Michael Schultz Daily News Nr. 872

Michael Schultz Daily News Nr. 872

Dresden, den 17. Februar 2015

 

Montags in Dresden zu sein, würde man gerne verschweigen, besonders dann, wenn man aus der innersten Mitte der Gesellschaft kommt. Auch nach der Zersplitterung des ˈPegidaˈ-Mobs trifft man sich dort, es kommen weitaus weniger, dafür ist es der radikale Kern rechtsnationaler Gesinnung, der sich dort rund um die Frauenkirche versammelt. Auch gestern traf man sich wieder; gekommen sind knapp 4000 Unverbesserliche. Für das Image der Stadt werden die rechtslastigen Demos so langsam zur Last. Man sorgt sich in der Stadt, dass aufgrund der alltäglichen Berichte, die in der Weltpresse veröffentlicht werden, das touristische Interesse immer geringer wird. Bereits jetzt spürt die Stadt den Rückgang an Tagestouristen; vor allem die konsumorientierten  Besucher aus dem Ausland bleiben weg.

Unterdessen hat der Mob bekannt gegeben, dass die rechtslastige Bewegung in Dresden zur Oberbürgermeisterwahl am 7. Juni antritt. ˈPegidaˈ-Gründer und Volksverhetzer Lutz Bachmann spricht von drei möglichen Kandidaten. In Leipzig durfte ˈLegidaˈ nicht durch die Stadt marschieren, sondern nur eine örtliche Kundgebung abhalten. Die Richter begründeten ihren Beschluss damit, dass die zur Verfügung stehenden 15 Hundertschaften der Polizei einen Aufzug der ˈLegidaˈ nicht absichern könnten. Eine weise, beispiellose Entscheidung, die zeigt, dass es unter den Stadtoberen Entscheider mit Zivilcourage gibt. Hut ab.

Die rechtslastigen Verunglimpfungen, aber auch die verübten Attentate in Brüssel, Paris und jüngst in Kopenhagen schüren große Angst unter den jüdischen Mitbewohnern unseres Landes. Vor diesem Hintergrund und einer großen Verunsicherung bittet Angela Merkel die jüdischen Bürger, in Deutschland zu bleiben. Die Regierung werde alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Bürger und ihrer Einrichtungen gewährleistet werde, sagt Merkel. Sie reagiert damit auf eine Ausreise-Aufforderung an Juden in Europa durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Nach den Anschlägen in Kopenhagen verlangt der Zentralrat der Juden, den Schutz jüdischer Einrichtungen zu überprüfen. Ein Geschmäckle hat das schon, wenn unsere Kanzlerin nur 70 Jahre nach Befreiung von Auschwitz in aller Öffentlichkeit die Juden im Land in Schutz nehmen muss. Da ist noch viel im Argen bei uns.

 

 

Mutig war die Ansetzung der Ausstellungseröffnung von Burkhard Held in der Dresdner Kunsthalle. Montagabends, und das in dieser Zeit, geht eigentlich gar nicht. Doch die Überraschung war groß: das Interesse an der Auseinandersetzung gesellschaftsrelevanter Themen, die durch künstlerische Aktivitäten zum Diskurs gestellt werden, war enorm.  Die Kunsthalle war sehr gut gefüllt; eine Mut machende Geste, dass es in Dresden auch anders geht. (Kunsthalle Dresden, Ostra-Allee 33, 01067 Dresden, bis 11. Mai).

Beste Grüße.