Michael Schultz Daily News Nr. 878

Michael Schultz Daily News Nr. 878

Berlin, den 25. Februar 2015

unser Leben wird immer unsicherer, das zumindest vermitteln die Statistiken der Polizei. Wohnungseinbrüche sind rasant gestiegen, die Anzahl der Taschendiebsdelikte besonders in Großstädten ebenso. Nur jeder sechste Einbruch wird aufgeklärt; die Polizei ist restlos überfordert und kann ihre Arbeit nur noch bedingt erledigen. Für Bürgeraufklärung und Präventionsmaßnahmen fehlt das Personal. Staatsschutz und Terrorabwehr binden so viel Kapazität, dass Schutz- und Geschädigtenversorgung schwer darunter leiden. 

In Berlin wartet man schon mal bis zu einer Stunde, bis die Polizei zu einem Unfallort erscheint. 'Bagatell'-Schäden ohne Verletzte, die aus Versicherungsgründen aber bei der Polizei gemeldet werden müssen, werden in der Bearbeitung gerne hinten angestellt. Wir tragen es mit Fassung; die Abhängigkeit vom staatlichen Gewaltenmonpol lässt uns auch keine andere Wahl. Schließlich hoffen wir von den Ermittlern, dass die eigene Sicht des Geschehens in deren Beurteilung berücksichtigt wird. 

In ländlichen Gebieten, besonders in den Speckgürteln der Ballungsgebiete, wüten gut organisierte Einbrecherbanden. Reihenwiese werden Häuser und Wohnungen geknackt, und mitgenommen wird alles, was schnell und gut zu versilbern ist. Weil die Polizei ihrer Arbeit dort teilweise schon gar nicht mehr nachkommen kann, haben sich die Bewohner zusammengeschlossen. Zur Schadensabwehr wurden sogenannte 'Bürgerwehren' aufgestellt. Diese patrouillieren 24 Stunden am Tag und werden von von der Gemeinschaft entlohnt.

Immer mehr wird das staatliche Monopol ausgehöhlt und gerät dabei deutlich ins Schwanken; Polizeiführer und Gewerkschaft gehen auf die Barrikaden. Der Erfolg jedoch spricht für die Eigeninitiative. Bis auf null gingen in den durch Anwohner beschützten Revieren die Einbruchsdelikte zurück. Ein Erfolg, der von den Beschützern mit Stirnrunzeln kommentiert wird, in der Bevölkerung aber mit Genugtuung aufgenommen wird.  

Die Tendenz zur Hausbetreuung wird in den Großstädten wieder populärer. Den wirklich gut betuchten unter uns bietet die Immobilienwirtschaft Behausungen mit Portierservice an. Durch ihn wird nicht nur die Wohnung beschützt; die Hausbutler organisieren den Alltag der Bewohner. Vom Bettenmachen bis zum Kühlschrankfüllen. Hat was, kann sich leider nur nicht jeder leisten. 

Doch auch die Einbrecher gehen mit der Zeit; dort wo das Öffnen der Wohnungen zu gefährlich ist, bedienen sie sich anderer Mittel. Immer beliebter wird die sogenannte 'Paket-Abzocke'. 

Mit dem Hinweis 'Helfen Sie Ihrem Nachbarn, aber nicht dem Betrüger', rät deshalb die Polizei zur Vorsicht bei der Annahme von Paketen. Folgende Situation ist fast jedem von uns bekannt - es klingelt und ein Paketzusteller fragt, ob man für einen Hausbewohner ein Paket annehmen würde. Eine Anfrage, die selten abgelehnt wird, weil man ja selbst gerade diesen Service der Nachbarn so schätzt.

'Bestellbetrüger aber nutzen Ihre Freundlichkeit rücksichtslos aus', sagt die Polizei dazu. 'Die Straftäter vertrauen darauf, dass Sie auch Pakete für Empfänger annehmen, die Sie persönlich nicht kennen und diese später einem "Abholer" (zumeist ein junger Mann), der eine Zustellbenachrichtigung vorlegt, übergeben'.

