Michael Schultz Daily News Nr. 898

Michael Schultz Daily News Nr. 898

Tirana, den 25. März 2015

der Absturz eines Airbus A 320 der Lufthansa-Tochter Germanwings, der gestern um die Mittagszeit  an der Westseite der  französischen Alpen buchstäblich zerschellte, überschattet die heutige Nachrichtenlage. Große Trauer in Frankreich, Spanien, bei uns im Land, aber auch weltweite Teilnahme in Gedenken an die Opfer. 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder sind  bei dem Unglück ums Leben gekommen. Die Ursache ist noch nicht bekannt; es wird vermutet, dass es Probleme mit der Sauerstoffzufuhr gegeben haben könnte. Bereits heute schon wird die Auswertung des schwer beschädigten Stimmenrekorders erwartet.

Unter dem Schock des Geschehens, und dies  wurde von der Fluggesellschaft bestätigt, haben sich mehrere Crews von Germanwings für heute von der Arbeit abgemeldet.  Sie weigern sich an den Start zu gehen, weil auch sie Trauerarbeit verrichten müssen, und weil sie die Belastungen daraus nicht ins Cockpit tragen wollen.  Für die nach solchen Unfällen ohnehin starken Bedenken der Passagiere, wieder in ein Flugzeug zu steigen, ist die Reaktion einiger Piloten sicherlich nicht besonders hilfreich. Am Ende jedoch geht es um die Sicherheit, und dafür sollte besonders den Vielfliegern einiges am Herzen liegen. Ganz schnelle Aufklärung ist jetzt gefordert; nicht nur für die Trauerarbeit, auch für das Vertrauen in den Luftverkehr.

Ohnehin ist die Chance, mit einem Flieger zu verunglücken sehr, sehr gering. 1:29.000.000 haben Experten berechnet; mit dem Fahrrad hingegen zu verunfallen ist viel eher möglich, dort liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:340.000. Von dem abgestürzten Flugzeugtyp wurden innerhalb der letzten 27 Jahre  6.500 Exemplare  gebaut; davon im Einsatz sind weltweit 6.200 Flugzeuge. Der A 320 gilt als besonders sicher und ist mit besonderen Computersystemen ausgestattet. Wenn diese allerdings mit falschen Daten aus den am Flugzeug angebrachten Sensoren versorgt werden, kann es für die Kapitäne schwierig werden. Insgesamt gab es mit der A 320  bisher 27 Totalausfälle. Der letzte relevante Flugunfall der Lufthansa geschah vor 40 Jahren in Nairobi. Ansonsten gilt die Airline als besonders zuverlässig. Aufgrund der enormen Konkurrenz sogenannter Billigflieger wurde mit Germanwings eine Tochter gegründet, die den entschwindenden Passagieraufkommen entgegenwirken soll. Unter Vielfliegern ist die Airline nicht besonders beliebt, im Besonderen wegen des komplizierten Buchungssystems, aber auch wegen des nicht gerade vor Höflichkeit strotzenden Personals.

So ein Absturz bringt viel Bewegung in die Gemüter. Beim Tritt in das Flugzeug jedoch an das Ende zu denken, würde die Reise zur Qual machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt ganz schnell wieder was Schlimmes am Himmel geschieht, ist so minimal, dass sie gar nicht in Zahlen benannt werden kann.

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So sieht der Schreibtisch des albanischen Premierministers aus: neben seiner stets harten und zeitaufwendigen Arbeit als Politiker nutzt Edi Rama jede freie Minute um seiner Passion, der Malerei nachzugehen. Eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit, der  sein Amtszimmer zu einem Atelier und Museum in eigener Sache verwandelt hat. Die Wände sind mit seiner Kunst tapeziert. Edi Rama lebt für sein Land und für die Kunst. Unter mehr als 3.000 Zeichnungen und Gouachen wurden gestern in einem Auswahlmarathon 415 für die am 25. April vorgesehene Ausstellungseröffnung ausgewählt. Gegenübergestellt werden seine Werke dem aserbaidschanischen Maler Arif Aziz; zwei spannende Positionen, die erstmals bei uns gezeigt werden.  

Auch ich werde heute und morgen viermal das Flugzeug wechseln; zweimal Lufthansa und zweimal Germanwings. Zweifel sind jetzt nicht angebracht.