Stadtbild aufgeschlossener Großstädte. Darin werden lt. Amt 'Jugendliche in alterstypischen Situationen' mit der Aussage 'DON'T BE MAYBE - BE MARLBORO' zum Rauchen aufgefordert. Speziell junge Menschen soll dadurch suggeriert werden, dass aus einem Zauderer (MAYBE) ein Macher (BE) wird.  Das Gebot gilt bundesweit. Die Zigarettendreher wollen sich das nicht gefallen lassen und erwägen rechtliche Schritte. 

Dass die Kirchenfürsten mitunter schalten und walten wie sie wollen ist nichts Neues. Neu hingegen ist der Widerstand der den allmächtigen ins Gesicht bläst. Die vom Vatikan geduldete Verschwendungssucht des Limburger Bischofs van Elst weitet sich zu einem handfesten Kirchenskandal aus. Am Montag wurde bekannt, dass der Neubau seiner Residenz mit 31 Millionen Euro Baukosten  nahezu das Sechsfache der ursprünglich veranschlagten 5,5 Mio. verschlungen hat. Jetzt fordern in einem Brief 7000 Mitglieder seines Bistums den Rücktritt. Sogar der Papst ist in diesem Vorgang involviert und um Entlassung seines Limburger Stadthalters gebeten worden.  Rein kirchenrechtlich geht das nicht so ohne weiteres; aber der Druck steigt.

Schlecht steht es um die Bildung der Erwachsenen in unserem Lande. 'Das Land der Dichter kann nicht richtig lesen' betitelte in diesem Zusammenhang die 'Welt' von gestern einen Beitrag zur Bildungsmisere. Laut einer umfassenden Studie der OECD liegt Deutschland in der Lesekompetenz der 16 bis 65 jährigen im unteren Mittelfeld. Erschreckende Erkenntnisse wurden offenbar: jeder sechste deutsche Erwachsene kommt in seiner Lesequalität nicht über das Niveau eines 10 jährigen hinaus. Intelligenter Weise haben die 'Welt' Macher den Artikel auf die Frontseite in  ihrer Rubrik Wirtschaft  platziert. Dort, nimmt man im Hause Springer wohl an, kann auch gelesen und verstanden werden, woran es mit unserer Bildung hapert. Schlaue Jungs.

 

Unser Ausstellungsausflug nach Kitzbühel hat publizistische Ehren bekommen. Die 'Bunte' berichtet in ihrer heute erschienenen Ausgabe über das Event. Wir freuen uns darüber und hoffen auf Zuspruch vom Boulevard.

 

Das wärs für heute. Beste Grüße aus Vienna. Servus, bis morgen.

Michael

 

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