Michael Schultz Daily News Nr. 886

Michael Schultz Daily News Nr. 886

Berlin, den 9. März 2015

eine an- und aufregende Woche liegt hinter uns. Zu bewältigen waren die 'Armory Show' in New York und die 'Art' in Karlsruhe, aber auch die Eröffnung der Ausstellung des aserbaidschanischen Künstlers Arif Aziz in Riegel am Kaiserstuhl. Drei Großprojekte in nur sechs Tagen erfordern beste Vorbereitung und punktgenaue Logistik. Das Wetter in New York wollte nicht so richtig mitziehen. Schnee und Eis stellten den Flugplan ein wenig auf den Kopf; am Ende aber ging alles nochmal gut.

Ihre Teilnahme an der 'Armory' nahm Sabina Sakoh (Foto) zum Anlass erstmals nach New York zu reisen. Ein überwältigendes Gefühl überkommt jeden, der den Boden der stets energiegeladenen Multikulti-Metropole betritt. So auch bei ihr. Bei Wind und Wetter sich eine Woche durch die Stadt treiben lassen - was gibt es Aufregenderes. Besonders während der 'Armory'-Woche, wenn die Welt der Kunst am Hudson River Halt macht, ist New York für Künstler eine beliebte Destination. Kontakte pflegen, Partys besuchen und schauen was die Kollegen machen; kompakter geht's kaum.
 
Ein wenig unkonventioneller, aber dennoch mit Qualitäten und Charme, etablierte sich die 'Art Karlsruhe' auf dem nationalen und internationalen Spielplan der Weltmessen. Anfänglich noch belächelt, hat sie sich heute einen festen Platz im Messezirkus gesichert. In Karlsruhe ticken die Uhren ein wenig gemächlicher. Eine Wohltat für die stressgeplagten Aussteller und für die vom Tempo des ersten Blicks getriebenen Messebesucher. In Karlsruhe wird der Besuch der Messe zum Familienereignis; Kunst wird zum Generationenübergreifenden Vehikel mit hoher sozialer Komponente.
 
Zwei grundunterschiedliche und nur wenig vergleichbare Veranstaltungen, von der jede an ihrem Platz optimal geordnet ist. Einzig die Terminüberschneidung überfordert. Aber das ist fürs kommende Jahr geändert; Karlsruhe rückt nach vorne in den Februar, und ist dann, zumindest terminlich, konkurrenzlos. 
Die ganz unverwüstlichen unter den Kunstfreunden waren in der vorvergangenen Woche auf der 'Arco' in Madrid, letzte Woche auf der 'Armory' in New York, und reisen diese Woche weiter zur 'Art Basel' nach Hongkong. So eng stehen die Messetermine; kaum zu Bewältigendes. Grund dafür ist der anhaltende Hype auf dem Kunstmarkt; wer die Zeit hat, der kann sich Woche für Woche eine oder sogar mehrere Kunstmessen ansehen. Rund um die Welt, und die Anzahl der Marktteilnehmer steigt von Destination zu Destination.
 
Die Gier nach Kunst ist unersättlich, und nur so kann man die gegenwärtige Situation beschreiben. Messeveranstalter, Auktionshäuser und Galerien befinden sich in permanentem Wettstreit. Mal miteinander, mal gegeneinander. Mit Kunst Geld zu verdienen, ist das Schickste was gerade angesagt ist. Dank der tempoentsagenden Produktion der Künstler, hält sich das alles in der Waagschale. Auch die Messen achten mehr auf Qualität, und so steigt trotz höherer Nachfrage permanent die Qualität. Ein beachtenswertes Alleinstellungsmerkmal des Kunstmarktes.