Michael Schultz Daily News Nr.364

Madrid, den 14. Februar 2013

Liebe Künstler,

die Messe in Madrid ist mir die liebste. Dort treffen wir alljährlich wieder und wieder lange gewachsene Freundschaften. Man wird gemeinsam alt und freut sich Jahr für Jahr über all die vielen Begegnungen. Gesprochen wird nur über die Kunst und das Leben - der Eitelkeit abträgliche äußerliche Veränderungen werden ignoriert. Es lebe die ewige Jugend.

Ja, das macht Spaß hier. Heute Abend geht's zum Fleischessen ins Asador, morgen gibt es mit den Castans Hummer satt und am Samstag trifft man sich bei Ignacio Munoz zum späten Dinner. Auch die sportlichen kamen zum Zuge: zum gestrigen Champions League Spiel zwischen Real Madrid und Manchester United (1:1) gab es Karten für Burkhard Held und Reinhard Schlegel (Sammler aus Berlin). Während des Spiels war die normalerweise 24 Stunden pulsierende Stadt wohltuend leergefegt.

Aber auch das Geschäft ließ am ersten Messetag nicht lange auf sich warten. Verkauft wurde jeweils ein Großformat von Römer + Römer und SEO. Das stimmt für den ersten Messetag wohl und lässt auf weiteres Business hoffen. Gut im Gespräch ist eine Arbeit von Maik Wolf und ein LED Kasten von Bong Chae Son.

Wir haben dieser Mail Fotos vom Messestand beigefügt. Die wirkliche Qualität des Standes kommt dabei nicht wirklich rüber. Er ist nicht leicht zu fotografieren.

So ganz nebenbei wird auch noch in der Galerie gearbeitet. Die Vorbereitungen für die Ausstellung von Sonja Alhäuser laufen auf Hochtouren; das Messegut für die bevorstehende Armory Show wird heute abgeholt und am Wochenende reist Antje Bollwahn nach Tuttlingen um dort die von ihr kuratierte Andy Warhol Show mit zu eröffnen.

Besonderen Dank will ich hier und heute an Yvonne Dammert aussprechen, die ganz spontan ihre Mithilfe hier in Madrid angeboten hat. Mit ihr macht es Spaß und sie denkt und handelt, als ob sie bereits viele Jahre bei uns ist. Nach ihrem Studienabschluss (Ende April) wird sie vollwertiges Mitglied unseres Teams. Freuen wir uns darauf.
Auch hier im katholischen Spanien wird viel über den Rücktritt des Papstes gesprochen. Dass er als Deutscher nicht bis zum bitteren Ende durchhalten will, verwundert. Unter Künstlern wird offen über eine suizidale Lösung gesprochen. Die Gegner eines Freitodes erwidern, dass auch der Papst den Schutz vor seinem eigen leben über alles stellen muss. Selbstmord würde den Markenkern der katholischen Kirche bis ins Innerste treffen und hätte das Ende der Amtskirche zur Folge. Man ist sich einig darüber, dass die stark ausgeprägte Eitelkeit der Hauptgrund seines Rücktritts sei. Ein öffentliches Dahinsiechen wie es vom Vorgänger Wojtyla zelebriert wurde, kommt für ihn nicht in Frage. Auch wenn das Sterben von Johannes Paul die aufregendste öffentliche Show war die die katholische Kirche je abgeliefert hat.

Wir freuen uns auf den Alltag und wünschen seinem Nachfolger eine glücklichere Hand im Umgang mit den wirklichen Problemen dieser Erde.

Gruß,

Michael