Michael Schultz Daily News Nr. 881

Michael Schultz Daily News Nr. 881

New York, den 2. März 2015

wer sich aus der Fremde meldet, wird nach dem 'na wie geht's' ganz schnell nach dem Wetter dort gefragt. Um es vorne weg zu nehmen: bei der Ankunft gestern hat es sehr stark geschneit, nur um ein Haar durften wir in New York landen.  Ausweichflughafen wäre Charlotte weiter unten im Süden der Staaten gewesen. Aber es ist gerade nochmal gutgegangen. Ansonsten ist es ordentlich frisch (gemessen minus 4, gefühlt minus 7), New York aber trotzt der Kälte und zeigt sich mit gewohnter Energie.

Ab Mittwoch dieser Woche präsentieren wir uns auf der Armory Show; mit dabei ist Kunst von Andy Denzler, Sabina Sakoh, Andy Warhol, Henry Moore, SEO, Gerhard Richter, Cornelia Schleime, Otto Dix, Joan Miró und Sigmar Polke. Neben der legendären Armory gibt es ein gutes Dutzend Satellitenveranstaltungen. Für den Messestandort New York sind diese sogenannten Ergänzungsmessen von großer Bedeutung; interessante, aber auf dem internationalen Kunstmarkt noch nicht etablierte Kunst wird dort gezeigt. Der Besuch ist für Sammler ein absolutes Go. Erstmals in diesem Jahr gibt es auch eine Messe auf der ausschließlich Papierarbeiten gezeigt werden; 'Art on Paper' findet parallel zur Armory statt (5.bis 8. März, Pier 36/Chelsea). Aus unserem Programm mit dabei sind Rebecca Raue und Jean Y. Klein, die dort von der in New York ansässigen Galerie von Molly Krom vertreten werden.

Zu Hause in der Heimat findet parallel zu New York die 'Art Karlsruhe' statt. Unser Auftritt wurde mit einem besonderen Konzept entwickelt; im Mittelpunkt stehen die Self-Bondage Fotos von Annette Merrild. Gegenübergestellt wird (in kuratorischer Meisterleistung) Genussvolles aus dem Kaffeeautomat. Genaueres dazu in den nächsten Tagen. An den Außenwänden des Messestandes zeigen wir Bewährtes, aber auch Positionen, die bei uns bisher noch nicht zu sehen waren: Malerei von Iris W.R., Titiana Titin, Jonas Hödicke, Deniz Alt, Timo Meyer, Monika Sigloch, Stephan Kaluza, SEO, Römer + Römer, Malgosia Jankowska, Johanna Flammer, Norbert Bisky sowie eine Skulptur von Jean Y. Klein. Der Messestand wird von unserem ehemaligen Praktikantenteam Ricarda Brosch und Anton Cos betreut. Kein Experiment - kuratorische Vorgabe.

Am Freitag wird in der Kunsthalle Messmer / Riegel die durch uns konzipierte Ausstellung des aserbaidschanischen Künstlers Arif Aziz eröffnet. Ein Mammutprogramm was da auf uns zukommt, was nur mit perfektem Timing zu bewältigen ist. Infos zu den Messen unter http://www.schultzberlin.com/de/art-fairs

Mit ihrer Schreiberei hat sich Cornelia Schleime in den vergangen Jahren ein weiteres Standbein geschaffen. Ihre Bücher kommen bei den Lesern gut an; im Besonderen ihre authentische Schreibe. In der Mitteldeutschen Allgemeinen Zeitung erschien dieser Tage eine Besprechung, die wir nicht vorenthalten wollen. http://www.schultzberlin.com/de/node/4453

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Nach der Zerstörung einzigartiger Kulturgüter im Irak durch die dschihadistische Organisation 'Islamischer Staat' (IS) hat UNESCO-Chefin Irina Bokova eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates gefordert. 'Dieser Angriff ist mehr als eine Kultur-Tragödie - dies ist auch eine Sicherheitsfrage, da er Sektierertum, gewaltsamen Extremismus und Konflikte im Irak schürt', erklärte sie.

Experten zeigen sich vom Kulturvandalismus der IS-Terrormiliz entsetzt. Die Zerstörung antiker Figuren sei eine Vernichtung unseres Erbes. Nicht ganz schuldlos daran, sagen die Experten, seien die vielen internationalen Käufer von Antiken Kulturschätzen.

Die Generaldirektorin der UN verurteilte die systematische Zerstörung irakischen Kulturguts als 'gezielten Angriff auf die Jahrtausende alte Geschichte und Kultur des Iraks', ebenso wie als 'Anstacheln zu Gewalt und Hass'. Die Zerstörung der Kulturgüter ist nach den Worten des irakischen Antikenministers Adil Fahd Sharshab eines der größten Verbrechen der Gegenwart. Die Tat der IS-Dschihadisten bedeute nicht nur für den Irak einen riesigen Verlust, sondern für die gesamte Menschheit, sagte er am Donnerstag.

Im Norden des Irak haben IS-Dschihadisten vergangene Woche einzigartige Kulturgüter aus altorientalischer Zeit zerstört. Ein Internetvideo der Extremisten zeigt, wie sie im Museum der Stadt Mosul und an der Grabungsstätte Ninive bedeutende Bildwerke aus der Antike zertrümmern.

Unter den zerstörten Kulturgütern befand sich eine assyrische Türhüterfigur, die mehr als 2.600 Jahre alt ist. Die sunnitischen Extremisten zerstörten die Figur mit einem Presslufthammer. Unter den zerstörten Gütern sind auch zahlreiche weitere assyrische Statuen, teilweise größer als ein Mensch. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie die IS-Anhänger im Museum von Mosul mit großen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, so dass sie zu Bruch gehen.

Nach Einschätzung von Experten handelt es sich bei den zerstörten Statuen teils um Originale oder um Rekonstruktionen, teils um Kopien von Originalen. Demnach stammten die Statuen aus der Epoche der Assyrer und aus der antiken Stadt Hatra. Die Dschihadisten sollen zahlreiche Kunstschätze aus Museen verkauft haben, um ihren Kampf zu finanzieren. Der Kriminologe und Archäologe Samuel Hardy äußerte den Verdacht, dass sie nur Statuen zerstörten, die zu groß waren, um sie zum Verkauf abzutransportieren.

Ein unglaublicher Vorgang extremistischen Kulturfrevels. Es ist an der Zeit, diesen Banausen das Handwerk zu legen.