Michael Schultz Weekly News Nr. 656

Michael Schultz Weekly News Nr.656, April 14, 2014

 München, den 14. April 2014

Liebe Freunde,

die vergangene Woche in Köln kann alles in allem als großer Erfolg verbucht werden. Die 'Art Cologne' war überdurchschnittlich gut besucht, und so wie wir es erlebt haben war das die Bereitschaft zum Erwerb von Kunstwerken ebenso. Das pluralistische Messekonzept ist in Gänze aufgegangen, die  Besucher waren begeistert. Tatsächlich ist es den Messemachern in den vergangen Jahren gelungen, der ältesten Kunstmesse der Welt einen Relaunch zu verpassen: ausgewogen, frisch, mit einer Aussicht nach vorne ebenso wie mit einem konzentrierten Blick nach hinten. So manche Kritik am Verfahren verstummt mit dem gut vorzeigbaren Ergebnis. Nach der 'Art Basel'  und der Londoner 'Frieze' ist die 'Art Cologne' die Nummer 3 unter den europäischen Messen für Gegenwartskunst. Weiter nach oben wird es nicht gehen, aber das reicht ja schon mal. Wenn es jetzt noch gelingt, Frieden in das Zulassungsverfahren zu bekommen, wird Köln zum Segen des deutschen Kunsthandels.

In Berlin bereiten wir uns jetzt auf die Eröffnungen der Ausstellungen von Gerhard Richter und Kim Yusob vor. Auch wenn es nicht so gewesen ist, könnte man trotzdem annehmen, dass die Malerei des koreanischen Künstlers Kim im Hörsaal von Richter entstanden ist. Doch sein inhaltlicher Hintergrund ist fest in der Kultur seiner Heimat verankert. Eine interessante Gegenüberstellung.  (MITTWOCH 19 Uhr)

Doch noch rechtzeitig konnten die Kunstwerke von Rebecca Raue vom türkischen Zoll befreit werden. Die Ausstellungseröffnung in der BAU ART Galerie in Istanbul war am vergangenen Freitag sehr gut besucht.

 

 Im Alter, so jedenfalls sagt es der Volksmund, werden die Menschen weise, gelassener und mitunter auch toleranter. Unter den Kreativen allerdings scheint dies genau umgekehrt zu sein: Toleranz und Weitsicht gibt es in der Jugend, und je fortgeschrittener das Alter, desto verbohrter ihr Denken. Markus Lüpertz, der gerade dabei ist, das Rheinland mit Skulpturen zu überziehen, hat nach eigenen Worten erhebliche Zweifel an der heutigen Jugend, 'der Nachwuchs verdummt zusehends. Abiturienten können nicht mehr schreiben und nicht mehr rechnen' beklagt sich der Malerfürst im aktuellen 'Focus'. Er der 'ich als Volksschüler an allen Schulen scheiterte, einschließlich der Akademie, bin erschrocken über die grassierende Einfalt der Schüler', und auch darauf, dass diese sich auf Informationen verläßt, die aus dem Netz stammen. Die Moderne hat anscheinend noch keine Einkehr in seinem Alltag gefunden; Lüpertz kramt zur Inspiration in seinem Bücherregal, und die Jugend sucht im Netz. Beide verwerten Ideen anderer - nur handwerklich gehen sie anders vor. Aber das scheint der Meister nicht zu verstehen. Doch nicht nur er hat Probleme mit dem Leben unserer Jugend; der Modeschöpfer Karl Lagerfeld wettert über soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook. Diese findet er stupide und nutzlos, 'indiskret und völlig unnötig'. Sein Smartphone nutzt er nur, um seine Katze Chaupette zu fotografieren. Gut möglich, dass es Lagerfeld wie seinem deutschen Malerkollegen an horizontöffnender Bildung fehlt. Die Ukraine ist auf dem besten Weg, sich als Staatsgebilde von den Landkarten zu entfernen. Im Osten des Landes wütet der Terror. Ein Anti-Terror-Einsatz von Ukraines Übergangspräsident Alexander Turtschinow forderte Tote und Verletzte, die Regierung reagierte somit auf die Erstürmung von Gebäuden durch bewaffnete pro-russische Gruppen. Ein Auszug aus den Schlagzeilen der heutigen Tagespresse zeigt, wie dramatisch das Geschehen dort bewertet wird: Das Kiewer Innenministerium hatte am Samstagabend Russland Aggression vorgeworfen. (FAZ) Ukrainische Sicherheitskräfte waren am Sonntag gewaltsam gegen pro-russische Gruppen vorgegangen - es kamen mehrere Menschen ums Leben. (SZ) US-Botschafterin Samantha Power hat mit neuen Sanktionen gegen Russland gedroht, wenn sich die Unruhen in der Ostukraine verschärfen. (WELT) Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn fordert, dass Russland sich von den Aktivitäten in der Ost-Ukraine distanziere, und kritisiert die russische Militärpräsenz an der ukrainischen Grenze. Am Montag beraten die EU-Außenminister über die Lage in dem Land - und über weitere Sanktionen.(NTV) Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen trifft sich in der Nacht zu einer Krisensitzung zur Lage in der Ukraine. Russland hat um die Einberufung gebeten. Am Donnerstag wird in Genf US-Außenminister John Kerry mit seinen Amtskollegen aus Russland, der Ukraine sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zu Gesprächen erwartet.(SPIEGEL) Moskauer Amtskollege Sergej Lawrow sagte, die Krise sei von der 'unfähigen' Regierung in Kiew hervorgerufen worden, die ukrainische Führung ignoriere die Rechte der russischsprachigen Bürger. Nato-Generalsekretär Rasmussen forderte, Moskau müsse seine Truppen von der ukrainischen Grenze zurückziehen. (FOCUS)

Es brennt im Osten des Landes, und so wie es aussieht wird auch dieser Teil in Kürze dem Russischen Reich von Wladimir Putin zugeteilt werden. Dies zu verhindern wurde im Vorfeld auf diplomatischem Wege verpasst.
Nach einem Plagiatsverfahren zu ihrer mehr als 30 Jahre alten Doktorarbeit musste Annette Schavan ihren Doktortitel abgeben. Nun bekommt sie von der Uni in Lübeck den Titel 'Dr. honoris causa'. Studenten protestierten gegen die Verleihung, die Hamburger FDP-Landesvorsitzende Sylvia Canel meint, einem Bundesminister für die Zuwendung von Steuermitteln die Ehrendoktorwürde verleihen zu wollen, sei befremdlich. Unipräsident Dominiak besteht darauf, dass die Verleihung keine Kompensation für den Verlust des Doktorgrades ist. Dem Vernehmen nach ist dies bereits der 5. Ehrendoktortitel für die Ex-Ministerin.

Zum Schluss noch eine kleine Bemerkung zum Fußball: souverän und abgeklärt hat Borussia Dortmund mit 3:0 bei Bayern München gewonnen. Bisher ist dies die empfindlichste Niederlage in der laufenden Saison. Ob sie sich davon jemals erholen, bleibt abzuwarten.

Beste Grüße,

Michael