Michael Schultz Daily News Nr. 491

Lombok, den 12. August 2013

liebe Freunde,

am Freitag vergangener Woche wurde unter großer Pressebeteiligung in Florenz die Familiengruft der Familie Giocondo geöffnet. Per DNA-Analyse soll nun endgültig eines der letzten großen Geheimnisse der Kunstgeschichte gelüftet werden: wer ist die Dame mit dem nicht unvergleichbaren Lächeln, der Leonardo Da Vinci einst den Namen ,Mona Lisa' gegeben hat. Ein italienisches Forscherteam ist sich ziemlich sicher, dass es sich dabei um Lisa Gheradini del Giocondo handelt. Um das zu beweisen, wurde jetzt mit viel Tamtam die Totenruhe gestört. Man will es wissen. Wenn ihre Vermutungen bestätigt werden, wovon die Wissenschaftler ausgehen, dann ist zu befürchten, dass dadurch die Mystik ihres einzigartigen Lächelns ein wenig entzaubert wird. In der Literatur wird bereits seit langem darauf hingewiesen, dass es sich um die jetzt ausgegrabene Florentinerin handelt, der Da Vinci ihr Lächeln geliehen hat; also könnte man es auch dabei belassen.
Das indonesische Inselreich gehört zu den instabilsten Regionen der Erde. Immer wieder wird das Land durch Naturkatastrophen erschüttert. Der Tsunami, der am zweiten Weihnachtstag 2004 die Nordküste Sumatras verwüstete, kostete über 170.000 Menschen das Leben. Recht oft beginnt die Erde hier zu beben; in jedem guten Reiseführer gibt es Anleitungen zur Gefahrenabwehr. Grund für diese Aktivitäten ist eine geologische Kampfzone, in der sich zwei gigantische Kontinentalsockel aufeinanderzubewegen. Das Resultat dieser Erdaktivitäten sind Seebeben, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Von den hunderten Vulkanen Indonesiens sind zurzeit noch 61 aktiv. Einer dieser spuckte am vergangenen Samstag heiße Asche und Felsbrocken auf die kleine Insel Palue. Fünf Menschen, darunter zwei Kinder, verloren dabei ihr Leben. Die Kraft der Eruption war so stark, dass Asche und Steinpartikel bis zu zwei Kilometer in die Luft geschleudert wurden.
Yoko Ono gastierte mit einer Musik Performance letzten Samstag in der Hamburger Kampnagel Fabrik. Zu diesem Anlass gewährte die 80-jährige Lennon Witwe dem 'Hamburger Abendblatt' ein Interview. Zu ihrem vor Energie strotzendem Alltag befragt, antworte sie: 'Das Gute an meinem Alter ist, dass ich die Erfahrung von 80 Jahren in mir trage . all die Projekte, die ich mache, sind aufregend. Daraus ziehe ich meine Energie.' Nach wie vor engagiert sich Yoko Ono auch politisch: ,...99% der Weltbevölkerung wollen Frieden. Wir werden es schaffen', sagte sie.
Meine Bundesligavorschau vom vergangenen Freitag hat ein wenig für Aufregung gesorgt, und das war ja auch beabsichtigt. Jeder, der sich mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt, der weiß ganz genau, dass es in Sachen Fußball so gut wie keine Objektivität gibt. Nirgendwo driften Realität und Wunschdenken so weit auseinander als dort. Das weiß man in Bayern, in Berlin und anderswo. Jetzt hat es die erste Spielrunde gegeben, und die Dinge fangen an, sich zu richten. Tabellenführer ist, und wer hätte das gedacht, Hertha BSC aus Berlin, Zweiter ist Dortmund, dann kommt Leverkusen auf Platz Drei, und auf dem vierten Platz liegt der FC Bayern. Sieht also schon mal nicht schlecht aus.
Mit dem 6:1 Auftaktsieg der Herthaner gegen die Eintracht aus Frankfurt hat niemand gerechnet. Chapeau. In Berlin träumt man schon von der Meisterschaft und erinnert eiligst daran, was einst Otto Rehhagel mit Kaiserslautern gelang: 1997 waren sie aus der zweiten Liga aufgestiegen und sind im kommenden Jahr prompt Meister geworden. Na, das wäre doch mal was. Auch die Bayern gewinnen ihr erstes Heimspiel - gegen Gladbach mit 3:1 Toren und einem wohlgesonnen Schiedsrichter. Die Spielweise und der glückliche Sieg erinnern an alte Zeiten. Kein neuer Spielwitz; keine taktischen Finessen - nichts. Am Samstag präsentierte sich die Münchener Millionentruppe so, wie sie einst mit Ottmar Hitzfeld 2008 aufgehört hatte: Ball halten, den Gegner einschläfern, und dann lange Pässe nach vorne. Immerhin konnten sie damit seinerzeit die Meisterschaft und den Pokal gewinnen. Doch der Fußball hat sich verändert; vor allem ist er schneller geworden. Das umzusetzen, darum geht es. Der andere Münchener Verein spielt (noch) in der zweiten Liga. Die 60er haben ihr Spiel auch mit Dusel gewonnen. Aber auswärts - und darauf kommt es an.
Keine Angst, das Thema Fußball wird keine dominante Rolle in diesem Newsletter spielen. Von Zeit zu Zeit schauen wir mal rein, und wenn's aufregend wird, berichten wir. Fußball ist ja bekanntermaßen die wichtigste Nebensache der Welt, und dabei wollen wir es belassen. Auch wenn der Leidensdruck steigt.
Vergangene Woche gab es einige Zahlendreher in der Newsletter Nummerierung. Versehentlich wurde die Freitagsausgabe statt mit der Nummer 490 mit der Nummer 471 gekennzeichnet. Das tut uns leid. Wir nähern uns hartnäckig der 500 und tun alles dafür, dass das auch erreicht wird.
Wünsche eine schöne Woche und grüße wie immer recht herzlich.

Bis Morgen,

Michael