Der unbekannte "Abholer" aber ist ein Betrüger. Er benutzt neben einem falschen Namen auch Begründungen wie "man sei gerade neu eingezogen", "man betreue während Urlaubsabwesenheit oder Krankenhausaufenthalt die Wohnung" oder "man sei vom Empfänger beauftragt, das Paket abzuholen". Sie dienen einzig dem Zweck, Ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Aushändigung zu zerstreuen.

Für etwaige zivilrechtliche Ansprüche des Warenversenders ist zudem der letzte namentlich bekannte und nachvollziehbare Empfänger des Pakets auch derjenige, von dem der Lieferant Regress fordert. Aus diesem Grund rät die Polizei dringend davor: 'Vorsicht bei der Annahme von Paketen für Personen, die Sie nicht kennen'. 

In den letzten Jahren ist es zu einem kontinuierlichen Anstieg des Bestellbetruges gekommen. Die Straftäter bestellen unter fremden Namen und geben eine Lieferanschrift an, unter der sie nicht wohnhaft sind. Dazu präparieren sie Briefkästen mit dem jeweiligen Bestellnamen und "fischen" die Zustellkarte heraus. 'Bleiben Sie bei aller Nachbarschaftshilfe und Freundlichkeit misstrauisch, achten Sie auf zusätzlich angebrachte Namen an Hausbriefkästen oder leeren Wohnungen und informieren Sie bei Auffälligkeiten die Polizei oder Ihre/n Hausverwaltung/Hauswart', empfiehlt die Polizei.

Richtig lustig allerdings wird es, wenn ein Paket mit korrektem Namen und richtiger Anschrift zugestellt wird, dessen Inhalt niemals bestellt wurde. Wer nun denkt, er könne das einfach behalten, weil es ja nie bestellt wurde, der irrt. Sofort reklamieren und die Ware per Einschreiben/Rückschein zurücksenden. Speziell im Großraum Berlin werden zur Zeit von einem Nürnberger Versandhandel wahllos Pakete an existierende Personen und Adressen versendet, die niemals angefordert wurden. Darauf angesprochen, wird lapidar mitgeteilt, dass augenblicklich 'enorm viele Bestellbetrüger im Großraum Berlin unterwegs sind'.

Vermutlich arbeiten hier die Banden und Unternehmer zusammen. Es gibt keinen Grund, ein Paket an einen Fremden auszuhändigen, welches an einen selbst adressiert ist. Vorsicht, wenn die Ware nicht schnellstens nachweisbar zum Absender zurückgeht, kanns teuer werden. 

Auf der Strecke bleiben, und das ist das Bedauerliche an der ansteigenden Begehrlichkeit fremden Eigentums, auf der Strecke bleiben unsere Hilfsbereitschaft und Höflichkeit, mitunter sogar Zivilcourage, die unsere Gemeinschaft so erträglich macht...

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Der in den Daily News von gestern beschriebene 'Ortswechsel' wurde aus Fuerteventura mit folgender spanischer Weisheit kommentiert: 'A donde viachare, te llevas tu mismo'. Frei übersetzt heißt das: 'wohin du auch reist, du nimmst immer nur dich selbst mit'. Hat auch was.

Vermisst werden die bissigen Kommentare im Fußball - im speziellen gegen die Bayern. Tja, was soll man da noch Böses von sich geben. Nach kurzen Rückrunden-Startschwierigkeiten nehmen die Münchner gerade die Bundesliga auseinander: 14:0 Tore in zwei Begegnungen; Ergebnisse die jeden Kommentar erübrigen. Dortmund ist auf dem Vormarsch. Noch ist nichts in trockenen Tüchern, aber das wird. Gestern wurde in Turin mit 1:2 verloren; im Rückspiel reicht ein 1:0 um das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Sollten die Bayern zu Hause gegen Donezk wieder unentschieden spielen, und wenn dabei noch Tore im Spiel sind, sind sie draußen. Arithmetik kann manchmal recht einfach sein.