Michael Schultz Daily News Nr.530

Berlin, den 5. Oktober 2013

Liebe Freunde,

alles muss seine Ordnung haben, und das ist der alleinige Grund, warum es heute eine Ausgabe des Newsletters gibt. Wegen des Feiertags konnten wir am Donnerstag nicht erscheinen; am Anspruch, uns wöchentlich fünf Mal zu melden, halten wir fest. Die einzige wirkliche Pause gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr, und das ist ja noch eine Weile hin. So wünschen wir auch heute viel Spaß beim Lesen.

In der Kunst- und Begegnungsstätte 'Mariposa' (Teneriffa) wird es ab morgen die sogenannten 'Denkwochen' geben. Dort kann 'befreit von Alltagsproblemen und Sachzwängen der Wirtschaftsmanager mit dem Friedensforscher, der Literat mit dem Physiker, der Mediziner mit dem Maler, der Bildhauer mit dem Politiker, der Filmemacher mit dem Philosophen und der Musiker mit dem Ökologen ins Gespräch kommen. Bei einem mehrtägigen Aufenthalt ändern sich dabei nicht nur Ansichten und ganz neue Einstellungen entstehen, sondern finden auch ihren Niederschlag in gemeinsam erarbeiteten Projekten. Zwischen dem 6. und 11. Oktober ist 'Nachdenken über Natur und Kultur' vorgesehen. Vom 21. bis 25. Oktober steht ein 'Nachdenken über das Ästhetische' auf dem Plan. Organisiert werden die Workshops von Helga Müller, die unermüdlich die Friedens- und Kulturkommunikation ihres verstorbenen Gatten, Hans Jürgen Müller, weiterbetreibt. www.zukunftswerkstatt-mariposa.de 

In der Kultur der 'alten' Welt ist die Ästhetik der Kunst ein dauerpräsentes Thema. Sie wird als übersinnliche Wahrnehmung definiert und unterscheidet sich in ihrer sinnlichen Erkenntnis deutlich von der sogenannten begrifflichen Erkenntnis. Ästhetik ist die Beziehung der Kunst zur Wahrheit, so könnte man den Begriff  definieren. In der 'neuen' Welt hingegen wird Ästhetik als Inbegriff auf äußerliche Schönheit reduziert. Dort wird bald möglich werden, wovon die Menschheit träumt: ein biotechnologisches Unternehmen hat sich ein Patent zur Erschaffung des perfekten Menschen gesichert. Gut aussehende, gesunde und fröhliche Kinder nach Maß wird es bald geben. Alles ist möglich und jeder Wunsch wird erfüllt. Vorerst allerdings will sich das Unternehmen auf Schönheitsprognosen beschränken. Diese werden durch DNA-Eingaben in einen 'Familienrechner' ermittelt. Darin werden die Farben der Augen und Haare vorhergesehen;  aber auch Anfälligkeiten für Krankheiten. Der Schritt zum perfekten Baby ist nicht mehr weit. Die Kinder werden dann zwar immer schöner, mit Sicherheit aber auch immer fremder. Für Platon ist das letzte Prinzip der Schönheit nicht in der wirklichen Welt zu suchen; sondern in der ideellen. Diese gilt als Triebfeder unserer Existenzen; ein möglicher Grund, warum sich die Künstler so gerne in ihr aufhalten.

Meret Oppenheim sagte einst 'Es sind die Künstler, die für die Gesellschaft träumen'. In ihrem Werk erschuf sie aus entfremdeten und verwandelten Alltagsmaterialien eine neue Sinnlichkeit. Rebellisch brachte sie zusammen, was nicht dafür vorgesehen war. Ihre künstlerischen Experimente entziehen sich jeglicher Zuordnung. Anlässlich ihres 100. Geburtstages ist in ihrer Geburtsstadt Berlin eine umfangreiche und sehenswerte Retrospektive zu sehen. (Martin-Gropius-Bau, Mittwoch bis Montag von 10-19 Uhr, noch bis zum 1. Dezember)

In der kommenden Woche präsentieren wir die Kunst unserer Künstler auf der Viennafair (10. - 13. Oktober). Mehr Informationen darüber gibt es ab Montag. Bis dahin wünsche ich ein sinnliches Wochenende und sende (wie immer) die besten Grüße.  

Michael