Michael Schultz Daily News Nr. 868

Michael Schultz Daily News Nr. 868

Berlin, den 11. Februar 2015

der erste große Auktionsreigen in diesem noch jungen Jahr begann am gestrigen Abend mit dem 'Evening Sale' bei Sotheby's in London. Aufgerufen waren 77 Lose, nicht alle gingen weg, doch insgesamt wurden passable Ergebnisse erzielt. Insgesamt ein eher stimmungsloses Ereignis, im Ergebnis allerdings gab es viele zufriedene Gesichter. Umgesetzt wurden etwas mehr als 123 Millionen Britische Pfund, das entspricht dem Gegenwert von knapp 166.5 Millionen Euro, und das ist nicht schlecht. 

Die großen Ausreißer waren mal wieder die deutschen Lose. An deren Spitze Gerhard Richter mit einer großformatigen abstrakten Komposition aus dem Jahre 1986 (WZV 599), die im einzig aufregenden Bietergefecht von 12 Millionen Britischen Pfund auf den stolzen Endpreis von 30.389.000 GBP gesteigert wurde. Das sind rund 41 Millionen Euro, die der Käufer dafür genehmigt hat. Einer der Bieter verlor während des Fights ein wenig die Geduld und offerierte einen Zwischensprung von 17 auf 20 Millionen. Eine ungewöhnliche Geste des Begehrens, die im Saal für Aufheiterung sorgte. Am Ende behielt der Telefonbieter die Oberhand, sein Zuschlag wurde mit reichlich Applaus bedacht.

Wenn man die aufgerufenen drei Richter-Lose, ein kleineres abstraktes sowie ein frühes Wolkenbild waren noch im Angebot, zusammenrechnet,  dann wurden damit mehr als 30% des Gesamtergebnisses erzielt. Bei 77 Losen ein wirklich nennenswerter Auftritt.

Aber auch die Ergebnisse der anderen deutschen Angebote konnten sich sehen lassen: der 'Hirte', eine frühe kleinformatige Papierarbeit von Georg Baselitz brachte es auf stolze 485.000 GBP; ein weiteres Blatt von 1965 erzielte mit 439.000 GBP ein ebenso herausragendes Ergebnis. Kiefers Hommage an Paul Celan 'Des Herbstes Runengespenst' von 2005 konnte seine untere Schätzung mehr als verdoppeln; am Ende mussten rund 989.000 GBP auf den Tisch gelegt werden. Der 'Porträtist' von Sigmar Polke, eine Gouache von 1979, konnte die Erwartungen ebenfalls übertreffen; 617.000 GBP wurden bewilligt, immerhin das doppelte der Erwartung.

Geschickt wurde das Mittelfeld der Versteigerung mit deutschen Toplosen besetzt. Ein glücklicher Schachzug, der der Auktion genügend Schwung und Energie für die zweite Hälfte verlieh.

Von den nichtdeutschen Losen erreichte der 'Beach Call' von James Rosenquist (61 x 76,5 cm/1979) mit 641.000 GBP die Versechsfachung (!) der unteren Schätzung; ein Aluminiumteller von Richard Hamilton 'Slip it to me'  (Nr. 4 einer Edition von 12)  erzielte total 557.000 GBP, taxiert war das Werk auf 150 bis 200.000 GBP. Auch das ein beachtliches Ergebnis.

Am Ende jedoch hat das deutsche Angebot überzeugt,  die Ergebnisse haben wiederum bewiesen, dass gute Kunst aus Deutschland auf den internationalen Märkten eine immer höhere Begehrlichkeit erweckt. Richter, Polke, Baselitz und Kippenberger, aber auch Thomas Schütte und Andreas Gursky haben den Londoner Auftakt mit Bravour bestanden. Wie es dort heute weitergeht, darüber wird morgen informiert.