Michael Schultz Daily News Nr.531

Berlin, den 7. Oktober 2013

Liebe Freunde,

ein regelmäßiges und pünktlich eingehendes 'Monatsgehalt' ist der Traum eines jeden Künstlers. Doch vielen bleibt dieser verwehrt. Oft sind es Stipendien, die mit ihren monatlichen Zahlungen für finanzielle Kontinuität sorgen. Bernd Kirschner, der noch bis zum Jahresende Stipendiat des Künstlerhauses Edenkoben ist, konnte seine Freude über sein 'Monatsgehalt' nicht verbergen. In einem Ateliergespräch mit Beate Reifenscheid, der Direktorin des Museum Ludwig in Koblenz, sagte er u.a., dass ihm am 'Übersommern' in Edenkoben die Tatsache eines regelmäßigen Einkommens besonders beruhigt. 'Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben jeden Monat sicheres Geld auf meinem Konto'; einerseits gebe ihm das Sicherheit und andererseits verstehe er die Zuwendung aber auch als Verpflichtung und Auftrag. Teile seiner edenkobener Produktion werden ab 25. Oktober bei Matthias Kampl in München gezeigt. Im kommenden Jahr folgen Ausstellungen in Zürich, Dresden, New York und Berlin. Unter dem Titel 'Welt und Traum' erschien am vergangenen Freitag in der 'RHEINPFALZ' eine kleine Zusammenfassung des Ateliergespräches. Im Folgenden Link kann dieses nachgelesen werden. http://www.rheinpfalz.de/cgi-bin/cms2/cms.pl?cmd=showList&cache=1&tpl=rhpList.html&path=/rhp/lokal/lan/kul

Dieser Tage wurde Seo von der koreanischen Zeitung 'Gukmin ilBo' zur Situation der Bildenden Künstler in Berlin interviewt. Gefragt wurde nach der Unterstützung durch die Politik und die Stadt; die Vorzüge für Berlin im Vergleich zu London, Paris und New York. Gefragt wurde auch nach dem Anteil der aus dem Ausland stammender Künstler und Galerien, und zum Schluss durfte sie der koreanischen Regierung eine Empfehlung darüber aussprechen welche Fördermodelle aus Berlin in Korea übernommen werden sollten. In ihrer Antwort verwies sie darauf, dass die Stadt Berlin jedes Jahr Stipendien für 20 Künstler vergibt; dass dort besonders der intellektuelle und interkulturelle Austausch zwischen den Künstlern gepflegt wird. Von den rund 6.000 in der Stadt arbeitenden Künstlern, sind ca. 10% aus dem Ausland, und von den 450 ansässigen Galerien werden rund 30% von ausländischen Betreibern geführt. Stipendiaten nach Berlin ins Künstlerhaus Bethanien zu senden, war die Empfehlung an ihre Heimat. Das komplette Interview wird nach Erscheinen im Newsletter auf unserer Webseite (in koreanischer Sprache) nachzulesen sein.

Einen guten Überblick über Stipendien und Ausschreibungen verschafft das 'Kunstforum'. In der aktuellen Ausgabe (Band 223) werden in der Rubrik Ausschreibungen-Wettbewerbe eine ganze Reihe von Stipendien mit Spezifikation und Anmeldeschluss vorgestellt.

Nach dem ersten Sondierungsgespräch zwischen CDU und SPD werden die Stimmen für eine schwarz-grüne Koalition immer lauter. Grüne Politik muss mehr in die Mitte rücken und sich im konservativen Pelz der Union festbeißen. So das Credo vieler Befürworter. Die SPD wäre als starke Opposition handlungsfähig, und andererseits würde eine solche Konstellation die längst fällige Personalerneuerung bei den Sozialdemokraten beschleunigen. Kurzzeitige Macht oder politische Weitsicht - das ist jetzt die Frage. Am Donnerstag trifft sich grün und schwarz, dann sehen wir weiter.

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio 'Bunga Bunga' Berlusconi will nun seine einjährige Haftstrafe wegen Steuerbetrugs mit gemeinnütziger Strafe ableisten. Diese kann sehr vielschichtig sein: von der Altenpflege über Prostituierten Seelsorge bis hin zur Pflege von öffentlichen Parkanlagen - alles drin. Vermutlich wird er sich für eine seelsorgerische Tätigkeit entscheiden. Im Umgang mit Prostituierten wird ihm große Erfahrung nachgesagt.

Der Berliner 'Tagesspiegel' hat die Situation der Fußballbundesliga in seinen sonntäglichen Spielberichtüberschriften treffend erklärt. Das Spiel der Dortmunder gegen Mönchengladbach (0:2) wurde mit 'überlegen unterlegen' betitelt und die Begegnung der Bayern in Leverkusen (1:1) mit 'Hauptsache Erster'. In Dortmund wird zurzeit der beste Fußball gespielt, das ist unbestritten, doch die Bayern haben erstmals die Tabellenführung erobert. Vielleicht liegt es doch am Trainer. Für Jürgen Klopp scheint der Druck zu hoch zu sein. Immer öfter verliert er die Contenance. Letzten Freitag verließ er beleidigt eine Pressekonferenz, weil die an ihn gerichteten Fragen nicht die richtigen waren.

Intelligente Fragen werden selten gestellt. Ein Grund warum die Fragesteller die Antworten gerne mitliefern. Auf so manches Interview könnte man verzichten. Vielleicht war das der Grund warum Klopp keinen Bock mehr hatte.

Bei uns geht es morgen weiter. Mit Antworten auf Fragen, die nie gestellt wurden.

Bis dahin, wie immer, die besten Wünsche.

Michael

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